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Schach-Kandidatenturnier : Nakamura spielt auf allen Plattformen

  • -Aktualisiert am

Schachspieler ohne Berührungsängste: Hikaru Nakamura Bild: Maria Emelianova / Chess.com

Hikaru Nakamura agiert anders als andere Schach-Großmeister: er gibt Reportern Auskunft, schreibt Autogramme und macht Selfies mit Fans. Zudem bespricht er seine Spiele bei Twitch und sendet auf Youtube.

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          Beim WM-Kandidatenturnier in Madrid rackert keiner so schwer wie Hikaru Nakamura. Seine Partien sind bisher die längsten. Im Unterschied zu einigen Konkurrenten gibt er hinterher Reportern Auskunft, schreibt Autogramme und geht nicht fort, bevor auch der letzte Fan ein Selfie mit ihm bekommen hat.

          Im Hotel angekommen, schaltet sich der 34 Jahre alte Amerikaner gleich in seinen Twitch-Kanal ein und spricht mit von ihm bezahlten Streamern darüber, was er sich am Brett gedacht hat. Später nimmt er ein Video über seine Partie auf und lädt es auf Youtube.

          Nach Runde drei schlug er sich auch noch mit einer Verwarnung durch die FIDE herum. Er war in dunklen Jeans und Jackett angetreten, vorgeschrieben war aber ein Anzug. „Wir sollen alle aussehen, als wären wir bei IBM in den Siebzigerjahren“, twitterte er. Auf seinem Stream trägt er gewöhnlich bunte Hawaii-Shirts und am liebsten mit Ananas-Früchten drauf. Doch zur vierten Runde erschien er im gefordert biederen Outfit.

          Auf Twitch und Youtube hat er so viele Fans, dass selbst während Turnieren, an denen er gar nicht teilnimmt, immer wieder Zuschauer nachfragen, wie es eigentlich bei Nakamura steht. Weil er nach über zwei Jahren Turnierpause beim Grand Prix in Berlin überraschend die Qualifikation fürs Kandidatenturnier schaffte, ist die Frage in Madrid nun berechtigt.

          In den Eröffnungen wirkt er so gut vorbereitet wie lange nicht. Zu Beginn gegen Fabiano Caruana brachte er sich unnötigerweise selbst in Schwierigkeiten und verlor, machte es aber gleich am folgenden Tag mit einem Sieg gegen Teimur Radschabow wieder wett. Mit einer feinen Verteidigungsleistung, die ihm gegen Alireza Firouzja ein Remis sicherte, war er besonders zufrieden.

          Weniger, als er gegen den führenden Jan Nepomnjaschtschi nicht mehr aus seinem Anfangsvorteil machte als ein Remis, womit er geteilter Dritter blieb statt sich an die Spitze zu setzen. Er wirkt lockerer als bei seinem ersten Kandidatenturnier 2016 und meint, er habe von damals gelernt.

          Mit ihm ist zu rechnen, auch wenn Weltmeister Magnus Carlsen zu Turnierbeginn mitgeteilt hat, dass er sich Nakamura nicht als Sieger vorstellen könne. In ihren Begegnungen mit klassischer Bedenkzeit ist Carlsen sehr weit vorn, doch bei kurzen Bedenkzeiten ist ihm der Amerikaner nahezu ebenbürdig. In der Blitzschach-Weltrangliste ist Carlsen derzeit nur Fünfter und Nakamura Erster.

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