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Ärger um den Bundestrainer : Aufstand der Schach-Nationalspieler

  • -Aktualisiert am

Intrigen um den Schachbundestrainer: Dorian Rogozenco sorgt für viel Unmut. Bild: dpa

Verbale Entgleisungen und ein geheimes Trainingslager: Dorian Rogozenco stieß mit seinen Praktiken als Coach der Schach-Nationalmannschaft auf Widerstand. Der Unmut der Spieler endet im Eklat.

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          Anders als in der Netflix-Erfolgsserie „Das Damengambit“ kommen Schachspieler in deutschen Fernsehproduktionen eher unsympathisch rüber. Wie am vergangenen Freitag, als die Soko Leipzig nach dem Mord an einem Schachtrainer ermittelte. Aber es passte zu einer Woche, in der im Deutschen Schachbund die Intrigen um den Schachbundestrainer eskalierten.

          Dorian Rogozenco war schon länger umstritten. Als zwölf Nationalspieler und Nationalspielerinnen über die Medien mitteilten, dass sie nicht mehr zur Verfügung stehen, solange der rumänische Großmeister als Trainer im Amt bleibt, ging es auf einmal schnell. Der Schachbund gab die einvernehmliche Trennung bekannt. Rogozenco wurde ohne jede Andeutung von Kritik für die gute Zusammenarbeit über seine gesamte siebenjährige Wirkungszeit gedankt. Wie lange seine Bezüge weiterlaufen, behält Schachbund-Präsident Ullrich Krause für sich. Er räumt ein, dass ihn das Tempo, in dem die Spieler ihre Forderung durchsetzten, überrascht habe.

          Ärger um Bundestrainer

          Für eine fristlose Entlassung hätten Rogozencos verbale Entgleisungen gegenüber Spielerinnen nicht gereicht. Auch nicht, dass er seinem Jugendfreund Liviu-Dieter Nisipeanu, der nach Rogozencos Amtsantritt 2014 erstmals für Deutschland spielte, für mehr als 4000 Euro ein geheimes Trainingslager mit dem indischen Weltklassespieler Pentala Harikrishna organisierte. Das hatte die Geschäftsstelle des Schachbundes ausdrücklich genehmigt. Die anderen Nationalspieler aber werteten es als Affront. Das Coaching fand nämlich im August statt – kurz vor den German Masters, wo sie Nisipeanu als Gegner hatten.

          Der Referent für Leistungssport, Andreas Jagodzinsky, bekam erst im Nachhinein Wind vom Training und den Kosten. Aus seiner Sicht war die nicht abgesprochene Ausgabe satzungswidrig, weshalb er von seinem Posten zurücktritt. Krause hält Nisipeanus Sondertraining für vertretbar, „aber wir hätten Andreas Jagodzinsky vertraulich informieren sollen“.

          Ein anderer Streitpunkt war die Teilnahme von Elisabeth Pähtz bei der Online-Schacholympiade, kurz nachdem ihr Lichess-Account wegen unerlaubter Computerhilfe gesperrt worden war. Wie in der F.A.Z. berichtete, hatte sie damals nicht betrogen, sondern ein Freund und Mitarbeiter, der ihr Passwort kannte. Auf Forderung von Mitspielern wurde die beste deutsche Spielerin trotzdem nicht fürs deutsche Team nominiert. Als Pähtz im Achtelfinale gegen Ungarn doch aufgestellt wurde, traten Matthias Blübaum und Rasmus Svane nicht an. Schachbund-Präsident Krause steht zur Entscheidung, weil es sonst „einer Vorverurteilung unserer Spitzenspielerin gleichgekommen“ wäre.

          Aussprache mit den Spielern

          Zu einer ersten Aussprache zwischen den Kaderspielern und der Verbandsführung kam es nun bei einer zweistündigen Videokonferenz. Zugesagt wurde ihnen ab sofort mehr Mitsprache. Für die Frauen soll ein neuer Bundestrainer gefunden werden. Die Männer dürfen wie gefordert ohne Bundestrainer auskommen. Stattdessen soll mehr Geld in Trainingslager mit Weltklassegroßmeistern fließen. Für Turniere der Nationalmannschaft wie Schacholympiaden und Europamannschaftsmeisterschaften sollen internationale Spitzentrainer engagiert werden. Als die besten deutschen Spieler vor zehn Jahren schon einmal meuterten und die Schacholympiade boykottierten, wo dann ein Ersatzteam antrat und den 64. Platz belegte, wurden im Jahr darauf ihre Honorare verdoppelt. Bei der EM 2011 stand ihnen mit Rustam Kasimdschanow der Trainer des damaligen Weltmeisters Vishy Anand zur Seite. Der Erfolg kam sofort: Deutschland wurde Europameister.

          Am Spitzenbrett spielte damals Arkadi Naiditsch. 2015 wechselte er zum aserbaidschanischen Verband. Sein Vertrag dort soll aber ausgelaufen sein. Neuerdings streamt er im Internet für deutsche Schachfans. Eine Anfrage, ob er wieder für Deutschland spielen will, ließ Naiditsch unbeantwortet.

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