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Schach : Carlsen im Glück

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Glück in der Niederlage: Magnus Carlsen ist WM-Herausforderer Bild: dpa

Das Finale setzte dem Kandidatenturnier zur Schach-WM die Krone auf. Top-Favorit Magnus Carlsen qualifizierte sich trotz einer Niederlage für das Duell gegen Weltmeister Viswanathan Anand, weil auch Carlsens Rivale Wladimir Kramnik Nerven zeigte.

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          So viel Glück benötigt Norwegens Schach-König Magnus Carlsen normalerweise nicht. Der 22-jährige Ausnahmespieler wurde seiner Favoritenrolle beim WM-Kandidatenturnier letztlich gerecht, doch die 14. Runde wurde am Montagabend in London zu einer Zitterpartie. Carlsen verlor sein letztes Match, jubelte wenige Minuten später aber dennoch, weil der Russe Wladimir Kramnik seine große Chance nicht nutzte und ebenfalls unterlag.

          Der ehemalige Champion Kramnik beendete das Spektakel punktgleich mit Carlsen (beide 8,5) auf Rang zwei. Der Norweger hatte eine Gewinnpartie mehr auf dem Konto und kann nun als zweitjüngster WM-Herausforderer nach Garri Kasparow im Jahr 1984 - er war damals 21 Jahre alt - gegen den Champion Viswanathan Anand aus Indien antreten. Das WM-Duell soll im Oktober oder November stattfinden. Der genaue Termin und der Spielort müssen noch festgelegt werden.

          „Ich habe meine Stellung eindeutig überschätzt“, kommentierte Carlsen seinen unerwarteten Ausrutscher mit den weißen Figuren gegen den Russen Peter Swidler. „Zudem konnte ich meine Züge nicht gut berechnen und haben sehr viel Zeit verbraucht“, fügte er hinzu. Für die Nummer eins der Weltrangliste war es die zweite Niederlage in London. Bereits in Runde zwölf hatte er in einer Mammut-Partie gegen den Ukrainer Wassili Iwantschuk nach 90 Zügen einen Dämpfer erlitten.

          Weltranglistenerster seit 2010

          „Bis zur elften Runde habe ich mein bestes Schach gespielt. Danach ist jeder etwas müde geworden“, analysierte Carlsen den spannenden Verlauf. „Kramniks Aufholjagd hat mich beeindruckt, dennoch glaube ich, dass ich den Sieg verdient habe“, stellte der WM-Herausforderer selbstbewusst fest. Er war der Besuchermagnet in London und stand im Fokus der Medien. Fotoreporter, Fernsehanstalten und Radiosender interessierten sich vorrangig für das Schachgenie.

          Trotz seiner jungen Jahre führt Carlsen schon seit 2010 die Weltrangliste an. Seine Züge sehen leicht aus, sind jedoch intensiv durchdacht. Carlsens Gegner in London, die alle in der früheren Sowjetunion geboren wurden, kamen damit nur schwer zurecht. Was den Norweger neben dem tiefen Spielverständnis auszeichnet, ist seine große Kampfkraft.

          Auch in scheinbar gleichen Stellungen ringt er die Gegner nieder, vor allem wenn eine Partie über sechs oder sieben Stunden geht. Psychologie spielt für den Norweger im Schach eine wichtige Rolle. Das dürfte auch im WM-Zweikampf mit Anand ein bedeutsamer Faktor sein. „Das Match wird ein großes Event“, kündigte Carlsen an. „Aber bis dahin ist es noch eine lange Zeit. Mal sehen, was noch alles passiert.“

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