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Vor Duell gegen THW Kiel : Magdeburg und der Druck auf die Spitze

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Magdeburgs Trainer Bennet Wiegert mit der Flipchart Bild: dpa

Der Anspruch beim SC Magdeburg ist hoch. Zu hoch? In der Liga sieht Trainer Bennet Wiegert „zwei, drei vor uns“. Jetzt geht es gegen Handball-Rekordmeister THW Kiel.

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          Eines will Bennet Wiegert dem Gespräch vorausschicken: „Wir sind kein Geheimfavorit. Weder sportlich noch wirtschaftlich“, sagt der Trainer des SC Magdeburg – und fügt an: „Da sind noch zwei bis drei vor uns.“ Wiegert will nicht bremsen. Er traut seiner Mannschaft sehr viel zu. Aber für ihn geht es in dieser Saison darum, sie vor überzogenen Erwartungen zu schützen: Da der SCM in den vergangenen drei Spielzeiten Fünfter, Vierter und Dritter geworden war und die Mannschaft weitgehend zusammengeblieben ist, geht die simple Rechnung vieler Fans und Fachleute so: Platz zwei soll es mindestens sein für den Handball-Traditionsklub aus Sachsen-Anhalt. Und am besten doch gleich die erste deutsche Meisterschaft seit 2001.

          Wiegert lacht. Er kennt diese Rechnung und entgegnet: „Letztes Jahr waren wir nah am Maximum und vielleicht sogar drüber. Aber Flensburgs und Kiels Kontinuität war beeindruckend, fast brutal. Da hatten wir nicht mitzumischen.“ Seine Magdeburger spielten für ihre Verhältnisse eine Saison der Superlative. Aber weil die SG Flensburg mit vier Minuspunkten Meister wurde und der THW Kiel nur zwei Punkte schlechter war, blieb Wiegerts Team trotz einer beinahe optimalen Spielzeit nur Rang drei. „Ich hoffe, dass es dieses Jahr anders wird“, sagt Wiegert zum Titelrennen, „dass wir mehr Spannung haben und es einen deutschen Meister mit zehn oder zwölf Minuspunkten geben wird.“ Dass die Magdeburger von den zehn Verlustpunkten des unangefochtenen Spitzenduos sechs verursachten, zeigt das Können seiner Mannschaft in großen Spielen. Wiegert sagt: „Diese Ausbeute ist keine Selbstverständlichkeit. Das bleibt etwas Besonderes.“ Eine solche Entschlossenheit will der SCM an diesem Samstag (18:10 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Handball-Bundesliga) gegen den Meisterschaftsfavoriten aus Kiel aufs Parkett der prall gefüllten Magdeburger Arena bringen. Denn auch wenn Wiegert die Meisterschaft nicht als Saisonziel nennen mochte, so soll die Serie 2019/20 doch mit „etwas Greifbarem“ beendet werden: „Wie wollen nach außen mutig sein, provozieren, indem wir sagen, wir wollen einen Titel“, sagt Wiegert, „und an diesen Ansprüchen wollen wir gemessen werden.“ Demnach wäre es auch eine gute Saison, holte seine Mannschaft den DHB-Pokal oder den im EHF-Wettbewerb.

          Am liebsten bei den leisen Tönen bleiben

          Aber den Mund will Wiegert eben nicht zu voll nehmen: „Solange wir es schaffen, Druck auf die Spitzenteams zu machen, oben dabeizubleiben, ist alles gut.“ Dazu gehört neben herausragenden Leistungen in Spitzenspielen auch, knappe Partien gegen mittelmäßige Gegner zu gewinnen – damit hat der SCM in den vergangenen Jahren immer mal wieder Probleme gehabt wie auch damit, in den Schluss-Sekunden siegreich die Übersicht zu behalten: „Du musst das einfach machen, am Ende zupacken“, sagt Wiegert, „je öfter du es machst, desto leichter gelingt es.“ Meister Flensburg gewann acht von 34 Partien mit einem Tor oder zwei Toren Unterschied.

          Idealer Konterspieler: Rechtsaußen Tim Hornke

          Vor einem Jahr blieb der SCM in den ersten sieben Spielen mit begeisterndem Tempohandball unbesiegt; erst im November folgte ein Leistungsknick. Gegenstoßspiel als Markenzeichen: Diese Handschrift hat Wiegert dem Klub verpasst. Drei Siege gegen allerdings schwächere Gegner stehen auch jetzt schon wieder auf der Haben-Seite. Ohne Rechtsaußen Robert Weber, der jetzt in Nordhorn spielt, dafür mit seinem Nachfolger Tim Hornke und Nationalspieler Matthias Musche hat Wiegert die idealen Akteure für Konter. Im gebundenen Angriff sind es Christian O’Sullivan und Marko Bezjak, die für Torgefahr sorgen. Der Halblinke Michael Damgaard war einer der besten Profis der vergangenen Saison. Ein kleines Fragezeichen steht dagegen hinter dem Torwart-Gespann: Jannick Green ist einer der fähigsten Keeper der Liga. Aber da sein Partner Dario Quenstedt Richtung Kiel zog und Zugang Tobias Thulin noch aufholen muss, wird es Green zunächst weitgehend allein richten müssen.

          „Es reicht, wenn ich neuen Spielern meine Philosophie erklären muss, und nicht noch die Liga“

          Bei den weiteren Neuen wie Erik Schmidt (Kreis) und Christoph Steinert (Rückraum) haben Wiegert und sein Assistent Yves Grafenhorst darauf geschaut, dass sie die Bundesliga kennen, nachdem es mit ausländischen Spielern zuletzt zweimal nicht gepasst hatte (Molina und Kalarasch). „Es reicht, wenn ich neuen Spielern meine Philosophie erklären muss, und nicht noch die Liga“, sagt Wiegert. Alles in allem hat er eine Gruppe beisammen, die sich vor Flensburg, Kiel und den Löwen nicht verstecken muss. Einzig in der Breite wirkt sie noch etwas schwächer.

          Er selbst ist mit seinen erst 37 Jahren schon bald vier Jahren Cheftrainer der Magdeburger. In der Stadt beliebt und im Klub respektiert, hat der gebürtige Magdeburger seinen Traumjob in einem professionell geführten Klub gefunden, den er als erster Repräsentant gewitzt und charmant ausfüllt. Inzwischen ist Wiegert auch einer, der sich über den Handball im großen, Ganzen Gedanken macht, wenn er sagt: „Frankreich ist uns mit seiner Athletik in allen Altersklassen meilenweit voraus. Da müssen wir alle professioneller werden.“ Einen hauptamtlichen Athletiktrainer wie beim Meister aus Flensburg sieht Wiegert in Magdeburg als erstrebenswertes Ziel an.

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