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Basketballerin Satou Sabally : „Wenn du sie beobachtest, bist du hypnotisiert“

  • -Aktualisiert am

Knapp 1,90 Meter groß und athletisch: Satou Sabally gilt als großes Talent. Bild: Imago

Dirk Nowitzki legte einst seine große NBA-Karriere in Dallas hin. Nun gibt es dort auch eine deutsche Basketballspielerin. Satou Sabally landet in der nordamerikanischen Profiliga. Mit ihr sind große Hoffnungen verknüpft.

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          Auf der Suche nach vielversprechenden Talenten gehen amerikanische Universitäten bisweilen meilenweit. Die Trainer in den prestigeträchtigsten College-Sportarten etwa nutzen ein ganzes Netzwerk an Scouts und locken Kandidaten aus allen Teilen der Welt gleich mit drei Anreizen an: mit einer soliden akademischen Ausbildung, einem Stipendium, das die teuren Studiengebühren abdeckt, und einer Plattform, auf der sich ein ambitionierter Athlet für eine Profikarriere profilieren kann.

          Auf diese Weise kam die University of Oregon in Eugene vor drei Jahren zu einer ungewöhnlichen Basketballerin: Satou Sabally, geboren in New York, Vater aus Westafrika, Mutter aus Deutschland, aufgewachsen in Berlin und schon als Teenager in der Frauenbundesliga beim Eisvogel USC Freiburg gegen sehr viel ältere Spielerinnen im Einsatz. Die deutsche Nationalspielerin wirkte auf Trainer Kelly Graves wie ein Sechser im Lotto: „Wenn du sie beobachtest, bist du davon hypnotisiert, wie sie spielt.“ Denn Basketballerinnen wie Sabally sind eine absolute Rarität: Sie ist knapp 1,90 Meter groß und athletisch. Und sie verfügt dabei über eine beachtliche Grundschnelligkeit sowie ein besonderes Geschick im Umgang mit dem Ball.

          Graves’ Prognose ging auf. Satou Sabally verfeinerte nach ihrem Wechsel nach Eugene sogar noch ihr spielerisches Repertoire, kultivierte ihren Korbwurf aus der Distanz und empfahl sich so nach kurzer Eingewöhnungszeit für höhere Aufgaben. Wenn es nach den Verantwortlichen der Dallas Wings geht, einem von zwölf Klubs in der Women’s National Basketball Association (WNBA), soll sie damit in ihrem nächsten Karriereabschnitt eine ganze Profi-Mannschaft nach vorne bringen. Das Team, das in Arlington an der Peripherie der texanischen Metropole in einer Halle mit einem Fassungsvermögen von 7000 Zuschauern spielt, wird derzeit völlig runderneuert. Sabally, die am Freitag bei der Nachwuchs-Draft bereits als zweite von insgesamt 36 Spielerinnen aus dem Topf der Aspirantinnen gezogen wurde und am 25. April 22 Jahre alt wird, gilt als Führungsfigur in spe.

          Die Herausforderung kommt mit einer für den amerikanischen Frauenprofisport vergleichsweise verlockenden Belohnung. Denn die Spielergewerkschaft hatte im Januar einem neuen Gesamttarifvertrag zugestimmt, der das Gehaltsniveau anhebt. So können zum ersten Mal Starspielerinnen wie Brittney Griner (Phoenix Mercury) oder Elena Delle Donne (vom aktuellen Meister Washington Mystics) eine halbe Million Dollar pro Saison verdienen. Die Durchschnittsbezahlung kletterte auf 120.000 Dollar.

          Für einen hoch eingeschätzten Neuling wie Sabally gibt es immerhin 68.000 Dollar. Damit fällt für einige zum ersten Mal der wirtschaftliche Druck weg, sich neben der WNBA, die ihre Meisterschaftsspiele traditionell zwischen Mai und Oktober in der Spielpause der NBA austrägt, ein zweites Standbein außerhalb der Vereinigten Staaten zu suchen. Das bedeutete für die Spitzenkräfte, dass sie nach der Rückkehr von einem zweiten vollen Liga-Programm in Ländern wie der Türkei oder in Russland total ausgepumpt gar nicht ihre beste Leistung abrufen konnten.

          Die Ausgangslage sorgte schon seit einer Weile für Rumoren unter den Spielerinnen. Und für Kritik von außen. Der Wirtschaftswissenschaftler David Berri von der Universität Southern Utah, ein Kenner der Materie, sah darin eine Art von Selbstschädigung: „Wo lässt man seine besten Spieler zwischendurch woanders hingehen und das Risiko eingehen, sich zu verletzen? Das schadet der Liga und der Marke WNBA.“ Zumal die Forderungen nicht nach einer Entlohnung auf dem Niveau der Männer abzielte (Durchschnitt pro Jahr: 7,7 Millionen Dollar).

          Man stellte nur den Anspruch, in einem vergleichbaren Umfang an den Einnahmen der WNBA beteiligt zu werden. So schüttet die NBA rund 50 Prozent ihre Einkünfte in Form von Gehältern aus. Bei der WNBA waren es bislang gerade mal 20 Prozent. Der Unterschied in absoluten Zahlen, sagt Berri: insgesamt 20 bis 30 Millionen Dollar pro Jahr. „Eine Summe, die der eine oder andere ziemlich mittelmäßige Mann in der NBA verdient.“

          Darüber, wie mühsam das Geschäft trotz der Verbesserungen ist, macht sich Sabally keine Illusionen. Sie hat sechs Geschwister, darunter ihre Schwester Nyara, die ihr als Basketballerin an die University of Oregon folgte. Ihre Familie sei „finanziell nicht so wohlhabend oder Teil der Mittelschicht“, sagte sie vor der Draft. So verfügten die Eltern nicht über die Mittel, sie während ihrer College-Karriere an der Pazifik-Küste auch nur ein einziges Mal zu besuchen. Sie habe jetzt erstmals „das Gefühl, etwas zurückgeben zu können und ihr Leben etwas einfacher zu machen“. Was helfen sollte: Sie landete bei einer ambitionierten amerikanischen Sportmanagement-Agentur, die ihr bei der Vermarktung und den Abschlüssen attraktiver Werbeverträge helfen wird.

          Wie genau sich die Zukunft gestalten wird, lässt sich allerdings noch nicht absehen. Der für den 15. Mai geplante Start der neuen Saison wurde aufgrund der durch die Corona-Pandemie notwendig gewordenen Quarantäne ausgesetzt. Ein neuer Termin steht bis auf weiteres in den Sternen. Was unter anderem daran liegt, dass die Frauen ihre Spielpläne mit denen der Männer koordinieren, die mit ihren Planungen für den Saisonabschluss ebenfalls in der Luft hängen.

          Der grobe vorläufige Lebensentwurf von Satou Sabally zeichnet sich allerdings bereits ab. Sie will, so sagte sie bei einer Telefonpressekonferenz am Samstag gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, bis auf weiteres auch die Wintermonate über spielen und Geld verdienen. Wenn auch kaum für einen deutschen Verein, wie sie bei anderer Gelegenheit bereits andeutete. In ihrer Heimat könnte sie zwar „ein bisschen Geld verdienen“, aber in anderen Ländern werde deutlich mehr bezahlt. Die Dallas Wings wählten übrigens an 21. Stelle der Draft mit Luisa Geiselsöder aus Nördlingen eine weitere Deutsche aus. Ebenfalls eine Chance, in die WNBA zu wechseln, erhielt Leonie Fiebich vom TSV Wasserburg. Sie soll demnächst für die Los Angeles Sparks antreten.

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