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Sarrazins gefährliche Thesen : „Integration ist jetzt noch schwieriger geworden“

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Integrationsbotschafterin Ebru Shikh Ahmad: Sarrazin hat eine Zündschnur gelegt Bild: Gero Breloer

Ebru Shikh Ahmad war mehrfache deutsche Meisterin und Europameisterin im Karate. Sie leitet mit ihrem Mann eine Karateschule. Die Integrationsbotschafterin des Deutschen Olympischen Sportbundes im Gespräch mit Michael Eder.

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          Thilo Sarrazin sagt, große Teile der muslimischen Einwanderer seien weder integrationsfähig noch integrationswillig. Welche Erfahrungen haben Sie im Sport gemacht, wie stehen Sie zu dieser These?

          Für die Menschen mit Migrationshintergrund, die Demokratie leben, sich integrieren wollen und auch dafür kämpfen, ist das ein Schlag ins Gesicht. Sarrazin unterstützt mit seinen Thesen nicht nur die NPD und die Rechtsradikalen insgesamt, er unterstützt auch die militanten Muslime, die Al Qaida und die Taliban. Was er sagt, ist sehr gefährlich. Er hat eine Zündschnur gelegt, gerade in der Ramadanzeit, die eine heilige Zeit ist, das höchste Fest der Muslime. Was Sarrazin gesagt hat und auch der Zeitpunkt, an dem er es gesagt hat, spielt den Militanten beider Seiten in die Hände, und alle, die sich integrieren wollen, haben mehr Schwierigkeiten als zuvor.

          Was bedeutet die aktuelle Debatte für Ihre konkrete Arbeit im Sport?

          Wir kämpfen im Sport dafür, dass sich muslimische Familien, die sich vielleicht nicht integrieren wollen, anders entscheiden, dass sie der Integration näherkommen. Das ist für uns jetzt noch schwieriger geworden. Diese Menschen sagen uns jetzt: Seht ihr, sechzig Prozent der Deutschen wollen uns gar nicht. Und von der militanten muslimischen Seite heißt es: Ihr Liberalen, ihr Demokraten, was soll es nutzen, dass ihr euch integriert, ihr seht doch, dass euch die Christen, die Europäer nicht wollen. Sarrazin hat ihnen ein Argument gegen die Integration geliefert.

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          Kann man sagen, dass bildungsferne Migrantenschichten auch sportferne Schichten sind?

          Ja klar, das hat miteinander zu tun. Weil diese bildungsfernen Schichten oft in ihrer eigenen Welt leben, die kommen da nicht raus, auch nicht zum Sport, die haben eine ganz andere Kultur, die haben ganz andere Sitten. Es gibt auf der anderen Seite viele Migranten, die sich integrieren wollen, wo die Eltern gebildet sind, die Kinder mit drei, vier Jahren in den Kindergarten gehen. Das hat dann ein ganz anderes Niveau, da integriert man sich natürlich viel leichter.

          Wie schwer ist es, die ärmeren Schichten zu erreichen?

          Wenn du Leute hast, die in sehr armen Verhältnissen leben, ist es schwierig. Wir versuchen, in die armen Milieus reinzugehen und dort auch die jungen Menschen zu erreichen. Es geht darum, dass jemand dorthin geht und die Leute abholt. Das ist eine große Aufgabe des Sports, aber auch von Lehrern, von Kindergärtnern, von allen, die Zugang zu Kindern haben. Die deutschen Lehrer und Pädagogen müssten besser aufgeklärt sein über die Lebensgewohnheiten von Minderheiten. Und es ist auch sehr wichtig, dass man Lehrer einstellt, die einen Migrationshintergrund haben. Das sind perfekte Vorbilder.

          Sarrazin sagt, das kulturelle Problem sei in der Gruppe der muslimischen Migranten verankert und könne gegen deren Willen kaum verändert werden. Schwimmverbot und Kopftücher, generell die Rolle der Frauen und Mädchen, seien dafür die Symbole.

          Mein Mann ist Muslim, er ist israelischer Palästinenser, hat 14 Geschwister, fünf Brüder und neun Schwestern, und alle Mädchen haben studiert. Im Koran steht etwas anderes als das, was manche Migranten praktizieren. Das Problem ist einfach, dass viele ungebildet sind, mit denen habe ich ja auch immer zu kämpfen. Im Koran steht: Bildet eure Frauen! Die Frauen sollen zur Schule gehen, sollen Bildung haben, weil sie später ja auch die Kinder erziehen sollen. Das Problem sind die Migranten mit niedriger Bildung, die meinen, sie müssten ihre Töchter behüten. Deren größte Sorge ist, dass die Töchter schwanger werden und einen Deutschen mit ins Haus bringen.

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