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Volleyballer Samuel Tuia : Mit Herz und Mumm zur Meisterschaft

Gegen den VfB Friedrichshafen wollen Samuel Tuia und die BR Volleys mit Herz und Mumm die Meisterschaft holen. Bild: dpa

Samuel Tuia ist das Energiebündel der Berlin Volleys. Mit Leidenschaft und Köpfchen will der Außenangreifer sein Team im Finale gegen Friedrichshafen zur Meisterschaft führen – und verspricht im Falle eines Siegs eine besondere Showeinlage.

          So jemanden nennt man wohl auf gut deutsch „Emotional Leader“. Als Samuel Tuia, bei 1,95 Meter Körpergröße an die hundert Kilogramm schwer, im vierten Satz den Gegnern aus Friedrichshafen wieder einen Ball zum Ausgleich ins Feld geschmettert hatte, setzte er nach. Mit einem Schrei ging der großflächig tätowierte Außenangreifer der Berlin Volleys auf einen der beiden Pfosten des Netzes los. In die Schreie und den Jubel der achteinhalbtausend Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle von Berlin – Saisonrekord – trat Tuia mit Wucht gegen den gepolsterten Stahlträger. Er musste irgendwo hin mit seiner Energie, und er wollte vor allem demonstrieren, wie entschlossen er war, die Konkurrenten vom Bodensee, obwohl sie gerade einen Satz gewonnen hatten, nicht an diesem Abend und nicht an diesem Ort die deutsche Meisterschaft gewinnen zu lassen. „Es ist wie Boxen“, sagte er. „Sie schlagen mich mit einem Schmetterball, ich schlage zurück und treffe sie. Dieser Ball war unglaublich für mich; ich konnte mich nicht zurückhalten.“ Sergej Grankin, sein russischer Zuspieler, nahm den Ball auf, buchstäblich. Mit Wucht und Freude schoss er die Kugel, als der Amerikaner Jeffrey Jendryk einen Angriff des Friedrichshafeners Athanasios Protopsaltis zum 16:12 geblockt hatte, hoch in die oberen Ränge der Halle – und lachte, als der Schiedsrichter ihn dafür verwarnte.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          So glichen die Volleys mit grimmiger Entschlossenheit im vierten Spiel die Finalserie um die deutsche Meisterschaft mit einem 3:1 (28:26, 25:21, 15:25, 25:21) aus. Will Friedrichshafen, der überlegene Tabellenführer der Punktrunde, am Sonntag Meister werden, muss das Team vor eigenem Publikum die Berliner schlagen, den Meister der vergangenen drei Jahre. „Sergej ist ein Krieger“, lobte Tuia, „wie ich.“ Seine kämpferische Einstellung habe nichts mit der Herkunft von der Inselgruppe Wallis und Futuna zu tun, im Südpazifik zwischen Fidschi und Samoa gelegen. Dort lebe man entspannt nach der Devise „Friede und Liebe“, erzählt Tuia, und in den drei Königreichen dort mit rund 10.000 Einwohnern gehe man freundlich miteinander um, denn jeder kenne jeden. „Frankreich und Europa sind völlig anders. Hier habe ich gelernt, dass man für sein Leben kämpfen muss.“

          Mit sechzehn verließ Tuia Eltern, Geschwister und die tropische Heimat, um an einer Sportschule bei Montpellier sein Talent in eine professionelle Karriere umzumünzen. Ein Scout des französischen Verbandes, der sich in der entlegenen Überseeprovinz umschaute, hatte ihm den Platz angeboten. Sechzehn Jahre später ist Tuia mit 133 Länderspielen, darunter dem Finale der Europameisterschaft 2009 gegen Polen, ein Veteran der französischen Nationalmannschaft. Für acht verschiedene Klubs in Frankreich, Russland, Polen und der Türkei hat er gespielt, und allein mit Belchatow bei Lodz gewann er einen Titel. Mit Berlin will er seine zweite Meisterschaft holen.

          „Er kann mehr als Bumbum“, lobt Volleys-Manager Kaweh Niroomand den sprunggewaltigen Angreifer. „Gerade im letzten Satz hat er mit Köpfchen gespielt. Es ist wichtig für die Mannschaft, dass sie ein Energiebündel hat wie ihn.“

          Im Fall des Sieges, verrät Tuia, könne er sich vorstellen, einen Haka vorzuführen, den traditionellen Maori-Tanz seiner Heimat, die gut dreißig Flugstunden entfernt liegt: „Mit nacktem Oberkörper.“ Die Chancen ständen gut, findet Tuia: „Wenn wir am Sonntag so spielen wie heute, mit Herz und mit Mumm, können sie uns nicht stoppen.“

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