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Sänger und Rennfahrer Smudo : „Ich möchte an mein Limit kommen“

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Adrenalin macht glücklich: Smudo genießt seine Schussfahrten Bild: F.A.Z. Kai Nedden

Musiker, Flieger, Rennfahrer: Smudo von der Band „Die Fantastischen Vier“ hat viele Talente. Im Interview spricht er über Sebastian Vettel und Michael Schumacher, den Adrenalinrausch im Rennwagen - und die Anspannung beim Fliegen.

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          Bekannt wurde Smudo, der mit bürgerlichem Namen Michael B. Schmidt heißt, mit seiner Band „Die Fantastischen Vier“, die 1992 mit dem Titel „Die da“ den ersten Erfolg hatte. Doch der Dreiundvierzigjährige besitzt mehr als nur das Talent für die Musik. Smudo ist begeisterter Videospieler und programmierte in seiner Jugend selbst einige Abenteuer. Später hat er den Motorsport und die Fliegerei für sich entdeckt.

          Seit 2007 startet Smudo für das Rennteam Four Motors. Höhepunkt dieser Saison ist das 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings Ende Juni. Er wird mit seinem Team dort mit einem VW Scirocco 2.0 TDI mit 240 PS antreten, der mit schadstoffarmem Biodiesel auf Basis von Rapsöl betankt wird. Im Interview mit F.A.Z.-Redakteur Michael Wittershagen spricht Smudo über Sebastian Vettel und Michael Schumacher, den Adrenalinrausch im Rennwagen - und die Anspannung beim Fliegen.

          Wer wird Formel-1-Weltmeister?

          Wenn das so weitergeht, kann es nur einen geben: Sebastian Vettel.

          Mit Rhythmusgefühl im Cockpit: Smudo

          Sie haben schon gemeinsam die Reifen qualmen lassen. Was halten Sie von ihm?

          Vettel ist ein netter Typ. Er fand Die Fantastischen Vier wohl auch schon immer gut. Vor Jahren, als ihn noch kaum jemand kannte, war er bei einem Konzert von uns, ich habe ihn wohl aus dem Backstage-Raum geschmissen, weil er keinen Ausweis hatte. Jedenfalls hat er mir das mal so erzählt. Heute würde mir das nicht mehr passieren.

          Würden Sie gern so schnell Auto fahren wie er?

          Ich kann mir ja nicht einmal vorstellen, wie das sein muss. Ich habe nur einmal in einem Formel-1-Auto gesessen. Ein Doppelsitzer von McLaren in der Innenstadt von München. Deren damaliger Testfahrer Darren Turner saß am Steuer, und ich erlebte im Ansatz etwas von dieser unbändigen Kraft. Ich musste hysterisch lachen, weil das ganze Blut in den Kopf geschossen ist vor lauter Beschleunigung. Das war echt irre. Und ich war glücklich. Ich glaube, ich habe den Fahrer sogar geküsst.

          Was sind Ihre ersten Erinnerungen an die Formel 1?

          Mein Großvater hat die Rennen schon immer geguckt, genau wie mein Vater. Für mich gehörte dieses Gesumme von Formel-1-Motoren aus dem Fernseher zur gemütlichen Sonntagnachmittag-Stimmung. Aber ich habe die Faszination des Fahrens am Limit in einem Wettbewerb nicht gleich verstanden. Das ist mittlerweile anders.

          Gab es für Sie so etwas wie ein Motorsport-Erweckungserlebnis?

          „Grand Prix Legends“, eine Computer-Simulation der Formel-1-Saison 1967. Keine Flügel, keine Aufkleber auf den Boliden, 1,8-Liter-Motoren und Rillenreifen. Fliegende Aluzigarren. Du musstest schon bremsen, bevor du die Kurve überhaupt gesehen hast. Eine tollkühne Zeit. Ich war begeistert, als ich das 1997 zum ersten Mal gespielt habe. Den Wagen sauber zu fahren war sehr schwer und gleichzeitig so realistisch und deshalb so faszinierend. Um eine einzige Runde unfallfrei zu drehen, musste ich mehrere Wochen trainieren. Durch „Grand Prix Legends“ wurde ich angefixt. Danach besuchte ich die Zakspeed-Rennfahrerschule für einen Formel-Renault-Lehrgang. Ich wollte wissen, wie sich die Fahrt in einem echten Monocoque anfühlt. Ich habe mir Literatur gekauft, weil ich den Motorsport besser begreifen und schneller werden wollte. „Drive to win“ von Caroll Smith, meine Rennfahrerbibel.

          Sie sammeln darin Unterschriften.

          Vettel hat geschrieben: „Immer Vollgas, alles andere bringt's nicht.“ Und Schumacher: „Für Smudo, viel Glück. Drive fast, don't crash.“ Ihn habe ihn einmal in Maranello interviewen dürfen, und dann fragte er mich: „Möchtest du mal eine Runde drehen?“ Wir gingen raus aus dem Haus von Enzo Ferrari; Jean Todt (damals Ferrari-Teamchef) kam vorbei, und Schumi sagte: „Jean, kann ich dein Auto für ein, zwei Runden mit Smudo haben?“ Dann sind wir los, Schumacher ist eine Runde gefahren, hat mir alles erklärt, und dann sagte er: „Jetzt du!“

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