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Säbelfechter Max Hartung : Mit Köpfchen und immer für das Team

  • -Aktualisiert am

Kämpfer für Deutschland: Max Hartung nimmt zwei EM-Medaillen mit zum Gespräch bei Innenminister Seehofer Bild: dpa

Bronze als Solist, Gold mit der Mannschaft: die EM verläuft nach dem Geschmack des engagierten Säbelfechters Max Hartung. Nun kann das Treffen mit Innenminister Horst Seehofer kommen.

          Auf welchen Körperteil es beim Fechten am meisten ankommt, haben die deutschen Säbelfechter in einem „Interview ohne Worte“ vor der EM in Düsseldorf mit Gesten ausgedrückt. Richard Hübers, Matyas Szabo und Benedikt Wagner deuteten auf Bizeps, Po und Oberschenkel, Max Hartung tippte mit dem Finger an die Stirn. „Köpfchen ist wichtig“, drückte das aus – und lässt sich vom Geschehen auf der Planche ohne weiteres auf sein Leben außerhalb der Fechthalle ummünzen.

          Dass Hartung mit dem Säbel umzugehen versteht, bewies er in dieser Woche eindrucksvoll. Obwohl von einer Fußverletzung gehandicapt, gewann der Einzel-Europameister von 2017 und 2018 gleich zwei Medaillen: Am Mittwoch sicherte er sich als Solist Bronze, am Samstag gewann er mit dem Team den Titel. Nach Siegen über die großen Fecht-Nationen Frankreich und Italien schlugen Wagner, Szabo und Hartung im Finale Ungarn nach 4:15-Rückstand noch 45:43. Der überschwängliche Jubel nach dem spannenden Gefecht bestätigte, was Hartung schon zuvor sagte: Der Erfolg in der Gruppe bedeute ihm mehr als der eigene alleine. Wenn der alte Slogan der Musketiere - „einer für alle, alle für einen“ – tatsächlich einmal zutrifft, dann auf diese Säbelfechter, deren Basis seit Jahren in Dormagen liegt und die schon WM-Gold 2014 und EM-Sieg 2015 gemeinsam feierten.

          Was ihnen noch fehlt, ist eine olympische Medaille. In London 2012 war die Equipe noch nicht stark genug, in Rio 2016 wurde Säbelfechten für Männerteams gemäß Rotationsplan nicht ausgetragen. In Tokio soll die Zeit nun reif sein. Als Zweiter der Weltrangliste wäre Hartung 2020 auch als Solist dabei. Doch er erachtet den Geist, der durch sein Team entsteht, als besonders wichtig: „Man braucht eine Gruppe dahinter. Die Kraft, die dadurch entsteht, schiebt dich an. Sich als Einzelkämpfer durchzuschlagen ist ganz schwierig.“

          Die Musketiere von Düsseldorf (v.l.): Benedikt Wagner, Matyas Szabo und Max Hartung

          Max Hartung ist ein freundlicher, dem Leben zugewandter junger Mann, meist unrasiert, mit verstrubbelten Haaren und lässiger Kleidung. Man würde dem aus Aachen stammenden Rheinländer auch den Studenten abnehmen – was er bis vor kurzem auch war. Politik, Wirtschaft und Soziologie studierte Hartung in Friedrichshafen. Sein Training absolvierte der 1,90 Meter große und 88 Kilo schwere Athlet weiterhin in Dormagen. Ein Programm, das Organisationstalent erforderte.

          Die Forderung des damaligen Innenministers Thomas de Maizière, der mit einem Drittel weniger Geld ein Drittel mehr Medaillen von Deutschlands Sportlern verlangte, entfachte Hartungs Kampfgeist. „Während im Ausland extrem investiert und professionalisiert wird, schlagen wir uns irgendwie durch.“ Da er aber nicht stur auf Widerstand aus war, sondern wissen wollte, wie und warum solche Entscheidungen gefällt werden, engagierte er sich.

          Sprecher für alle Athleten: „Es wäre schön, wenn ich dazu beitragen könnte, anderen Sportlern Hürden aus dem Weg zu räumen“

          Der Säbelfechter übernahm den Vorsitz der Athletenkommission im Deutschen Olympischen Sportbund und gründete den Verein „Athleten Deutschlands“, dem er als Präsident diente. Für nachfolgende Generationen wollte der einstige Stipendiat der Sporthilfe erreichen, dass sie unter besseren Bedingungen ihrem Sport nachgehen können. Eine seiner Kernforderungen lautet, dass Athleten direkt an den Einnahmen des Internationalen Olympischen Komitees beteiligt werden sollen. „Es wäre schön, wenn ich dazu beitragen könnte, anderen Sportlern Hürden aus dem Weg zu räumen“, begründete er den ehrenamtlichen Einsatz.

          Am Säbelfechten liebt Hartung die Dynamik, die das Geschehen bisweilen „wie im Rausch“ erscheinen lässt. Seine aktuellen Erfolge führt er auch auf eine gewisse Leichtigkeit zurück, die er zuletzt wiedergewonnen hat. Dagegen empfindet er das zähe Ringen auf dem sportpolitischen Parkett gelegentlich als frustrierend. Doch auch hier gelingen kleine Siege. So äußerte sich Sportminister Horst Seehofer jüngst wohlwollend zur finanziellen Beteiligung von Sportlern. Ein Termin in Berlin ist vereinbart. Zum Gespräch auf Augenhöhe – mit Medaillen als Argumentationshilfe.

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