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Fecht-EM in Montreux : Max und die Musketiere

Langes Gesicht bei Nikolaj Kowalew, vor Freude ausgestreckte Arme bei Max Hartung (im Hintergrund): Gemischte Emotionen beim Fechten Bild: dpa

Der Vielseitigste aus dem Dormagener Quartett gewinnt EM-Silber mit dem Säbel. Dem Deutschen Verband bleibt dank Max Hartung die erste EM ohne Einzelmedaille erspart.

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          Ein kleines Schweizer Bierchen war drin nach seinem Silbermedaillenerfolg im Einzel am Montag, doch die große Feier der Säbelfechter unterblieb noch. „Es war der Vernunft geschuldet“, sagt der EM-Zweite Max Hartung, „der eigenen - aber auch der des Trainers und des Sportdirektors.“ Am Donnerstag steht noch die Teamentscheidung bei den Europameisterschaften in Montreux an, und auch da will Max Hartung aufs Siegertreppchen - möglichst eine Stufe höher. Gemeinsam mit seinen Fechtfreunden Nicolas Limbach, Matyas Szabo und Benedikt Wagner ist der 25-Jährige im vergangenen Jahr Weltmeister geworden, da scheint auch EM-Gold in Reichweite.

          Das eingeschworene rheinische Quartett kämpft unter Anleitung von Bundestrainer Vilmos Szabo seit Jahren gemeinsam auf den Planchen dieser Fecht-Welt. Wären die Musketiere Säbelfechter gewesen - und womöglich keine Franzosen - sie kämen aus Dormagen. Alle vier deutschen Kaderathleten trainieren in der Kleinstadt am Rhein, die sich im Städtedreieck Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach in ihrer Nische eingerichtet hat. Erst galten sie als junge Wilde, mittlerweile als verschworene Gemeinschaft.

          Doch derzeit stehen die Säbler vor einer unangenehmen Zerreißprobe: Nach drei gemeinsam erfochtenen EM-Medaillen und dem WM-Sieg als vorläufige Krönung können sie ausgerechnet das Abenteuer Olympia nicht gemeinsam bestreiten: Die Mannschaftsentscheidung im Säbelfechten steht wegen des vom Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit dem Internationalen Fechterbund (FIE) ausgehandelten Rotationsprinzips 2016 in Rio nicht auf dem Wettkampfplan. Und in der Einzelentscheidung dürfen maximal zwei Fechter pro Nation teilnehmen.

          Deutsch-deutsche Duelle im Achtelfinale

          Einen Vorgeschmack auf den harten internen Ausscheidungskampf bekamen die Dormagener Musketiere bereits am Montag zu spüren: sie trafen schon im Achtelfinale in deutsch-deutschen Duellen aufeinander: Szabo setzte sich dabei hauchdünn mit 15:14 gegen Wagner durch, Hartung schlug den früheren Einzel-Weltmeister Limbach glatt mit 15:8. „Es hat sich abgezeichnet, dass wir früher oder später gegeneinander antreten müssen“, sagte Hartung danach. Dass sich keiner darüber gefreut habe, sei klar, „aber wir fechten es sportlich aus.“

          Angriff: Max Hartung im Finale gegen den Ungarn Aron Szilagyi.

          Ihrer Kameradschaft habe die direkte Konfrontation bislang jedenfalls nicht geschadet, meint der derzeit Erfolgreichste. Der Konkurrenzkampf verlaufe fair, jeder gratuliere dem anderen. Am Montag belegten die Ausgestochenen letztlich die Plätze 8, 10 und 12. Hartung dagegen schlug auf seinem Weg zu Silber noch den früheren Europameister Alexander Bujketwisch (Weißrussland) und Weltmeister Nikolaj Kowalew (Russland) aus dem Feld, ehe er Olympiasieger Aron Szilagyi (Ungarn) im Finale 11:15 unterlag.

          Student, Leistungssportler und Athletenvertreter

          Zehn Minuten sei er danach traurig gewesen, ansonsten überwiege die Freude, meinte er nach seinem größten Erfolg als Einzelkämpfer. 2011 hatte der gebürtige Aachener schon einmal EM-Bronze gewonnen, damals gehörte er noch der Sportfördergruppe der Bundeswehr an. Später entschied er sich für ein Studium - auch, um unabhängig vom Sport seinen Lebensweg gestalten zu können. Hartung studiert Soziologie, Politik und Wirtschaft auf einer kleinen privaten Universität in Friedrichshafen am Bodensee. „Super interessant“ nennt er seine breit gefächerte Wahl.

          Schließlich muss sich Hartung aber mit Silber zufrieden geben

          Und als würde der Zweiklang aus Sport und Studium nicht reichen, fungiert er als Athletensprecher der Fechter, gehört der Athletenkommission des DOSB an und sitzt im Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe. „Klassensprecher war ich nie“, räsoniert er, woher sein Hang zur Mitsprache kommt: „Die Aufgabe als Athletensprecher liegt mir aber wirklich am Herzen.“ In die anderen beiden Posten sei er zwar eher so reingerutscht, doch vor allem die Mitsprachemöglichkeit bei der Sporthilfe bezeichnet er als „sehr spannend“. Der Aufsichtsrat sei mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik „hochkarätig besetzt“, da könne er viel lernen. Insgesamt meint er zu seinem straff organisierten Leben: „Es könnten ein paar weniger Aufgaben sein, aber es geht.“

          Angesichts des engen Wettkampfkalenders und der schwierigen Olympia-Qualifikation tritt er zumindest bei den Studien diesen Sommer etwas kürzer: „Die Uni ist sehr kooperativ“, freut sich der sportliche Student über die Möglichkeit, einige Inhalte zu verschieben - und genießt die Möglichkeit seines selbst verantworteten dualen Wegs als studierender Leistungssportler. „Nur Sport ginge auch“, sagt Hartung, „aber insgesamt fühle ich mich wohler, so wie es jetzt läuft.“

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