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Deutsche Hoffnung in Australien : Kecke Töne made in Florida

Kecke Berlinerin: Drei-Satz-Sieg gegen die Weltranglistensechzehnte Bild:

Die Berlinerin Sabine Lisicki hat nach ihrem Drei-Satz-Sieg in der ersten Runde von Melbourne beiläufig ihr langfristiges Ziel formuliert: „Ich will eines Tages die Nummer eins der Welt sein.“ Noch wird sie an Listenplatz 194 geführt.

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          Vielleicht muss man so denken, wenn man es wirklich schaffen will. Vielleicht aber denkt man aber auch so, wenn man überaus talentiert und nur lange genug in der Tennisakademie von Nick Bollettieri in den Vereinigten Staaten trainiert und das immer positive Denken der Amerikaner übernommen hat. Der eine oder andere Profi hat es von Florida aus ja auch schon bis nach ganz oben geschafft, und vermutlich hätte es keinen Amerikaner besonders überrascht, wenn eine Landsfrau so etwas gesagt hätte. Oder zumindest nur ein wenig, denn allzu keck klang das vielleicht sogar für amerikanische Ohren, was die 18 Jahre alte Berlinerin Sabine Lisicki nach ihrem 7:6-, 4:6-, 6:2-Sieg gegen die russische Weltranglistensechzehnte Dinara Safina beiläufig als langfristiges Ziel formulierte. „Ich will eines Tages die Nummer eins der Welt sein.“

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das saß genauso wie die meisten ihrer Schläge zuvor auf dem Platz. An Selbstbewusstsein oder an mentaler Stärke scheint es der Berlinerin nicht zu fehlen, denn der Weg bis ganz nach oben ist ja doch noch recht weit: Momentan wird sie noch auf Platz 194 der Weltrangliste geführt, und um überhaupt in Melbourne mitmachen zu dürfen, musste sie sich erst durch die Qualifikation spielen.

          Von Selbstzweifeln wird sie nicht geplagt

          „Aber ich arbeite schon jahrelang dafür, und dann kommt der Erfolg auch irgendwann“, sagt sie, die sich seit ihrer mittleren Reife nur noch auf Tennis konzentriert. Bei ihrem Grand-Slam-Debüt in Melbourne hatte sie sich nicht einmal davon irritieren lassen, dass sie im ersten Satz eine 5:3-Führung verspielt hatte und in den Tiebreak musste. „Ich hatte vorher gut gespielt und wusste, dass ich eine Chance habe. Schließlich hatte sie offenbar Probleme mit mir“, sagte Sabine Lisicki.

          Abgehoben in Melbourne: Sabine Lisicki

          Von Selbstzweifeln wird sie nicht geplagt. Zwar hatte sie sich nach der Qualifikation unglaublich gefreut, endlich bei einem Grand-Slam-Turnier mitmachen zu dürfen, und alles bestaunt, aber das muss ja nicht heißen, dass man gleich in Ehrfurcht vor den Protagonisten erstarrt. „Ich habe Respekt vor ihnen, weil sie schon das erreicht haben, was ich noch schaffen will“, sagt Sabine Lisicki, „aber auf dem Platz sind das alles Gegnerinnen wie jede andere.“ Denn auch bei einem Grand-Slam-Turnier, bei dem alles mehrere Spuren größer, schicker und aufregender daherkommt, sei vor allem eins am tollsten: „zu gewinnen“.

          Ein Ermüdungsbruch warf sie zurück

          Die Überzeugungskraft von Bollettieri und dessen Trainerstab aber scheint auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. „Mir haben schon früh viele Leute gesagt, ich hätte das Zeug dazu, es zu schaffen“, sagt die Berlinerin, die beim WTA-Heimturnier vor drei Jahren erstmals für ein bisschen Aufsehen sorgte. Sie besiegte als Fünfzehnjährige Cara Black aus Zimbabwe, die damalige Zweite der Doppel-Weltrangliste. Ein Ermüdungsbruch aber warf sie zurück, und irgendwie nahm die Entwicklung nicht die erhoffte steile Kurve.

          Die aber könnte jetzt einsetzen, denn dieser erste große Tag soll beileibe nicht der letzte gewesen sein, erst recht und schon gar nicht in Melbourne. Zwar hat sie die letzte Partie gegen ihre nächste Gegnerin Mariya Korytzewa (104. der Weltrangliste) in Auckland – genau wie die beiden zuvor – gerade erst verloren, aber besondere Bedeutung wollte die Deutsche diesem letzten Erlebnis gegen die Ukrainerin nicht beimessen. „Da hatte ich mich auf Teppich in Deutschland vorbereitet und gespielt haben wir auf einem Hartplatz. Das ist jetzt anders. Ich will hier noch nicht weg. Ich habe das Turnier jahrelang immer im Fernsehen gesehen, und ich habe eine gute Chance, noch hier zu bleiben.“ Dass eine deutsche Spielerin so selbstbewusst auftrat, ist lange her, und die letzte, die Platz eins der Weltrangliste als Ziel ausgab, erfüllte sich diesen Traum auch.

          Vorbilder Graf, Hingis, und Pierce

          Doch noch mehr als Steffi Graf haben Sabine Lisicki offenbar andere beeindruckt. Die Schweizerin Martina Hingis etwa, „wegen ihrer schlauen Spielweise“, die Französin Mary Pierce genauso, „wegen ihrer Power in den Schlägen“. Und natürlich habe sie auch kurzfristige Ziele, beispielsweise einen Platz unter den ersten hundert der Weltrangliste, aber langfristig wolle sie eben ganz nach oben. „Da will ich hin, und dafür arbeite ich hart“, sagt sie.

          Töne, die man kennt, die aber normalerweise mit einem ganz anderen Akzent gesprochen werden – und Töne, die Sabine Lisicki vor allem aus Florida vertraut sind. Heimatliche Klänge gibt es dort nur, wenn Thomas Haas zum Training vorbeischaut. „Ansonsten sind da ganz viele Russinnen“, sagt sie. Und alle wollen die Nummer eins werden.

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