https://www.faz.net/-gtl-ysr6

Sabine Lisicki im Gespräch : „Womit habe ich das verdient?“

  • Aktualisiert am

„Mein Kindheitstraum, Nummer eins zu werden, wird sich nicht ändern”: Sabine Lisicki Bild: dapd

Harter Kampf ums Comeback: Sabine Lisicki galt als mögliche Nachfolgerin von Steffi Graf. Dann warf sie eine Verletzung zurück. Die Tennisspielerin spricht im FAZ.NET-Interview über falsche Gedanken, kleine Erfolgsschritte und Andrea Petkovic als Vorbild.

          4 Min.

          Haben Sie mitbekommen, dass sich Kim Clijsters am Sprunggelenk verletzt hat und womöglich nicht bei den French Open spielen kann?

          Was? Wirklich?

          Die Belgierin hat sich eine Bänder- und Kapselverletzung zugezogen - bei der Hochzeit ihres Cousins.

          Das ist ja noch schlimmer, als wenn es auf dem Platz passiert!

          Gemeinsam im patriotischen Dienst: Sabine Lisicki (2.v.r.) beim Fed Cup in Stuttgart

          Sie selbst knickten auf dem Platz um, mussten im vergangenen Jahr monatelang aussetzen und fielen in der Weltrangliste weit zurück. Haben Sie sich in Geduld üben können?

          Wenn man genug Willen hat, dann schafft man das. Ich musste sechs Wochen auf Krücken gehen, ohne Geduld wäre ich nie im Leben zurückgekommen. Ich habe viel Kraft in die Reha gesteckt und Ende letzten Jahres viel geopfert.

          Was war besonders schlimm?

          Man muss hart arbeiten und die Freude behalten, was manchmal sehr schwer ist, wenn es nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Ich musste versuchen, positiv zu bleiben, und überzeugt davon sein, alles richtig zu machen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass der Erfolg in einem Moment, in dem ich am wenigsten damit rechne, wiederkommt.

          Haben Sie sich mit Andrea Petkovic ausgetauscht, die sich nach einem Kreuzbandriss vor drei Jahren in die Weltspitze gekämpft hat?

          Für mich war gut zu sehen, dass es bei ihr auch ein wenig gedauert hat, bis sie sich komplett zurückgearbeitet und gut gefühlt hat. Und sie stand - in Anführungszeichen - nur auf Platz neunzig, als sie den Kreuzbandriss hatte. Ich stand auf Platz 25, als ich mich verletzte. Andrea steht jetzt unter den besten zwanzig und spielt super. Warum soll ich es nicht auch schaffen?

          Sie haben immer betont, am liebsten in großen Stadien zu spielen ...

          ... das liebe ich, das habe ich so sehr vermisst, als ich verletzt war.

          Sie mussten aber Anfang des Jahres bei kleineren Challenger-Turnieren in Midland oder Nassau spielen. Fühlten Sie sich dort nicht fehl am Platz?

          Ganz am Anfang war es sehr komisch; vor allem, ohne Ballkinder zu spielen. Drei Jahre lang hatte ich meinen Rhythmus: Nach einem verschlagenen ersten Aufschlag habe ich mir immer einen Ball zuwerfen lassen. Im ersten Match ohne Ballkind bin ich ganz durcheinandergekommen. Da fragt man sich: Womit habe ich das verdient? Man kommt auf ganz falsche Gedanken, die man absolut nicht haben darf. Jetzt sehe ich es anders: als Chance, viele Matches zu bekommen, die ich brauche. Je besser man damit klarkommt, desto schneller kann man sich wieder zurückarbeiten. Schneller, als wenn man denkt, ich will hier nicht spielen, ich gehöre nicht hierher.

          Wurden die negativen Gedanken stärker, nachdem Sie bei den Challenger-Turnieren in der ersten Runde ausgeschieden waren?

          Natürlich ist man enttäuscht. Aber ich habe gemerkt, dass ich nicht so weit weg war von den anderen Spielerinnen. Das waren nur Kleinigkeiten, die über Sieg oder Niederlage entschieden haben. Mir fehlte Matchpraxis. Deshalb bin ich danach zurück in die Academy (zu Nick Bollettieri) gefahren und habe nur Matches gespielt. Dann habe ich mich in Miami viel besser gefühlt.

          Bei den vergangenen Hartplatzturnieren in Amerika kamen Sie nur dank einer Wildcard ins Feld. Wie nervenaufreibend ist es, auf einen Startplatz zu warten?

          Das war schwer. Vor allem psychisch, weil ich vor der Verletzung bei großen Turnieren gesetzt war. Und plötzlich komme ich gar nicht mehr ins Feld. Man kann nicht richtig planen und muss Flüge kurzfristig buchen, was viel teurer ist. Umso erfreulicher war es, in Miami und Charleston Wildcards bekommen und gut genutzt zu haben.

          Weitere Themen

          Borussias neuer „Heiland“? Video-Seite öffnen

          Haaland vor Heimdebüt : Borussias neuer „Heiland“?

          Der junge Stürmer aus Norwegen wird von vielen BVB-Fans beim öffentlichen Training beobachtet – sein Debüt am Wochenende hat große Hoffnungen geweckt. Ist Erling Haaland der neue „Heiland“ für die Borussia?

          Topmeldungen

          Überfüllte Kliniken in China : Ein Patient alle drei Minuten

          Überfüllte Kliniken, gewalttätige Angehörige, Arztkosten als Existenzbedrohung, Menschen, die sich selbst ein Bein amputieren – und nun auch noch ein unbekannter Virus: In China sollte man besser nicht krank werden.
          Das Oberste Gericht in Warschau (Archivbild)

          Justizreform in Polen : Richter gegen Richter

          In Polen spitzt sich der Streit um die Justizreform zu: Während das Oberste Gericht verhindern will, dass die 500 neuen Richter Urteile sprechen können, beschließt das Parlament ein Gesetz, um stärker durchgreifen zu können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.