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Darts-WM in London : „German Giant“ mit viel Fingerspitzengefühl

  • -Aktualisiert am

Siegreicher Gigant: Gabriel Clemens kann seinen Erfolg kaum fassen. Bild: dpa

Gabriel Clemens schreibt Darts-Geschichte: Der Saarländer steht nach einem überraschenden Sieg gegen Weltmeister Peter Wright sensationell im Achtelfinale der WM. Das hat vor ihm noch kein Deutscher geschafft.

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          Als Gabriel Clemens nach seinem Drittrunden-Match im Londoner Alexandra Palace für das obligatorische Sieger-Interview vor die Fernsehkameras trat, war ihm anzusehen, dass er noch nicht so recht begriffen hatte, was da gerade passiert war. Keine Jubelpose und keine markigen Sprüche – dafür ist er ohnehin nicht der Typ –, sondern stattdessen ein verlegenes Lächeln und gleich zu Beginn des Interviews das Eingeständnis: „I have no words“ – „ich habe keine Worte.“

          Man konnte seine Sprachlosigkeit schon verstehen. Denn der 37 Jahre alte Saarländer mit dem Spitznamen „German Giant“ hat deutsche Darts-Geschichte geschrieben: Durch seinen völlig überraschenden Sieg gegen den Titelverteidiger Peter Wright steht er als erster Deutscher überhaupt im Achtelfinale der von der Professional Darts Corporation (PDC) ausgerichteten Weltmeisterschaft. Wegen der Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus in Großbritannien waren keine Zuschauer in der Halle, aber wären welche dabei gewesen, sie wären ganz sicher aus dem Häuschen gewesen.

          Viel Training und Selbstbewusstsein

          Denn das Match war an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten, das Internetportal „Dartsnews“ berichtete von einem „absoluten Thriller“. Als Einunddreißigster der PDC-Weltrangliste war Clemens klarer Außenseiter gegen den schottischen Darts-Superstar mit dem bunten Irokesen-Haarschnitt. Zumal der gelernte Industriemechaniker gerade erst am Ende seines zweiten Jahres als Vollprofi steht. Doch schnell war zu erkennen, dass sich der Deutsche wie im gesamten Jahr 2020 in ausgezeichneter Form befand. Wright dagegen, der Weltranglistenzweite, erwischte keinen guten Tag. Speziell bei Würfen auf die Doppelfelder zum Beenden der einzelnen Legs unterliefen ihm ungewohnte Ungenauigkeiten. Beim Stand von 3:3 ging die Partie in ein Entscheidungs-Leg, das Clemens mit einem Wurf in die Doppel-16 schließlich für sich entschied. Der Weltmeister sei „sensationell gestürzt“ worden, schrieb die BBC, der „Guardian“ von einer „Schock-Niederlage“ des Titelverteidigers.

          Er habe viel trainiert und sei durchaus selbstbewusst in die dritte Runde gegangen, aber er habe auch Glück gehabt, sagte Clemens, als ihm dann doch ein paar Wörter einfielen. Wright sei so ein phantastischer Spieler, so ein netter Kerl – „normalerweise gewinnt er das Spiel“. Wright ärgerte sich unterdessen über seine zu ungenauen Würfe auf die Doppelfelder. Weil anders als sonst keine grölenden und singenden Fans im „Ally Pally“ waren, habe er praktisch keinen Druck gespürt und das Turnier womöglich zu leicht genommen: „Es hat sich angefühlt, als würde ich bei mir zu Hause spielen.“ Wright lobte aber ausdrücklich seinen Gegner: „Alle Achtung für Gabriel! Er hat nicht lockergelassen, und als er einmal lockerließ, habe ich ihn nicht dafür bestraft. Ich hatte meine Chancen, und ich habe sie nicht genutzt. Alles Gute für ihn in der nächsten Runde.“

          Im Achtelfinale trifft Clemens am Mittwoch auf den Polen Krzysztof Ratajski. Der steht in der Weltrangliste weiter oben und ist damit leichter Favorit. Trotzdem wird Clemens dieses Mal nicht als krasser Außenseiter in das Match gehen. Immerhin ist er derjenige, der den Weltmeister in sieben nervenzehrenden Sätzen aus dem Wettbewerb geworfen hat.

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