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Ryder-Cup-Kapitän McGinley : „Kaymer hätte ich liebend gern im Team“

  • Aktualisiert am

Paul McGinley: Wie eine geschüttelte Champagnerflasche Bild: picture alliance / empics

Kapitän Paul McGinley spricht über das Glück, einen Putt zum Sieg zu verwandeln und macht Deutschlands schwächelndem Golfstar Martin Kaymer Mut für dessen Ryder-Cup-Teilnahme.

          3 Min.

          Der 40. Ryder-Cup, der Kontinentalvergleich der besten zwölf Golfer aus Europa und den Vereinigten Staaten, findet vom 26. bis 28. September im schottischen Gleneagles statt. Der Deutsche Martin Kaymer hatte 2012 in der Nähe von Chicago den entscheidenden Putt zum Sieg der Europäer gegen Tiger Woods und Co. eingelocht und damit das „Wunder von Medinah“ perfekt gemacht.

          Haben Sie schon eine Vorstellung, wie das Team im Herbst aussehen wird?

          Wir stehen ja noch am Anfang der Saison. Derzeit führen zwei Neulinge, der Franzose Victor Dubuisson und der Waliser Jamie Donaldson, die europäische Punkteliste an. Und es sieht so aus, als würde sich mit dem 43 Jahre alten Dänen Thomas Björn ein Routinier nach 1997 und 2002 zum dritten Mal für die Europa-Auswahl qualifizieren. Mit dem Spanier Sergio Garcia und dem Schweden Henrik Stenson werden wahrscheinlich weitere erfahrene Ryder-Cup-Spieler im Team stehen. Es wird wohl wieder eine gute Mischung aus Jung und Alt werden.

          Wird der Mann, der 2012 in Medinah den siegreichen Putt für Europa verwandelte, nicht mit von der Partie sein?

          Martin Kaymer durchläuft derzeit eine schwierige Phase. Ende vergangenen Jahres spielte er ziemlich beständig, aber in den letzten Wochen schwächelte er ein wenig. Spieler sind mal in Form, dann wieder nicht. Das ist im Golf normal. Alle Spieler, die zu Anfang der Qualifikationsperiode (Sie begann im September vorigen Jahres) nicht so gut gespielt haben, wissen, dass sie sich mit guten Leistungen im Sommer noch ins Team spielen können.

          Hoffen Sie, dass dies auch Kaymer schafft?

          Auf jeden Fall! Martin Kaymer ist ein Mann, den ich liebend gerne im Team hätte. Er ist schließlich ein Major-Sieger und hat viele Turniere gewonnen. Mit seinen Erfolgen im Ryder Cup wäre er ein wertvolles Mitglied. Außerdem spricht für ihn, dass er im Team leicht zu führen ist. Falls Martin es nicht schaffen sollte, sich einen der neun automatischen Qualifikationsplätze zu sichern, ist er einer, der ganz gewiss zu dem Kreis zählt, aus dem ich meine drei „Captain’s Picks“ benenne. (Spieler, die der Kapitän nach eigenem Gutdünken auswählen kann.) Aber Martin Kaymer weiß wie ich, dass er dann gute Leistungen bringen und seine Formkurve im August nach oben zeigen muss.

          Wie haben Sie Kaymer in Medinah erlebt?

          Am Anfang der Woche war er unzufrieden mit seinem Spiel. Aber er hat sich gefangen - und am Ende war er der Held und unheimlich glücklich. So etwas geht nur im Ryder Cup.

          Nach dem wichtigsten Putt von Martin Kaymer: alle Emotionen nur so rausgeschossen

          Sie haben mit Martin Kaymer etwas gemeinsam. Auch Sie haben - 2002 in The Belfry - für Europa den siegreichen Putt ins Loch bugsiert. Wie haben Sie sich damals gefühlt?

          Martin erzählte mir und den Kameraden nachher, dass er keine Sekunde gezweifelt habe, diesen Putt aus zwei Metern in seinem Match gegen Steve Stricker zum Sieg im Loch zu versenken. So war es bei mir nicht. Ich war nicht todsicher, dass ich den Ball aus dreieinhalb Metern lochen würde, um mein Match gegen Jim Furyk zu teilen und den entscheidenden halben Punkt zum Sieg zu holen. Aber ich wusste, dass ich einen guten Putt machen würde. Ob er von einer kleinen Unebenheit abgelenkt wird, oder ob er von der inneren Lochkante wieder rausspringt, das entscheiden höhere Mächte.

          Hatten Sie keine Versagensangst, Angst die Team-Kameraden im Stich zu lassen?

          Nein. Ich habe mich gefühlt - ich weiß nicht, woher ich diesen Vergleich habe - wie eine Champagner-Flasche, die lange geschüttelt wurde. In mir hat alles gebrodelt. Und als der Putt dann im Loch verschwand, sind alle Emotionen nur so rausgeschossen - eben so wie aus einer geschüttelten Champagner-Flasche, aus der man den Korken entfernt hat.

          Was macht den Ryder Cup so besonders, so anders als alle anderen Golfturniere?

          Jeder gute Schlag, jeder gelochte Putt, wird nicht nur von den Fans auf dem Platz frenetisch bejubelt. Beim Ryder Cup schauen überall auf der Welt Fans zu, zu Hause, in Kneipen, in Golfclubs. Als Spieler weiß man, dass man mit jedem guten Schlag, jedem gelochten Putt, jedem geholten Punkt unheimlich viele Menschen glücklich macht. Vielleicht kann man es mit einer Fußball-Weltmeisterschaft vergleichen, wo auch jedes Tor für die eigene Mannschaft die Fans in Hochstimmung versetzt. Der Ryder Cup ist eben eines der größten Sportereignisse der Welt.

          Und was ist es für ein Gefühl, den entscheidenden Putt zum Sieg zu verwandeln?

          Es ist, als ob man im WM-Endspiel das entscheidende Tor schießt - ein einmaliges Gefühl! Es ist etwas, was nur ganz wenigen Golfprofis vergönnt ist, man schreibt Golfgeschichte.

          Kaymer (oben) und Kollegen mit dem Ryder-Cup: Viele Menschen glücklich gemacht

          Wie hat der verwandelte Putt zum Sieg Ihre Golfkarriere beeinflusst?

          Ich war danach ein besserer Spieler, ohne Zweifel. Die Gewissheit auf der größten Bühne, die unser Sport bietet, bestehen zu können, hat mir unheimlich viel Selbstvertrauen gegeben. 2002 war mein erster Ryder Cup, ich stand danach noch zweimal im Team und hatte in dieser Zeit die erfolgreichsten Jahre meiner Karriere.

          Neigt sich Ihre aktive Karriere dem Ende zu?

          Ich werde am 16. Dezember 48 Jahre alt. In diesem Alter steht man im Herbst seiner Laufbahn. Von seinen Kollegen zum Ryder-Cup-Kapitän berufen zu werden, ist die größte Ehre, die einem Golfprofi zuteilwerden kann, auch wenn damit ein paar Nachteile verbunden sind.

          Welche Nachteile?

          Man hat so viele Verpflichtungen, dass man sich nicht mehr sorgfältig auf die Turniere vorbereiten kann. Ich glaube, dass ich noch immer hervorragend Golf spielen kann. Als Kapitän ist es wichtig, bei den Turnieren mitzuspielen, einen engen Kontakt zu den Team-Kandidaten zu halten und sich aus nächster Nähe ein Bild vom Leistungsvermögen der Spieler zu verschaffen.

          Die Fragen stellte Wolfgang Scheffler. (Der Interview-Termin entstand mit Hilfe von Mouton Cadet.)

          Der Kapitän

          Vom 26. bis 28. September wird Paul McGinley das europäische Ryder-Cup-Team in Gleneagles (Schottland) im Wettstreit mit den besten amerikanischen Profis als Kapitän anführen. Der 47 Jahre alte Ire gewann in seiner Laufbahn vier Turniere auf der europäischen Tour und den World Cup mit seinem Landsmann Padraig Harrington. 2002, 2004 und 2006 gehörte er als Spieler zur siegreichen Europa-Auswahl, 2010 und 2012 war er als Vize-Kapitän an europäischen Siegen beteiligt.

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