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Ryder Cup : Einzigartiges Spektakel

  • -Aktualisiert am

Für den spanischen Golfspieler und Favoriten Jon Rahm verlief der Ryder Cup bislang nicht wie geplant. Bild: AFP

Ist der Golf-Nationenwettkampf zwischen den USA und Europa noch zeitgemäß? Und wie! Das, was der Ryder Cup bietet, ist kaum vergleichbar.

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          Der Ryder Cup – schon ein Blick auf die Zahlen belegt, warum er als das größte Spektakel im Golf gilt. Mehr als 500 Millionen Sportfreunde in 183 Ländern verfolgten vor den Fernsehschirmen bei der letzten Auflage 2018 im Großraum Paris den Sieg der Europa-Auswahl gegen das Team der Vereinigten Staaten. 270.000 Fans erlebten das Prestigeduell zwischen den zwölf besten Profis aus Europa und den Vereinigten Staaten vor Ort, 235 Millionen Euro flossen so in die französische Wirtschaft. Auch wenn knapp die Hälfte der Zuschauer Franzosen waren, kamen die Besucher aus aller Welt, aus rund 90 Ländern.

          So international wird sich die Zuschauergemeinde in dieser Woche auf dem Straits Course von Whistling Straits in Haven, Wisconsin, nicht zusammensetzen. Wegen der immer noch geltenden Corona-Reisebeschränkungen in die Vereinigten Staaten werden bei dem wegen der Pandemie um ein Jahr verschobenen 43. Ryder Cup an den fünf Tagen von zugelassenen 40.000 Zuschauern von Dienstag bis Sonntag mindestens 95 Prozent Amerikaner sein. Ein Heimvorteil, wie ihn das Team USA nur in den Anfangstagen dieses Wettbewerbs genoss.

          Als 1927 erstmals um den von dem englischen Samenhändler Samuel Ryder gestifteten Pokal gespielt wurde, stand den gastgebenden Amerikanern in Worcester, Massachusetts noch das Team Great Britain gegenüber. Aber selbst als Großbritannien noch Golfer aus Irland ins Team berief, war die Überlegenheit der Amerikaner so erdrückend, dass der Ryder Cup kaum noch jemanden interessierte. Erst als die Golflegende Jack Nicklaus Ende der Siebzigerjahre vorschlug, eine Europa-Auswahl antreten zu lassen, begann die Erfolgsgeschichte dieses Mannschaftswettbewerbs.

          Jeder will seine Überlegenheit demonstrieren

          Der mittlerweile 81 Jahre alte Nicklaus hatte erkannt, das Europa mit Spielern wie dem Spanier Severiano Ballesteros und dem Deutschen Bernhard Langer ein ebenbürtiger Gegner sein würde. Seit 1979, seit sich die zwölf besten Profis von beiden Seiten des Atlantiks gegenüberstehen, gewann Europa elf Mal, das Team USA neun Mal – und das obwohl die Europäer in der Addition der Weltranglistenplätze immer schlechter eingestuft waren.

          Die Ausgeglichenheit der Teams ist nur eine Erfolgskomponente. Im Gegensatz zu fast allen Profiturnieren wird der Ryder Cup nicht im Zählspiel, sondern im Lochspiel ausgetragen. Die Faszination dieser Duelle, an den ersten beiden Tagen im Vierer, wie die Doppel im Golf heißen, und am Schlusstag in den Einzeln, wird dadurch gesteigert, dass dank der transatlantischen Konkurrenz jedes Team seine Überlegenheit demonstrieren will – und das Publikum frenetisch ohne große Rücksicht auf die Golfetikette zum Erfolg seiner Mannen beitragen will.

          Die Protagonisten legen sich mit aller Macht ins Zeug, obwohl es kein Preisgeld zu gewinnen gibt. Auch das macht den Ryder Cup so einzigartig. Es ist das einzige Golfturnier, bei dem es nur einen einzigen Lohn gibt: für seinen Kontinent, für sein Land zu gewinnen.

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