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Schwimmen in Budapest : Russland räumt bei der WM ab

Julija Jefimowa war bei der WM in Budapest schnell unterwegs im Wasser. Bild: dpa

Der allgemein vermutete Zusammenbruch des staatlich unterstützten Doping-Systems in Russland hat die Schwimmer jedenfalls so richtig beflügelt. Na sowas.

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          Wer erinnert sich noch an das staatlich unterstützte russische Doping-Programm? Russlands Schwimmer? Nun, da Russland schwört, dass es mit dem Betrug ein Ende hat, läuft es im Becken rund. Julija Jefimowa, wegen ihrer Doping-Vergehen in schlechter Erinnerung, ist in Budapest über 200 Meter Brust so schnell geschwommen wie seit 2013 nicht mehr. Im Ziel war Frau Jefimowa nach 2:19,64 Minuten und damit mehr als zwei Sekunden schneller als die Zweite, Bethany Galat aus Amerika.

          Die gratulierte der Russin noch im Becken und hob sich damit markant ab von ihrer Teamkollegin Lily King, die in Budapest über die halbe Distanz in Weltrekordzeit gewonnen hatte und keine Scheu hat, ihre Abneigung gegen Julija Jefimowa auszuleben. Als Lily King am Sonntag über 50 Meter Brust vor Julija Jefimowa anschlug, wechselten beide immerhin zwei Sätze miteinander. In der abschließenden Lagenstaffel siegten die Amerikanerinnen mit Lily King in Weltrekordzeit und die Russinnen schwammen mit Julija Jefimowa auf Platz zwei – und zu einem neuen Europarekord. Die Russin (mit dem Titel über 200 Meter nicht vollends zufrieden: „Es ist immer schön, eine Goldmedaille bei Weltmeisterschaften zu gewinnen, aber ich wollte den Weltrekord, und es war so knapp“) hatte schon vor der WM die eigenen Fans aufgefordert, in Scharen ihre neueste Geschäftsidee zu unterstützen: In der Julija-Jefimowa-T-Shirt-Kollektion trägt einer der jüngsten Entwürfe den Slogan: „Geh zum Cas“.

          Auf diesem Weg, über den Sportgerichtshof in Lausanne, hatte sich die Russin nach Rio geklagt. Zuvor war sie wegen Meldonium-Gebrauchs gesperrt worden. 2013, in jenem Jahr, als sie zuletzt Weltmeisterin über 200 Meter Brust geworden war, hatte eine Doping-Probe den Gebrauch des Steroidhormons Dehydroepiandrosteron nachgewiesen. Diese Sperre hatte Julija Jefimowa bei der WM 2015 in Kasan mit einem Strafzettel verglichen: „Wenn Sie zu schnell fahren, müssen Sie bezahlen.“

          Kaum war Julija Jefimowa am Freitag in so bestechender Form wie seit Jahren nicht mehr aus dem Becken gestiegen, sprang Anton Tschupkow hinein. Mit fulminantem Endspurt wurde er in neuer Europarekordzeit (2:06,96 Minuten) Weltmeister über 200 Meter Brust, als erster Russe überhaupt. Die Hymne, die er zuvor zweimal bei Siegerehrungen gehört hatte, habe ihn inspiriert, sagte Tschupkow. Neben Julija Jefimowa hatte auch für Jewgenij Rylow vom geheiligten Russland singen dürfen, von mächtigem Willen und großem Ruhm, denn Rylow war über 200 Meter Rücken Weltmeister geworden. Zudem gewann die 4×200-Meter-Freistil-Staffel der Männer am Freitag Silber, die Lagenstaffel der Männer am Sonntag Bronze. Zehn Medaillen, drei WM-Titel. Bei der Heim-WM vor zwei Jahren waren es nur vier Medaillen. Kurzum: Der allgemein vermutete Zusammenbruch des staatlich unterstützten Doping-Systems – der vom Sportminister zum stellvertretenden Premier aufgestiegene Witali Mutko ist ebenso Träger des Fina-Ordens wie Wladimir Putin – hat die Schwimmer jedenfalls so richtig beflügelt. Na sowas.

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          Ebenfalls keine größeren Medailleneinbußen scheint der Rückzug von Michael Phelps bei den Amerikanern zu hinterlassen. In Budapest trat der nächste Wunderschwimmer aus den Kulissen. Caeleb Dressel aus Jacksonville, Florida, 20 Jahre alt, schwamm am Samstag binnen 80 Minuten zu drei WM-Titeln über 50 Meter Freistil, 100 Meter Schmetterling und in der Mixed-Freistil-Staffel. In den Tagen zuvor war der Student der University of Florida schon Weltmeister mit der geschlechtsgebundenen 4×100-Meter-Freistilstaffel und über 100 Meter Freistil geworden, aber Vergleiche mit Phelps verbittet sich Dressel einstweilen. Er habe sich bei der WM erst mal die „Füße ein bisschen nass gemacht“.

          Einen Doping-Fall gibt es wohl auch, Fina-Generalsekretär Cornel Marculescu tut sich allerdings schwer mit der Bestätigung: Der Argentinier Martin Naidich soll auffällig geworden sein. Die Konkurrenz über 400 Meter Freistil hatte er auf Platz 35 beendet, über 800 Meter war Naidich 26. geworden. Was hatte Federica Pellegrini, die italienische Weltmeisterin über 200 Meter Freistil vor der WM gesagt? Sie sehe immer wieder Situationen, in denen Schwimmer wirkten wie vom Mars gekommen. Der Internationale Schwimm-Verband lässt die Außerirdischen weiter gewähren.

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