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Vorwürfe aus Russland : „Systematisches Doping auch in Deutschland“

Deftige Aussage: Jelena Issinbajewa wirft Deutschland und Amerika systematisches Doping vor. Bild: Picture-Alliance

Im russischen Fernsehen wirft Stabhochsprung-Olympiasiegerin Issinbajewa Ländern wie Deutschland und Amerika systematisches Doping vor. Der DOSB-Präsident wird dazu deutlich.

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          Jelena Issinbajewa hat Deutschland systematisches Doping vorgeworfen. „Auch in anderen Ländern wie Amerika, England, Deutschland, Kenia – meine Finger genügen zur Aufzählung nicht – wurden Sportler gesperrt“, sagte sie im russischen Fernsehsender RT. Das berichtet die Deutsche Presseagentur. „Wir als Russland haben nie darum gebeten, dass deren Verbände wegen systematischen Dopings suspendiert würden.“ Auf der Website von RT fehlt diese Passage.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Olympiasiegerin im Stabhochsprung von Athen 2004 und Peking 2008 wird dort mit der Forderung zitiert, gedopte russische Athleten zu sperren, nicht aber den Verband. Sie sehe keine Verbindung zwischen deren Verhalten und ihrer eigenen Karriere, in der sie dreißig Weltrekorde aufgestellt habe und niemals positiv getestet wurde. Ihre wirtschaftliche Existenz sei bedroht. Deshalb werde sie das Recht auf Teilnahme an Olympia vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte durchsetzen.

          Der russische Leichtathletikverband ist wegen systematischen Dopings vom internationalen Sport ausgeschlossen; am 17. Juni entscheidet der Weltverband IAAF, ob russische Leichtathleten an den Olympischen Spielen von Rio teilnehmen dürfen. „Warum schauen alle nur auf Russland. Doping ist ein globales Thema“, sagt Jelena Issinbajewa laut RT.com. „Russland ist verwickelt gewesen, aber wir sind nicht das einzige Land, das damit zu tun hat. Wenn sie wirklich Doping bekämpfen wollen, müssen sie die Augen öffnen und auch in andere Richtungen gucken. Sonst ist es eine absichtliche Kampagne gegen Russland, hinter der irgendwer steckt.“

          Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds Alfons Hörmann wies derweil Issinbajewas Vorwürfe zurück. „Sie soll doch bitte schön Hintergründe und Dokumente liefern, wie sie zu dieser Einschätzung kommt. Sich wechselseitig auf die Finger zu zeigen bringt nichts“, sagte Hörmann bei der ersten Nominierungsrunde der deutschen Olympiamannschaft. Jedes Land müsse seinen eigenen Verpflichtungen im Kampf gegen Doping nachkommen. Hörmann erklärte in diesem Zusammenhang auch, dass jeder deutsche Sportler vor Olympia „noch einmal zusätzlich“ auf Dopingmittel getestet werden solle.

          Des Weiteren wurde deutlich, dass Hörmann einen kollektiven Ausschluss russischer Sportler von Olympia offenbar für problematisch hält: „Man bestraft Athleten, denen das Doping nicht nachgewiesen ist“, sagte Hörmann, „das ist juristisch schwierig.“ Nach der etwaigen Entscheidung für einen Ausschluss hätten die Athleten noch Zeit, vor Gericht um eine Olympia-Teilnahme zu streiten. Außerdem sagte Hörmann, dass die ausgeschlossenen Sportler die Verbände auf Schadensersatz verklagen könnten, was diese „die Existenz kosten“ könnte. Er verwies auf das Beispiel der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, die den Eislauf-Weltverband ISU vor einem Zivilgericht auf Schadensersatz verklagt hat und einen Millionenbetrag fordert, weil sie durch eine umstrittene Dopingsperre Olympia 2010 verpasst hat. „Bei einem kollektiven Ausschluss kämen hundert solcher Klagen auf die Verbände zu“, sagte Hörmann.

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