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Russell Westbrook : Die spektakulärste One-Man-Show der NBA

Russell Westbrook mit den Models Martha Hunt, Emily Ratajkowski und Nina Agdal (von links) Bild: Picture-Alliance

Er spielt stets zwischen Genie und Wahnsinn und schaffte 42 Triple Doubles alleine in der regulären Saison: Russell Westbrook ist ein ganz besonderer Basketball-Spieler – auch bei der Wahl seiner kuriosen Trikotnummer.

          Ein Super-Athlet. Einer, wie es ihn selbst in der Liga der Muskelprotze nur selten gibt. 1,91 Meter groß, 91 Kilogramm schwer, schnell, stark, sprunggewaltig. Ein Körper, wie eine Skulptur: Russell Westbrook. „Mr. Explosive“ – so nennen die Mitspieler bei den Oklahoma City Thunder den Point Guard mit der Nummer „0“ auf dem Trikot. Eine Nummer, die wie ein Witz wirkt. Doch Westbrook hat eine Erklärung für seine ungewöhnliche Wahl: „Das ist keine normale Zahl. Du setzt alles wieder auf null, wenn du etwas durchgemacht hast und auf der Suche bist nach einem neuen Anfang“, sagt er: „Es hilft dir, wieder nach vorne zu schauen, wieder den Swag zu bekommen.“ Den Swag! Einen Lauf.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schon vor Beginn der Play-offs in der NBA, vor der entscheidenden Phase dieser Saison, in der Oklahoma nun schon das frühe Aus droht, ist der Achtundzwanzigjährige eingegangen in die Geschichte des Basketballs. In der Hauptrunde mit 82 Spielen gelangen Westbrook 42 Triple Doubles. So nennen es die Amerikaner, wenn ein Spieler am Ende der Partie in den drei wichtigsten Leistungskategorien (Punkte, Rebounds, Assists) einen zweistelligen Wert aufweist. Keine andere Statistik belegt so sehr die Vielseitigkeit eines Athleten. Westbrook hat den Maßstab in dieser Wertung noch einmal verschoben. Nach einer seiner Gala-Vorstellungen wurde er gefragt, ob er sich manchmal auch selbst begeistere. Seine Antwort: „Definitiv. Jeden Tag. Jeden Tag.“ Und weiter: „Ich weiß nie, was in einem Spiel passieren wird, ob gut oder schlecht. Mein Job ist es einfach, jeden Tag mein Bestes zu geben.“

          In der Saison 1961/62 gelangen Oscar Robertson in Diensten der Cincinnati Royals einmal 41 dieser Triple Doubles, eine Leistung, die für die Ewigkeit gemacht schien. Denn Robertson war nicht nur ein außergewöhnlicher Basketballprofi, er war auch in einer Ära aktiv, in der Angriff auf Angriff folgte, in der das Spiel in der NBA unglaublich schnell zwischen den beiden Körben hin und her flog, in der es noch nicht so sehr von choreographierten Abläufen und Strategien, sondern vor allem von der Kraft des Moments geprägt war. Und Robertson stand damals durchschnittlich mehr als 44 Minuten auf dem Parkett. Ein Wert, auf den heute kaum noch ein Profi regelmäßig kommt, weil die Intensität des Spiels einfach zu hoch geworden ist. Selbst die Experten zweifelten deshalb daran, dass dieser Rekord von Robertson noch einmal zu überbieten sei.

          Westbrook hat sie alle überrascht. In den Reihen der Oklahoma City Thunder ist er der unumstrittene Superstar. Seit Kevin Durant, viele Jahre neben Westbrook der zweite Topstar im Team, vor der Saison zu den Golden State Warriors wechselte, sind sie mehr denn je abhängig von ihrem Spielmacher und dessen one man show. Westbrook hat oft geniale Einfälle, ist dabei aber für seine Mitspieler oftmals genauso unberechenbar wir für seine Gegner. Das führte in dieser Saison bisher zu durchschnittlich 31,6 Punkten, 10,7 Rebounds und 10,4 Assists – aber auch zu mehr als fünf Ballverlusten pro Partie, weil er mitunter zu spät oder überhaupt nicht abspielt.

          Der Basketball-Star gibt in Oklahoma den Ton an.

          Das hat allerdings nur wenig mit Egoismus zu tun. Westbrook ist vielmehr ein Besessener, und er glaubt tatsächlich, dass seine Mannschaft bessere Aussichten auf den Erfolg hat, wenn er die Entscheidungen trifft – und die Aktion auch gleich noch selbst zum Abschluss bringt. Manchmal ist das genial, mitunter aber auch der völlige Wahnsinn. Zu Saisonbeginn sagte Westbrook deshalb: „Ich kann mit Kritik und Buhrufen wegen meiner Spielweise umgehen. Aber ich spüre langsam, dass die Leute verstehen, dass es mir nicht um mich geht, sondern um Siege.“

          Westbrook ist das Herz dieses Teams der Namenlosen. Denn seine Mitspieler sind dabei nicht mehr als Adjutanten. Enes Kanter, Taj Gibson, André Roberson, Steven Adams und Victor Oladipo kümmern sich vor allem um die Drecksarbeit auf dem Parkett – und Westbrook glänzt, holt sich die Ovationen des Publikums ab, steht nach der Schlusssirene im Scheinwerferlicht der Kameras. Der Kader von Oklahoma erinnert in seiner Zusammenstellung ein wenig an die Philadelphia 76ers rund um ihren genialen Spielmacher Allen Iverson, die so in der Saison 2000/01 immerhin bis in die Finalserie vorstoßen konnten.

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