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Rugby-WM : Wider den Fluch

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Markenbildung: Die „All Blacks” haben sich durch den „Haka” ins allgemeine Bewusstsein getanzt Bild: dpa

Die neuseeländischen „All Blacks“ sind eine mythisch verklärte Macht im Rugby - aber eine Macht mit einem WM-Trauma. Beim am diesem Freitag beginnenden Heimturnier soll der Fluch besiegt werden.

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          Schon ihr Name klingt ein bisschen furchteinflößend, und tatsächlich eilt den „Men in black“ im Rugby auch ein Ruf wie Donnerhall voraus. Mutig, kampfstark, schnell: Attribute eines Spiels, das zu einer Marke im Rugby geworden ist. Wie die „All Blacks“ selbst, die Männer in den schwarzen Trikots, allesamt Volkshelden in ihrer neuseeländischen Heimat. Allerdings ist das nicht die ganze Geschichte einer Nationalmannschaft, die in der Weltrangliste – natürlich – auf Platz eins steht.

          Sie hat, trotz aller Klasse, immer wieder auch bittere Niederlagen hinnehmen müssen, just auf der größten Bühne ihres Sports, der Weltmeisterschaft. Für die Neuseeländer, die Rugby als einen Teil ihrer Identität betrachten, ist daraus sogar ein Trauma erwachsen. Einmal erst, im Jahr 1987, eroberten sie den Webb-Ellis-Cup, benannt nach einem englischen Internatsschüler, der Rugby im Jahr 1823 erfunden haben soll. Ansonsten: ein regelmäßiges vorzeitiges Ausscheiden bei der Weltmesse des Rugby. Neuseeland scheiterte dabei vorwiegend an sich selbst, an seinen Nerven.

          Die siebte Rugby-WM – Beginn an diesem Freitag – ist somit wieder eine heikle Mission für die „All Blacks“. Zumal sie auf neuseeländischem Boden stattfindet und die Nation nach jahrzehntelangem Warten nichts anderes als die Krönung erwartet. Ein Kampf um‘s Ei also unter immensem Druck: Es wird spannend sein zu verfolgen, wie das Team um Kapitän Richie McCaw, das kürzlich bei einem Testturnier Australien und Südafrika unterlag, in den kommenden Wochen damit umgeht.

          Der erste Weltstar des Rugby: Jonah Lomu in Paris gegen Frankreich im September 1995 Bilderstrecke

          Aber auch ohne Gipfelsturm erwarben sich die mythisch verklärten „All Blacks“ in der Vergangenheit große Verdienste um das Rugby; das sollte, trotz der sportlichen Fehlschläge, keinesfalls außer Acht gelassen werden. Das beherzte Auftreten der Neuseeländer und auch ihr Showtalent förderten das Rugby weltweit. Sogar Deutschland, wo dieser Sport ein Nischendasein fristet, weiß längst etwas anzufangen mit dem „Haka“, dem Maori-Kriegstanz, der vor jedem neuseeländischen Spiel aufgeführt wird. Oder mit Jonah Lomu, dem ersten globalen Rugby-Star, der – sehr schnell und sehr wuchtig – seine Gegner einfach über den Haufen rannte.

          Kaum ein anderes Team fasziniert die Massen in der Regel so sehr wie die „All Blacks“. Kein Wunder also, dass neuseeländische Kräfte auch in ausländischen Klubs begehrt sind. Sie leisten selbst in der deutschen Bundesliga Entwicklungshilfe; obwohl, das versteht sich, in keinem dieser Spieler ein „All Black“ steckt. Wider den Fluch, zunächst im Duell mit Tonga: Neuseelands Rugby steht nun vor einer seiner größten Bewährungsproben. Sich ein Bild davon zu machen, dürfte eine lohnende Sache sein. Auch für deutsche Beobachter. Selbst wenn die „All Blacks“ ihr Glück wieder nicht machen sollten.

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