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Rugby-WM : Höflichkeit ist eine Zier, andere trinken sehr viel Bier

  • -Aktualisiert am

Samoas Tusi Pusi, dessen Arme Tattoos wie Wandmalereien zieren, prescht durch zwei russische Gegenspieler. Bild: dpa

In Japan werden Tattoos wenig geschätzt und sogar mit dem organisierten Verbrechen verknüpft. Ein Problem für die samoanischen Rugby-Profis, bei denen es genau andersherum ist? Sicher nicht.

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          Gib jedem Tag die Chance, zum schönsten deines Lebens zu werden. Mann, ist das lang! Sich diesen Dreizeiler aus dem Selbstmotivations-Kalender in die Haut stechen zu lassen, wäre ohnehin sinnlos: total langweilig. Statt abgedroschene Weisheiten zu entziffern, schauen wir uns lieber die Tattoos der Rugbyspieler aus Samoa an.

          In Polynesien sind Tätowierungen nicht nur als reine Körperzier gedacht. Sie erzählen zum Beispiel über Rituale, die der Träger bestanden hat, und über seine gesellschaftliche Stellung. Platz dafür gibt es ja genug auf den klobigen Kampfmaschinen. Schildkröte, geschwungene Wellen und ein grinsendes Gebiss – all das will gedeutet werden.

          Allerdings wäre es unnütz, ihnen zu diesem Zweck in einem japanischen Schwimmbad aufzulauern. An solchen Orten wollen sie während der Weltmeisterschaft, die gerade begonnen hat, beige Überzüge über ihre Tattoos streifen, aus Respekt vor der japanischen Kultur, die solche Körpersprache nicht schätzt.

          Die nicht so feine britische Art

          Wir wollen zwar bei der Hitze dort nicht in ihrer Haut stecken. Aber trotzdem: Hut ab vor so viel Höflichkeit. Da kann man mal wieder sehen, wie rücksichtsvoll auch die härtesten Burschen sein können, sofern das Ei ruht.

          Obwohl: Die Fans des Rugbys pflegen offenbar eine nicht ganz so feine Lebensart wie die Akteure. Beim WM-Gastgeber Japan jedenfalls sind sie schon ganz aufgeregt, weil sie Angst haben, die Bierreserven des Landes könnten nicht bis zum Endspiel in sechs Wochen reichen. Die Sorge ist berechtigt. Die Statistik weist für Stadien und Fan-Zonen der Weltmeisterschaft 2015 in England einen Verbrauch von 1,9 Millionen Liter Gerstensaft aus. Von Fußballkennern hört man, dass Rugby-Fans im Schnitt sechsmal so viel Bier vernichten wie ihre Kollegen vom runden Ball.

          Um einer Austrocknung des britischen Publikums entgegenzuwirken, werden in Japan eigens mobile Bierträger auf die Tribünen geschickt. Wir fragen uns natürlich, wieso das so ist. Kann man das Geräusch, wenn die Gelenke krachen, nur betrunken ertragen? Sicher ist: Die Siegermannschaft erhält am Ende einen hässlichen Henkelpott. Nicht etwa eine Hopfen-Kaltschale.

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