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Rugby-Team Deutschland : Klimmzüge mit Knalleffekt

  • -Aktualisiert am

Der Kampf ums Ei – hier mit Deutschlands Tim Menzel Bild: dpa

Zum Einstieg in die EM gelingt dem Rugby-Team Deutschland ein Sieg über Rumänien – und ein wichtiger Schritt hin zu mehr Wahrnehmung. Doch das Sehnsuchtsziel ist noch weit entfernt.

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          Das Bild des Tages: Ein Kerl im XXL-Format, 1,97 Meter groß, 117 Kilogramm schwer, großflächig bandagiert, sichtlich lädiert, reckt seine beiden Krücken in die Luft und deutet einen Freudensprung an. Michael Poppmeier, der Kapitän der deutschen Rugby-Nationalmannschaft, war nach dem Schlusspfiff mittendrin, als es „die Sensation“ zu feiern galt. Jahrzehntelang hatte es das nicht mehr gegeben – einen Sieg über Rumänien. Was das 41:38 der Deutschen in Offenbach besonders wertvoll macht, ist die Dramaturgie des Triumphes. Und die realistische Aussicht, sich für die Weltmeisterschaft 2019 qualifizieren zu können.

          Japan ist das Sehnsuchtsziel der 15er-Auswahl, die bislang immer nur zuschauen musste, wenn sich die Weltelite im Rugby zum Gipfeltreffen versammelte. Der Sieg über den erklärten Favoriten Rumänien war zugleich der Einstieg zur Europameisterschaft, in der es die deutsche Auswahl in den kommenden Wochen noch mit Georgien, Belgien, Spanien und Russland zu tun bekommt. EM-Titelverteidiger Georgien ist wegen seines respektablen Abschneidens in der Gruppenphase der letzten WM in Großbritannien bereits für Japan gesetzt. Deutschland gilt über Nacht als heißer Kandidat für den Auftritt im Land der aufgehenden Sonne.

          Wollen nach Japan: Deutschlands Rugby-Männer
          Wollen nach Japan: Deutschlands Rugby-Männer : Bild: dpa

          Die Rugby-Gemeinde hierzulande sieht sich seit dem Samstagnachmittag in Offenbach „wahrgenommen auf der Rugby-Landkarte“. Team-Manager Robert Mohr, dessen imposante Oberarme immer noch davon zeugen, dass er einst Rugby-Legionär in Frankreich war, sagte das voller Genugtuung. Die Klimmzüge des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV), gepusht durch den Heidelberger Unternehmer Hans-Peter Wild, lassen Muskeln wachsen. „Das Ergebnis ist da, es ist von enormer Bedeutung“, sagte Mohr und sieht zugleich „viel Luft nach oben“.

          Technisch und taktisch lief nicht alles rund, aber in der Summe war der Auftritt in jenem Stadion, wo sonst die Offenbacher Kickers spielen, „ein Energieschub“. Die deutsche Fünfzehn lag zwischenzeitlich 6:24 und 20:38 zurück, hatte kurz nach der Halbzeitpause zudem den Ausfall ihres Kapitäns zu verkraften. Poppmeier hatte den „Innenbandriss gespürt und gehört“. Wie das deutsche Team zweimal zurückgekommen war, imponierte sogar Lynn Howells, dem walisischen Coach der Rumänen. Er sah den Gegner im Vergleich zum Vorjahr „um hundert Prozent verbessert“, ging zugleich mit seiner Auswahl ins Gericht: „Wenn man so hoch führt, darf man als Mannschaft, die zur WM will, den Sieg nicht mehr aus der Hand geben.“

          Die Mannschaft sieht noch Luft nach oben.
          Die Mannschaft sieht noch Luft nach oben. : Bild: dpa

          Beide Teams landeten jeweils fünf Versuche. Für Deutschland punkteten Jacobus Otto (zehn), Jarrid Els, Dash Barber und Marcel Coetzee (je fünf), Raynor Parkinson mit fünf Erhöhungen, dazu einem Straftritt und einem Dropgoal. Den Sieg verdankten die Männer von Nationaltrainer Kobus Potgieter Vorteilen in der Gasse und im Gedränge, auch den Alternativen von der Bank, als die Ersatzspieler gefordert waren; aber vor allem der Energie ohne Ende, als alles auf eine Niederlage hinauszulaufen schien. „Ein gutes Paket“, so das abschließende Zeugnis von Potgieter.

          Die These von DRV-Präsident Klaus Blank, wonach der Aufwachprozess des „schlafenden Rugby-Riesen“ hierzulande begonnen habe, hat einiges für sich. Vielleicht spricht sich das ja mit Blick auf den 4. März, wenn Deutschlands Rugby-Cracks in Offenbach gegen Belgien auflaufen, herum. 2425 Zuschauer, so empfand es jedenfalls der Stadionsprecher am Samstag, brachten „den Bieberer Berg zum Beben“. Aber auch für den Zuspruch in Zahlen gilt: Es gibt noch Luft nach oben.

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