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Rugby-Star Israel Folau : Vom Himmel gestürzt

  • -Aktualisiert am

Unrühmliches Ende: Israel Folau musste das australische Nationalteam verlassen – unter anderem wegen homophober Bemerkungen. Bild: EPA

Rugby-Star Israel Folau wurde wegen homophober Äußerungen suspendiert. Über der aktuellen WM-Kampagne der Australier hängt Folau nun wie ein Gespenst. Doch es gibt auch einen liberalen Counterpart.

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          Es gibt verschiedene Lösungen, um beim Rugby eine Verteidigungsreihe zu knacken. Eine davon ist, den Ball aus den hinteren Reihen hoch und nicht zu weit nach vorn zu kicken. Dann bedarf es eines großen, körperlich robusten und sprungstarken Spielers, der das Ei vor allen anderen heranstürmenden Kolossen herunterpflückt und es so für den weiteren Angriff verwertbar macht. Wie die ersten Begegnungen der favorisierten Mannschaften bei der Weltmeisterschaft in Japan gezeigt haben, könnte das sogenannte „Kicking Game“ bei diesem Turnier zu einer Schlüsseltaktik werden. Dass das zum Beispiel auch der Six-Nations-Champion Wales so sieht, zeigte er im ersten WM-Match gegen Georgien – was eine Generalprobe für das wichtigste Gruppenspiel gegen Australien am Sonntag war.

          Den großen „Luftangriff“ auf die Wallabies zu üben, das hätte vor ein paar Monaten wohl kaum keiner ernsthaft gewagt. Denn dann wäre in den höheren Lagen auf jeden Fall mit Israel Folau zu rechnen gewesen. In der Geschichte des Rugbys gibt es kaum einen Spieler, der den Ball so sicher vom „Himmel“ fischen konnte wie der 1,94 Meter große und 103 Kilogramm schwere Modellathlet. Aber Folau ist in Japan nicht dabei. Im April hatte der Sohn mormonischer Einwanderer aus dem pazifischen Inselstaat Tonga via Instagram einen Post abgesetzt, in dem er unter anderen Atheisten, Ehebrechern, Götzendienern und Homosexuellen versprochen hatte, dass die Hölle auf sie warte, sollten sie nicht bereuen. Es war bei weitem nicht die erste hasserfüllte und vor allem homophobe Wortmeldung des 30 Jahre alten Spielers. In jedem Fall aber die folgenschwerste. Denn was folgte, war die sofortige Suspendierung Folaus aus dem Nationalteam. Der englische „Guardian“ nannte den Fall Folau die wohl „größte Ablenkung, die eine Nationalmannschaft vor einer WM jemals ertragen musste“, und prophezeite den Wallabies, sollten sie es nicht wenigstens bis ins Halbfinale schaffen, eine nervige Debatte nach der Devise: „Was wäre gewesen, wenn . . .“

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