https://www.faz.net/-gtl-9vp7g

Beben im Rugby : „Der größte Skandal aller Zeiten“

  • -Aktualisiert am

Gezeichnet: Mako Vunipola und die Saracens Bild: Reuters

Die großen London Saracens sind eines der besten Rugby-Teams der Welt – auch dank ungewöhnlicher Trainingsmethoden etwa mit lebenden Wölfen. Doch nun geht die Erfolgsstory, die ihresgleichen suchte, zu Ende. Was ist geschehen?

          3 Min.

          Als der englische Rugbyklub „The Saracens“ aus London im vergangenen Herbst auf seiner Website eine Reihe von kurzen Videoclips veröffentlichte, da war noch nicht abzusehen, dass der damit gefeierte „Saracens Way“ schon bald in einer dunklen Sackgasse enden würde. „The Saracens“ – das war eine Erfolgsstory, die ihresgleichen suchte im englischen Mannschaftssport.

          Eine Geschichte mit viel Sportpsychologie und modernen Teambuilding-Experimenten. Klubpsychologen initiierten etwa Diskussionen über Descartes und andere Philosophen. Ein einstiger Defensivcoach ging sogar so weit, dass er ein paar Wölfe mit zum Training brachte, um Rudel-Mentalität zu demonstrieren. Zwischen 2011 und 2019 gewannen die Londoner fünfmal die englische Premiership und 2016, 2017 sowie 2019 den European Champions Cup, wo sie ihre Gegner nach Belieben zu dominieren schienen. So schrieb der „Telegraph“ noch im Mai: „Die Saracens können ohne Zweifel behaupten, die erfolgreichste englische Klubmannschaft in jedem Sport in diesem Jahrhundert zu sein.“

          Kräftezehrend: Jackson Wray bei einem Spiel der Saracens in London

          Seit dem vergangenen Wochenende steht nun allerdings fest, dass die Saracens auch für den, wie es die BBC ausdrückte, „größten Skandal im englischen Rugby aller Zeiten“ verantwortlich sind. Denn der aktuelle englische Meister muss im Sommer in die zweite Liga absteigen. Seit 2015 hatten die Saracens immer wieder die Gehaltsobergrenze der Premiership, die bei etwa neun Millionen Euro pro Jahr liegt, gesprengt und ihren Spielern deutlich höhere Gehälter gezahlt, als erlaubt war. Der Verein hatte sich damit die Dienste einer beispiellosen Ansammlung internationaler Stars geleistet. Der englische Nationalmannschaftskapitän Owen Farrell ist ebenso eine Sarazene wie die Brüder Mako und Billy Vunipola. Maro Itoje wurde bei der zurückliegenden Weltmeisterschaft, beim Sensationssieg über Neuseeland, zum „Man of the Match“ gewählt – und muss sich nun wohl ebenso wie seine Teamkameraden einen neuen Verein suchen.

          Nach Drohungen riss der Geduldsfaden

          Unbekannt sind die finanziellen Unregelmäßigkeiten der Saracens innerhalb der Premiership allerdings schon lange nicht mehr. Innerhalb der letzten acht Jahre hatte das erfolgreichste englische Rugby-Team der vergangenen Dekade mindestens fünfmal Verstöße gegen den Salary Cap eingestanden und Sanktionen akzeptiert. Die englische Premiership unter Chef Mark Cafferty hatte sich ein ums andere Mal auf undurchsichtige Abkommen eingelassen, um einer größeren Affäre aus dem Weg zu gehen. Noch im November des vergangenen Jahres akzeptierte der Verein den Abzug von 35 Punkten und eine Geldstrafe in Höhe von knapp sechs Millionen Euro. Doch weil andere Klubs damit drohten, letztlich gerichtlich gegen die Liga vorzugehen, riss den Verantwortlichen der Premiership am vergangenen Samstag der Geduldsfaden.

          Die Höhe der Summen, welche den erfolgreichen, aber faulen Sarazenen-Weg in den vergangenen Jahren pflasterten, werden wohl auch in den kommenden Jahren nicht ermittelt werden können. Fest steht, dass das Team von der nächsten Saison an in der zweitklassigen Championship antreten muss und selbst bei abermaligem Gewinn des European Champions Cup an keinem internationalen Wettbewerb teilnehmen darf. Fraglich ist, was dann aus dem Verein und seinem Starensemble wird. Eigentümer und Vereinsvorsitzender Nigel Wray ist bereits Anfang des Jahres von all seinen Ämtern zurückgetreten, wird nach eigener Aussage aber auch weiterhin „die erforderliche finanzielle Unterstützung“ für den Klub bereitstellen.

          Im Fokus: Rugbyklub London Saracens

          Womöglich halten einige Saracenstars dem Klub auch künftig die Treue. Zumal ein Wechsel der Nationalspieler der Saracens ins Ausland nicht unproblematisch wäre. Auch in England versucht man, den Status der einheimischen Liga zu schützen, indem man nur Spieler aus der Premiership ins Nationalteam beruft. Die letzte Ausnahme machte man bei Johnny Wilkinson vor fast zehn Jahren, als der für den französischen Verein Toulon spielte. Schon am 2. Februar geht für die Engländer das neue Six-Nations-Turnier mit dem Spiel gegen Frankreich los.

          Es geht nun für das englische Rugby, so oder so, darum, das Image wiederaufzupolieren. Der einstige englische Nationalspieler Ugo Monye sagte dazu: „Wir haben uns viele Jahre als eine Art moralische Instanz in einer korrupten Welt des Profisports betrachtet. Fußball wurde vom Geld regiert, Leichtathletik und Radfahren wurden vom Doping zerfressen. Rugby ist jetzt ein Teil davon. Wir müssen nun alles tun, um das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hanau : Acht Menschen erschossen – Täter flüchtig

          In Hanau starben durch Schüsse an mehreren Tatorten acht Menschen, mehrere wurden verletzt. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei gegenüber der F.A.Z. Nach den Tätern werde „auf Hochtouren“ gefahndet, die Hintergründe seien bislang noch unklar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.