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Vorkämpfer im Rugby : Otto kennt keine Gnade

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Entwicklungshelfer Jacobus Otto (Mitte): Der Typus Rugbyspieler ist keine ängstliche Natur, ganz im Gegenteil. Bild: dpa

Deutschland, ein Rugbyland? Dank südafrikanischer Entwicklungshilfe kommt die Nationalmannschaft tatsächlich gut voran. Der „geniale“ Rugbyspieler Jacobus Otto bietet das „perfekte Profil“.

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          Und noch ein Autogramm bitte. Der Rugbynachwuchs umschwärmte Jacobus Otto. Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass die deutsche 15er-Rugby-Nationalmannschaft schon wieder gewinnt. Nach dem 34:29 am Samstag über Belgien bildete das Team einen Kreis, kniete nieder und betete auf dem Rasen. Otto mittendrin. In Offenbach war er mal wieder vorangegangen, als es galt, den Gegner in Schach zu halten. Gleich zu Beginn dieses Spiels der Europameisterschaftsserie, in der es zugleich auch um die WM-Qualifikation geht, war es Otto, der den frühen 0:3-Rückstand per Versuch zur 5:3-Führung nutzte. Das bauten die Deutschen zum zwischenzeitlichen 27:6 aus. Am Ende brachten sie den geschrumpften Vorsprung über die Zeit.

          Der Typus Rugbyspieler ist keine ängstliche Natur, ganz im Gegenteil. Eric Marks beschreibt seinen Mitspieler Otto, der durch die Bank als Vorbild gilt, als einen „genialen Spieler, der keine Gnade kennt, immer hundert bis hundertzehn Prozent gibt“. Für Robert Mohr, Teammanager des Nationalteams, verkörpert der Mann mit der Rückennummer 6 das „perfekte Profil“, um das deutsche Rugby voranzubringen. Ottos Heimat ist Südafrika, eine Nation, in der Rugby als Nationalsport gelebt wird. Um es dort in den Nationalkader zu schaffen, fehlen Otto bei einer Länge von 1,82 Metern rund zehn Zentimeter. Da traf es sich gut, dass sein Coach am Kap der Guten Hoffnung seit jeher ein guter Kumpel des deutschen Bundestrainers Jacobus Potgieter ist.

          Deutsche Rugby-Nationalmannschaft: Schon wieder gewonnen!

          Der südafrikanische Landsmann hatte im Herbst 2012 angefragt, ob es einen Kandidaten für einen Job in Germany gebe. Als Entwicklungshelfer in Sachen Rugby, der auch in der Liga spielen könne und es bei Eignung sogar in das deutsche Nationalteam schaffe. Die Regularien in diesem Kontaktsport lassen es zu: Wer sich drei Jahre im Land seiner Wahl aufhält, erwirbt damit automatisch die Spielgenehmigung.

          Otto erinnert sich noch an seinen Einstand beim Heidelberger RK im tristen November: „Auf der Bank bin ich fast erfroren, kaum im Spiel, bekam ich eine Zeitstrafe aufgebrummt, also hieß es weiter frieren. Danach wäre ich am liebsten direkt zurückgekehrt in die warme südafrikanische Sonne und zu den saftigen Steaks.“

          Am Samstag in Offenbach, bei frühlingshaften Temperaturen, empfand Otto das Klima als perfekt. Überhaupt hat er sich schnellstens akklimatisiert im Kreis der polyglotten Rugbyfamilie mit dem Adler auf der Brust. Seinen Lebensunterhalt, Insider sprechen von einem „ordentlichen Salär“, verdient er sich als Trainer der in Heidelberg beheimateten Wild Rugby Academy.

          Deutschland, ein Rugbyland?

          Die hat es sich zum Ziel gesetzt, Rugby hierzulande populär zu machen. Mit der Hilfe von Männern wie Otto, der Kinder auf den Rugbygeschmack bringt, Schul-AGs betreut. Otto hat als Kind davon geträumt, eines Tages Nationalspieler zu werden. Auf dem Umweg über Deutschland, im Alter von 27 Jahren, hat sich der Traum des Mannes mit dem tiefen Körperschwerpunkt erfüllt. Sein Einsatz gegen Belgien war der zwölfte mit dem Bundesadler auf der Brust. Deutschland, ein Rugbyland? Otto ist um eine diplomatische Antwort bemüht. „Wir sind auf dem Weg.“

          Bundestrainer Kobus Potgieter (Mitte): Die Mission der Buren-Connection führt zur WM.

          Die Mission der Buren-Connection mit dem Bundestrainer Potgieter und Otto geht weiter. Im Idealfall führt sie ihr Trip 2019 bis nach Japan. Und wenn der WM-Spielplan es ganz toll treibt, trifft Deutschland auf Südafrika. Wozu eine „zweite Heimat“, wie Otto seinen Lebensmittelpunkt nennt, doch gut ist. Vielleicht lernt er bis dahin noch ein paar Worte für den Text der Nationalhymne, aber die Sprache, so meint er, sei nicht so wichtig, dafür aber „Rugby first“.

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