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Rugby in Deutschland : Das Ei fliegt weiter

Dem deutschen Rugbysport geht es nicht gut, aber immerhin lebt er weiter Bild: AFP

Deutschlands Rugbysport kämpft um sein Überleben. Sogar der Gang in die Insolvenz war möglich. Nun haben Gönner den Rugby-Verband gerettet.

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          Von der großen Welt des Rugby ist Deutschland immer noch abgeschnitten. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Obwohl der Deutsche Rugby-Verband (DRV) gerade ein bisschen an internationalem Flair schnuppern kann. Der Heusenstammer Jürgen Zeiger, Vizepräsident des DRV, hält sich derzeit bei der Weltmeisterschaft in Neuseeland auf. Er wurde vom Internationalen Rugbyverband eingeladen. Zeiger dürfte sich ein bisschen fremd vorkommen in dieser Umgebung, schließlich hat Deutschland noch nie an einer WM teilgenommen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          In der jüngeren Vergangenheit hatte der Sport aber ohnehin nicht die höchste Priorität für den DRV. Für den Verband ging es da vor allem um das nackte Überleben. So prekär war die Situation, dass der neue DRV-Präsident Ralph Götz (Heidelberg) sogar von einem möglichen „Gang Richtung Insolvenz“ sprach. Nun aber ist der DRV offensichtlich gerettet, nicht zuletzt durch Zeigers Eingreifen. Der Hesse gewährte dem Verband zusammen mit einigen anderen solventen Partnern, zum Beispiel dem Eppelheimer Unternehmer Hans-Peter Wild („Capri-Sonne“), einen Kredit von etwa 230.000 Euro. Das war die Voraussetzung dafür, um vom Bundesinnenministerium (BMI) wieder unterstützt zu werden. Das BMI hatte den mit angeblich 200.000 Euro verschuldeten DRV zuletzt nicht mehr als förderungswürdig erachtet.

          „Wir gehen davon aus, dass alles in trockenen Tüchern ist“

          Die erforderlichen Unterlagen, geprüft vom Deutschen Olympischen Sportbund, wurden inzwischen beim BMI eingereicht. Zwar hat das Ministerium noch nicht über den frischen Geldfluss entschieden, doch ist der DRV zuversichtlich, durch den Liquiditäts-Nachweis auch wieder öffentliche Mittel zu erhalten. „Wir gehen davon aus, dass jetzt alles in trockenen Tüchern ist“, sagte DRV-Geschäftsführer Volker Himmer am Mittwoch. Den Zuschuss für 2010 - er hätte 126 000 Euro betragen - muss der DRV allerdings abschreiben.

          Dieser Haushalt sei schließlich abgeschlossen, sagt Himmer, „darüber wird nicht mehr diskutiert“. Die Summe für 2011 ist angeblich noch offen, da auch noch darüber zu befinden sein wird, wie der DRV durch die Aufnahme von Rugby in das olympische Programm alimentiert werden kann. Obwohl die Lage sich jetzt ein bisschen entspannt hat und der DRV, so Himmer, wieder handlungsfähig sei, spricht der Geschäftsführer auch von „zwei verlorenen Jahren“. Und von einer massiven Belastung durch den herben finanziellen Verlust von 2010. „Das können wir nicht so einfach ausgleichen.“

          Eingeschränkter Spielraum

          Den größten Teil des aktuellen Rettungspaketes soll der in der Schweiz lebende Rugbyfan Wild übernommen haben. Er gehört laut „Wikipedia“ mit einem geschätzten Vermögen von 1,25 Milliarden Schweizer Franken zu den 300 reichsten Menschen in der Schweiz. Wild hatte vor einiger Zeit auch eine Rugby-Academy gegründet, um diesen Sport in Deutschland voranzubringen. Dass der DRV nun abhängig sei von Wild, mag Himmer jedoch nicht behaupten. „Es gibt keinen Vertrag, der uns vorschreibt, was wir machen müssen.“ Dafür aber Zahlen, die den Spielraum weiterhin erheblich einschränken für das deutsche Rugby.

          Immerhin profitiert der DRV auch personell von Wilds Academy. Dort ist beispielsweise der Südafrikaner Kobus Potgieter beschäftigt, inzwischen Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Anfang November steht Potgieter in Frankfurt mit seinem Team vor einer reizvollen Aufgabe: Die Deutschen treten dann gegen eine neuseeländische Auswahl an. Vermutlich mit einigen neuen Kräften: Potgieter hat gerade mehrere Spieler in Frankreich ausfindig gemacht, die über deutsche Wurzeln verfügen. Aber so wenig der kommende deutsche Gegner mit den „All Blacks“ zu tun hat, so weit sind Potgieters „Franzosen“ natürlich von jenen Männern entfernt, die Frankreich am kommenden Sonntag im WM-Finale gegen Neuseeland vertreten werden. Das Ei fliegt in Deutschland eindeutig anders als etwa in Auckland, nicht nur sportlich. Der Funktionär Zeiger, Helfer in der Not, wird sich davon ein genaues Bild machen können.

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