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Rugby-Glosse : Die Sauerei des Häuptlings

  • -Aktualisiert am

Ohne Wirkung: Samoa Rugby-Spieler führen vor jedem Spiel den „Siva Tau“ auf - einen Kriegstanz wie Neuseelands „Haka“ Bild: picture alliance / dpa

Was für eine Schweinerei! Samoas Teammanager Tuala Matthew Vaea hielt die Rugby-WM für einen Urlaub - und betrank sich. Deswegen sollte er einhundert Schweine an sein Heimatdorf zahlen.

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          Rugby, so viel ist bekannt, ist ein knallharter Sport, aber es ist auch ein Sport für Gentlemen - die anderen, die Proleten, spielen ja Fußball. Tuala Matthew Vaea war das vermutlich kurzfristig entfallen, als er bei der Rugby-Weltmeisterschaft in Neuseeland die Nationalmannschaft von Samoa als Teammanager betreute.

          Mahonri Schwalger, der Kapitän des Teams, hatte ihn gleich nach Rückkehr von der WM bei Premierminister Sailele Tuila’epa Malielegaoi angezeigt. Der Teammanager, so musste der erboste Landesvater hören, habe die WM als Urlaub angesehen und sei fast ständig betrunken gewesen. Die Spieler hätten ihn nicht ernst genommen - und auch sonst niemand.

          Besonders peinlich: Während einer Pressekonferenz habe er durchgehend gelacht und eine Zeitung auf dem Kopf gelesen. Ja, Vaea hatte bei der WM offenbar eine lustige Zeit, aber nun folgte die Strafe auf dem Fuß. Wegen „fragwürdigen Verhaltens“ verurteilte ihn sein samoanisches Heimatdorf Leauva’a zur Zahlung von einhundert Schweinen.

          Wenn Vaeas Fehlverhalten dazu beigetragen haben sollte, dass Samoa bei der WM schon in der Vorrunde ausschied und sogar gegen Kanada verlor, hätte das die Dorfgemeinschaft vielleicht noch durchgehen lassen, nicht aber, dass er mit seinem Auftritt den Häuptlingstitel „Tuala“ beschmutzte, den man ihm vor der WM eigens verliehen hatte.

          Das empfanden die Dorfrichter denn doch als echte Schweinerei. Vaeas Verhalten habe massiv gegen alle Benimmregeln verstoßen, erklärte Dorfhäuptling Vaifale Iose, der bis dahin tadellose Ruf des Ehrentitels Tuala habe „in den Medien schlechte Publicity erhalten“. Aber mit der Strafe sei die Sache jetzt erledigt.

          Der Sünder hat Schwein

          Der Teammanager, so ließ der Dorfhäuptling wissen, habe sich öffentlich mit den Worten entschuldigt: „Samoa, wenn ich in meiner Pflicht geirrt habe, bitte vergib mir!“ Außerdem habe Vaea, ein ehemals verdienter Spieler, dem 1991 der entscheidende Kick zum legendären WM-Sieg Samoas über Wales gelungen war, die ausgesprochene Strafe umgehend und klaglos beglichen.

          Allerdings nicht, indem er eigenhändig hundert Schweine nach Leauva’a trieb, sondern ganz profan, indem er den Gegenwert von 2000 Dollar auf das Dorfkonto überwies. Der Rat von Leauva’a gab sich damit zufrieden, und die Ehre aller Tuala war wiederhergestellt. Schwein gehabt, möchte man sagen.

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