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Rugby-Förderer Hans-Peter Wild : „Es ist tiefstes Amateurtum“

Hans-Peter Wild (rechts) will sich nur noch in Frankreich engagieren. Bild: AFP

Der Milliardär Hans-Peter Wild hat viel Geld ins deutsche Rugby gesteckt. Doch nun hat er genug und stellt die Förderung ein. Im F.A.Z.-Interview spricht er über die Gründe und übt harsche Kritik.

          6 Min.

          Der Milliardär Hans-Peter Wild hat zwar nie Rugby gespielt, doch der 76 Jahre alte Unternehmer („Capri-Sun“) ist ein Liebhaber dieses Sports. Im vergangenen Jahr kaufte Wild den Pariser Traditionsklub Stade Francais, und auch das deutsche Rugby profitierte in hohem Maß von seinem Engagement. Doch nun wendet sich Wild, der in Zug in der Schweiz lebt, von Rugby-Deutschland ab – mit harscher Kritik.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Warum haben Sie in Deutschland eine Randsportart wie Rugby alimentiert und nicht in größerem Stil den Fußball, was Ihnen vermutlich wesentlich mehr Aufmerksamkeit und auch Rendite gebracht hätte?

          Was die Rendite betrifft, könnte ich ja den Dietmar (Hopp) fragen, wie es bei ihm in Hoffenheim aussieht. Ich glaube nicht, dass man diese Sachen aus Renditegesichtspunkten betrachten kann. Das Investment, das ich gemacht habe, etwas mehr als 20 Millionen Euro über zehn Jahre, ist natürlich gering im Vergleich zu dem, was im Fußball läuft. Die Frage ist: Warum unterstütze ich überhaupt Rugby? Seit 1823 ist das Ziel des Rugbysports, den Charakter der Sportler zu bilden, vor allem für junge Menschen in der Entwicklungsphase zwischen elf und 19 Jahren. Auf der Basis von Fairplay, Teamwork, Respekt, harter Arbeit. Darauf lege ich sehr großen Wert. Solche Werte werden im Rugby auch wirklich gelebt. Das hat eine lange Tradition. So etwas gibt es in anderen Sportarten in dieser Form nicht. Das sieht man auch bei den Rugbyspielern untereinander, das ist eine andere Community als Fußball-Community. Da gibt es zum Beispiel keine Hooligans, das ist ein anderes Umfeld. Das ist positiv, das gefällt mir.

          Sie haben also keinen großen Bezug zum Fußball?

          Doch, ich kenne mich gut aus. Ich unterstütze natürlich den ASV Eppelheim, dem haben wir gerade den Platz neu gebaut. Da haben sehr viele von unserer Firma gespielt.

          Sie könnten doch etwa den SV Sandhausen nach oben bringen.

          Das haben sie versucht, vor 20 Jahren. Aber ich habe mit denen nie was zu tun gehabt. Ich würde dem Dietmar auch keine Konkurrenz machen. Der macht genug für den Fußball in der Region, das ist super. Und 1899 Hoffenheim ist den anderen Bundesligaklubs um drei Jahre voraus in der Organisation. Die haben jetzt eine Sport-Software entwickelt, wo die gesamte Bandbreite dessen, was Spieler, Organisation oder Ticketing betrifft, abgebildet wird. Wir sind jetzt bei Stade Francais die ersten, die das auf das Rugby übertragen.

          Sie sind seit vergangenem Jahr Eigentümer von Stade Francais und seit langem der größte Rugby-Mäzen in Deutschland, nicht zuletzt mit der 2007 gegründeten Wild Rugby Academy (WRA), bei der Spieler und Trainer angestellt sind, die zumeist aus dem Ausland geholt wurden. Warum soll nun plötzlich Schluss damit sein?

          Die WRA wird aufgelöst, die wird liquidiert. Wir beenden unser Engagement. Wir kommen noch unseren Verpflichtungen nach, wir zahlen den Spielern großzügige Abfindungen. Das ist mir ein Bedürfnis, denn es sind alles ordentliche Kerle. Aber wir hören auf. Es macht keinen Sinn, und es macht keinen Spaß, das in Deutschland weiterzuentwickeln. Wir haben erreicht, was machbar war in diesem Umfeld, mehr konnten wir nicht machen. Wir hatten Fußballstadien für Rugby-Länderspiele gemietet und 50 000 Euro gezahlt, dass das Fernsehen überhaupt gekommen ist. Jedes Länderspiel hat uns 150 000 Euro gekostet. Und trotzdem haben wir es gemacht. Was wir jetzt noch ausgeben würden, wäre rausgeschmissenes Geld.

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