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Rudern : Neuer Schwung mit Schnabel?

  • -Aktualisiert am

Starkes Selbstbewußtsein: Der Deutschland-Achter 2004 Bild: dpa/dpaweb

Michael Ruhe ist ausgemustert, Enrico Schnabel übernimmt das Kommando: Mit einem neuen Schlagmann geht der Deutschland-Achter die Aufgabe an, bei den Olympischen Spielen eine Medaille zu gewinnen.

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          Im Herbst seiner Karriere hat Enrico Schnabel die wichtigste Position im Boot übernommen. Der dreißig Jahre alte Ruderer aus Dresden ist neuer Schlagmann des Deutschland-Achters. In der Olympiasaison soll er das Großboot wieder in ein ruhiges Fahrwasser bringen, auch wenn die olympischen Gewässer in Athen als schwieriges Terrain mit zuweilen hohem Wellengang gelten. Schnabel saß als einziger Athlet neben Steuermann Peter Thiede schon vor vier Jahren im Achter, als die Mannschaft in Luzern die Qualifikation für die Spiele in Sydney verpaßte. 1996 in Atlanta war er Ersatzmann gewesen.

          Auf Schlag traut er sich zu, "wieder Schwung in das Boot zu bekommen", das nach zwei erfolgreichen "Zwischenjahren" zuletzt bei den Weltmeisterschaften 2003 in Mailand nur Sechster geworden war. Er wolle seine Karriere "mit maximalem Erfolg beenden und auf jeden Fall eine Medaille erreichen, vielleicht sogar ein bißchen mehr als Silber", sagt er.

          Schnabel löst Michael Ruhe ab, der drei Jahre lang den Rhythmus vorgegeben hatte. Ruhe hat sich, wie Johannes Doberschütz, nicht für die neue Achter-Crew qualifiziert. Nach den Tests dieses Frühjahrs sah sich Bundestrainer Dieter Grahn zum Wechseln gezwungen und berief zwei Ruderer neu in die Crew: den 25 Jahre alten Klaus Rogge vom Miltenberger Ruderclub und Jan Martin Bröer aus Hameln, mit knapp 22 Jahren das jüngste Besatzungsmitglied. Der in den letzten Jahren erfolgreiche Vierer ohne Steuermann indes geht unverändert in die neue Saison.

          Alle auf dem Prüfstand

          Obwohl der Bundestrainer gern auf Kontinuität setzt und an Ruhe trotz dessen geringerer Körperkraft lange festgehalten hatte, mußte der Vierundzwanzigjährige das Boot verlassen. "Wir haben jeden einzelnen auf den Prüfstand gestellt, und ich konnte ihn nicht aus dem Findungsprozeß herausnehmen, nur weil er Schlag gefahren ist. Michael ist zur Zeit nicht erste Wahl, seine athletischen Werte reichen nicht aus", sagt Grahn. Beim Frühtest in Köln hatte Ruhe gemeinsam mit Johannes Doberschütz im Zweier ohne Steuermann im B-Finale den letzten - also insgesamt den zwölften - Platz belegt.

          Grahn will den Wechsel aber nicht als Schuldzuweisung in Richtung Michael Ruhe verstanden wissen. Der Schlagmann habe den Leistungseinbruch bei der WM in Mailand nicht zu verantworten. "An Michael lag es zuletzt. Der Rhythmus ist im Boot zerstört worden".

          Schnabel besitzt wenig Erfahrung am Schlag, dafür aber viel Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen; störende Kräfte will er gar nicht erst zur Entfaltung kommen lassen. "Ich lasse mich vielleicht nicht so leicht aus der Ruhe bringen, ich fahre meinen Stiefel runter", sagt Schnabel. Der Trainer bezeichnet ihn als "Machertyp, der nicht groß diskutiert". Im Vergleich zu seinem filigran, technisch anspruchsvoll rudernden Vorgänger wirkt der Dresdener robuster. Schnabel kündigt an, er werde einen "Rhythmus finden, dem sich die Mannschaft anpassen kann."

          Neues Boot mit VBerspätung

          Beim Training im italienischen Ort Sabaudia hat sich der gelernte Bademeister bei Regen und Wind - solches Wetter könnte auch in Athen herrschen - für die neue Aufgabe empfohlen. "Bei den relativ hohen Wellen war es nicht einfach", sagt Schnabel, "aber ich glaube, Dieter war mit meinem Rhythmus ganz zufrieden." Sollte der neue Schlagmann die Erwartungen nicht erfüllen, wäre Rogge, eines der beiden neuen Crewmitglieder, eine Alternative.

          Der Deutsche Ruderverband sieht sich nicht nur personell für die olympische Saison gerüstet. Einen Leistungsschub versprechen sich Trainer und Athleten auch von dem neuen Boot, das der Hersteller allerdings viel später als erwartet ausgeliefert hat. Die Jungfernfahrt findet beim Weltcup-Auftakt in der polnischen Stadt Poznan statt. Zwei Wochen später folgt die Premiere in Deutschland bei der Internationalen Wedau-Regatta in Duisburg. Bei diesen und weiteren Wettfahrten in München und Luzern hofft Schnabel die richtige Feinabstimmung zu finden, nicht nur für die neue Besatzung, sondern auch rein technisch. "Formel-1-Fahrer müssen auch ihr Auto erst abstimmen. Bei uns ist es so ähnlich wie mit einem Achtzylinder. Wenn er nicht richtig eingestellt ist, bringt er auch keine Leistung.

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