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Rudern : Der eigentliche Schlagmann Hacker

  • -Aktualisiert am

Zweiter von rechts, aber heimlicher Chef: Marcel Hacker bei der EM im Doppel-Vierer Bild: AP

Marcel Hacker fühlt sich im Großboot wohl - allerdings nimmt der etatmäßige Einer-Ruderer auch im Doppel-Vierer eine Sonderstellung ein. Davon sollen aber alle profitieren - auch wenn sie in Hackers Schatten rudern.

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          Marcel Hacker hatte noch einen Termin, ehe es mit dem Training los ging. Kurz darauf schlenderte er zum Steg am Maltasee, während die drei Kollegen vom Doppelvierer schon mal das Boot vorbereiteten. Es kommt häufiger vor, dass Hacker seine Mitstreiter alleine lassen muss, weil er etwas zu erledigen hat. Er, der langjährige Einer-Ruderer, ist eben gefragt, vor allem während der in dieser Woche stattfindenden Weltmeisterschaft in Posen.

          Es entsteht das Bild eines Stars und seiner drei Arbeiter Tim Bartels, Karsten Brodowski und Tim Grohmann. Das passt Hacker nicht, und es wird ihm auch nicht gerecht. Weder fühlt er sich den Kollegen überlegen, noch benimmt er sich so in der Gruppe. „Ich frage die Jungs immer, wenn ich ein Interview gebe“, sagt er. Früher hatte Hacker niemanden gefragt, noch nicht einmal seinen Trainer, aber das ist längst anders. Die Integration ins Mannschaftsboot ist gelungen, er ist zum Teamspieler geworden in diesem Jahr. Er ist beliebt in der Gruppe, fühlt sich wohl im Großboot und schließt sogar nicht mehr aus, seine Karriere im Doppelvierer zu beenden statt wie eigentlich geplant in den Einer zurückzukehren.

          Eine Mannschaft, nicht nur Hacker

          Die Position des Schlagmanns hat er nach dem Weltcup in München bereitwillig abgeben, an Bartels. Ganz vorne im Boot zu sitzen, die Geschwindigkeit, den Rhythmus zu bestimmen und damit die Führung zu übernehmen, „das hat mich überfordert“, gibt Hacker zu. Seit Mitte Juli, seit der Rotseeregatta in Luzern, sitzt er einen Platz dahinter, „das ist die Position, die ich kann“. Den Weltcup in Luzern hatte das Boot ebenso gewonnen (siehe: Rotsee-Regatta: Gefühle bremsen nach dem Triumph) wie den Vorlauf bei der WM und das Halbfinale am Freitag. Der Doppelvierer errang einen souveränen Start-Ziel-Sieg, erreichte damit als letztes von insgesamt zehn deutschen Booten in den olympischen Klassen das Finale und gilt nun im Endlauf an diesem Samstagvormittag als Medaillenfavorit. Cheftrainer Hartmut Buschbacher räumt Hacker und seinen Mitstreitern ebenso wie dem Achter gute Titelchancen ein.

          Teamfähig: Mittlerweile kann sich Einzelgänger Hacker ein Karriereende im Vierer vorstellen

          Sportlich hat sich der Doppelvierer gefunden, jetzt geht es darum, dass die gesamte Mannschaft wahrgenommen wird, nicht nur Hacker. Der 32 Jahre alte Magdeburger, der für die Frankfurter Germania startet, würde den Gefährten gerne etwas Aufmerksamkeit abtreten. „Ich sitze doch nicht alleine im Boot“, sagt er immer wieder. Aber in der Öffentlichkeit taucht fast nur Hacker auf. Bartels, Grohmann und Brodowski würden sich nie beschweren, verlieren darüber öffentlich kein Wort, denn sie wissen, dass dies die Harmonie im Boot stören und damit den Erfolg gefährden würde.

          Im Schatten Hackers

          Hacker ist lange genug dabei, um zu wissen, dass er ohnehin nichts daran ändern kann, dass es eben gewisse Mechanismen in diesem Geschäft gibt. Er versucht deshalb, Vorteile aus seiner Stellung auch für die Gruppe zu ziehen. „Wir können alle davon profitieren, nicht nur ich.“ Vielleicht, sagt er, ließe sich nun sogar ein Sponsor für das Boot finden. Immerhin ist der Doppelvierer in den vergangenen Monaten mehr ins Rampenlicht gerückt, und das liegt natürlich an Hacker.

          Bartels, Grohmann und Brodowski ergeht es wie den meisten Ruderern - sie sind nur gemeinsam stark. Je größer das Boot, desto weniger wird die Besetzung registriert, sondern mehr die Bootsklasse. Der Versuch der Personifizierung misslingt, die Namen, die hinter einem Erfolg stecken, scheinen zweitrangig, selbst beim Paradeboot, dem Deutschland-Achter. Selten ragt ein Einzelner heraus. Dem Briten Steven Redgrave ist das einst gelungen. Der mittlerweile zum Sir ernannte Ausnahmeruderer gewann zwischen 1984 und 2000 bei fünf aufeinander folgenden Olympischen Spielen jeweils die Goldmedaille im Mannschaftsboot und spielte zumindest am Ende seiner Karriere eine außergewöhnliche Rolle.

          Ein Tag im Glanz

          In Deutschland genoss bis vor einem Jahr Kathrin Boron im Doppelvierer eine ähnliche Sonderstellung. Aber die erfolgreichste deutsche Ruderin, die nach dem Bronzegewinn mit dem Doppelvierer bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 zurückgetreten ist, saß anders als Hacker fast ihre gesamte Karriere nicht allein Boot, nur zweimal wagte sie ein längeres Intermezzo im Einer und holte 1994 WM-Silber im Skiff.

          Sie bekam ihre vier olympischen Goldmedaillen und ihre acht WM-Titel im Team. Kathrin Boron war, sagen ein paar ehemalige Teamkolleginnen, nicht immer einfach im Umgang, aber eben eine Garantin für den Erfolg. Mit Gold dekoriert, würde es Bartels, Grohmann und Brodowski nicht nur leichter fallen, Hackers Stellung in der Öffentlichkeit zu akzeptieren, sondern sie würden zumindest für einen Tag auch ein wenig Glanz abbekommen. (siehe auch: Ruderer Hacker: „Ich brauche ein Team um mich herum“)

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