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Ruder-WM : „Mieses Rennen, mieser Tag“ für Marcel Hacker

  • Aktualisiert am

Trost für Marcel Hacker Bild: AP

Die Ruder-WM im eigenen Land endete für Marcel Hack mit einer Riesenenttäuschung. Der Weltmeister von 2002 kam im Einer nur auf Rang fünf. Nicole Zimmermann und Elke Hipler gewannen im Zweier ohne Steuerfrau Silber.

          Hoch gehandelt, tief gefallen - ausgerechnet beim finalen Angriff auf die Skiff-Krone verließen Marcel Hacker die Kräfte. Im Endlauf der Ruder-Titelkämpfe auf seiner Hausstrecke in München kam der 30 Jahre alte Weltmeister von 2002 am Samstag nicht über Rang fünf hinaus. Nach einem hochklassigen Rennen bestieg Titelverteidiger Mahe Drysdale (Neuseeland) den Einer-Thron. Silber und Bronze gingen an Ondrej Synek (Tschechien) und Olaf Tufte (Norwegen). „Ich habe Mist gebaut, dafür muss ich gerade stehen. Das war nicht meine normale Leistung, ich habe den Heimvorteil verspielt“, klagte Hacker. „Es war ein mieses Rennen und ein mieser Tag.“

          Anders als der enttäuschte Hacker konnten Elke Hipler und Nicole Zimmermann den Applaus der 12.000 Zuschauer auf dem Siegertreppchen genießen. Für den couragierten Auftritt wurde das Duo aus Hannover und Rostock mit Silber belohnt. Der Vorjahresdritte musste sich nur der Crew aus Weißrussland geschlagen geben, kam aber vor Rumänien ins Ziel. Beide Ruderinnen liebäugeln mit einer weiteren WM-Medaille. Sie gehen an diesem Sonntag im Achter erneut an den Start. Hipler glaubt, dass die Doppelstart-Strategie aufgeht: „Alle können sich sicher sein, dass wir noch einmal ein Ding raushauen. Es ist erstaunlich, wie schnell wir uns immer wieder erholen.“

          „Jetzt bin ich der Buhmann“

          Der starke Auftritt des Duos bewahrte den DRV vor einem Finaltag ohne Medaillen in den olympischen Klassen. Im Endlauf des Frauen- Doppelzweiers blieb für das deutsche Team nur Rang sechs. Der schwache Trost: Zumindest beim Kampf um die Olympia-Tickets blieben dem Verband weitere Rückschläge erspart. Zweier und Vierer ohne Steuermann sowie der Männer-Doppelzweier sicherten sich im B-Finale die Qualifikation für die Sommerspiele in Peking. Frauen-Einer und leichter Vierer ohne Steuermann waren zuvor in den Hoffnungsläufen auf der Strecke geblieben.

          Starker Auftritt: Nicole Zimmermann und Elke Hipler (vorne)

          Anders als bei seinen bisherigen drei WM-Auftritten fand Hacker im Finale nie seinen Rhythmus. Bereits an der 1000-Meter-Marke war die an diesem Tag übermächtige Konkurrenz enteilt. Das Ziel erreichte er über sieben Sekunden hinter Titelverteidiger Drysdale, den er noch im vorigen Jahr fast geschlagen hatte. Aus seiner Enttäuschung über den unerwarteten Leistungseinbruch machte Hacker auch Stunden später keinen Hehl: „Wenn ich Gold gewonnen hätte, wäre ich der Held gewesen, jetzt bin ich der Buhmann. Aber damit kann ich leben.“

          Abwärtstrend der deutschen Ruderer

          Auch die zwei Silbermedaillen durch den Vierer ohne Steuerfrau und den leichten Männer-Achter in den nicht-olympischen Bootsklassen konnten nicht über die dürftige Gesamtbilanz hinwegtrösten. Am letzten Tag der Titelkämpfe soll sie jedoch merklich aufgebessert werden. Vor allem ein Sieg im Achter könnte helfen, die lauter werdenden Diskussionen über den anhaltenden Abwärtstrend der deutschen Ruderer zu stoppen. Trotz des ernüchternden dritten Rangs im Halbfinale geht der Titelverteidiger mit Zuversicht in den Showdown um 15.30 Uhr. „Nach dem Halbfinale liegt der Druck bei den Anderen. Wir steigern uns von Rennen zu Rennen“, sagte Schlagmann Bernd Heidicker (Wanne-Eickel).

          Die Außenbahn direkt vor der 10.000 Zuschauer fassenden Tribüne soll Flügel verleihen. Dieter Grahn kann sich gut daran erinnern, welchen Einfluss solch eine Kulisse haben kann. Auf den Tag genau vor 35 Jahren gewann der Achter-Trainer mit dem ungesteuerten DDR-Vierer olympisches Gold an gleicher Stätte. „Vielleicht ist das ein gutes Omen. Das Team hat auf jeden Fall noch genug Luft nach oben“, sagte Grahn. Neben dem Achter werden beiden Doppelvierern und dem Frauen- Achter gute Chancen auf Edelmetall eingeräumt.

          Ruder-WM, Finalläufe:
          Männer:
          Olympische Klassen:
          Einer: 1. Mahe Drysdale (Neuseeland) 6:45,67 Min.; 2. Ondrej Synek (Tschechien) 6:46,48; 3. Olaf Tufte (Norwegen) 6:47,58; 4. Alan Campbell (Großbritannien) 6:49,21; 5. Marcel Hacker (Frankfurt/Main) 6:52,96; 6. Lassi Karonen (Schweden) 6:53,01
          Zweier ohne St.: 1. Australien 6:24,89 Min. (Drew Ginn, Duncan Free); 2. Neuseeland 6:30,19 (Nathan Twaddle, George Bridgewater); 3. Großbritannien 6:31,06 (Colin Smith, Matthew Langridge); 4. Frankreich 6:33,64 (Erwan Peron, Laurent Cadot); 5. Südafrika 6:35,57 (Ramon di Clemente, Donovan Cech); 6. Serbien 6:38,45 (Goran Jagar, Nikola Stojic); 9. Deutschland 6:36,32 (B-Finale) (Andreas Penkner/Radolfzell, Jochen Urban/Krefeld)
          Doppelzweier: 1. Slowenien 6:16,65 Min. (Luka Spik, Iztok Cop); 2. Frankreich 6:16,93 (Jean-Baptiste Macquet, Adrien Hardy); 3. Estland 6:18,32 (Tonu Endrekson, Jueri Jaanson); 4. Großbritannien 6:19,10 (Matthew Wells, Stephen Rowbotham); 5. Weißrussland 6:22,90 (Dsianis Mihal, Stanislaw Schtscharbatschenia); 6. Neuseeland 6:24,72 (Matthew Trott, Nathan Cohen); 10. Deutschland 6:22,71 (B-Finale) (Christian Schreiber/Halle, René Burmeister/Rostock)
          Vierer ohne St.: 1. Neuseeland 5:54,24 Min. (Carl Meyer, James Dallinger, Eric Murray, Hamish Bond); 2. Italien 5:55,15 (Carlo Mornati, Alessio Sartori, Niccolo Mornati, Lorenzo Carboncini); 3. Niederlande 5:55,49 (Geert Cirkel, Matthijs Vellenga, Jan-Willem Gabriels, Gijs Vermeulen); 4. Großbritannien 5:57,00; 5. Slowenien 5:59,05; 6. Frankreich 5:59,19; 9. Deutschland 6:00,67 (B-Finale) (Gregor Hauffe/Leverkusen, Toni Seifert/Leverkusen, Urs Käufer/Ulm, Philipp Adamski/Mannheim)

          Frauen:
          Olympische Klassen:
          Einer: 1. Jekaterina Karsten-Chodotowitsch (Weißrussland) 7:26,52 Min.; 2. Rumyana Neykowa (Bulgarien) 7:27,91; 3. Michelle Guerette (USA) 7:28,48; 4. Mirka Knapkova (Tschechien) 7:28,67; 5. Zhang Xiuyun (China) 7:33,37; 6. Emma Twigg (Neuseeland) 7:37,26; ...21. Susanne Schmidt (Berlin) 8:21,07 (D-Finale)
          Zweier ohne St.: 1. Weißrussland 7:06,56 Min. (Julia Bitschyk, Natalja Helach); 2. Deutschland 7:07,99 (Nicole Zimmermann/Rostock, Elke Hipler/Hannover); 3. Rumänien 7:08,87 (Georgeta Damian-Andrunache, Viorica Susanu); 4. Australien 7:10,85 (Kim Crow, Sarah Cook); 5. Neuseeland 7:12,49 (Juliette Haigh, Nicola Coles); 6. China 7:16,28 (Zhang Yage, Gao Yulan)
          Doppelzweier: 1. China 6:54,38 Min. (Li Qin, Tian Liang); 2. Neuseeland 6:57,72 (Georgina Evers-Swindell, Caroline Evers-Swindell); 3. Großbritannien 6:57,74 (Elise Laverick, Anna Bebington); 4. Rumänien 6:59,98 (Ioana Papuc, Simona Musat); 5. Tschechien 7:02,42 (Gabriela Varekova, Jitka Antosova); 6. Deutschland 7:04,73 (Peggy Waleska/Dresden, Christiane Huth/Potsdam)

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