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Ruder-WM in Linz : Zeidler im Einer und deutscher Achter gewinnen Gold

  • -Aktualisiert am

Oliver Zeidler während des Halbfinals bei der WM in Linz Bild: EPA

Erst vor drei Jahren wechselte Oliver Zeidler vom Schwimmen zum Rudern. Nun rudert der 23-Jährige im Einer überraschend zum WM-Titel. Auch der Deutschland-Achter darf sich über Gold freuen

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          Ein bei Siegerehrungen nicht ganz unwichtiges Utensil haben die Ruderer des Deutschland-Achters vergessen, deshalb gab es erst einmal nur Sieger-Fotos ohne Fahne. Ein paar Minuten später hätte noch ein anderer Athlet die Gelegenheit gehabt, Schwarz-Rot-Gold zur Schau zu stellen. Doch Oliver Zeidler nahm nach seinem Premieren-Titel bei Weltmeisterschaften zunächst lieber ein Bad, als für Fotos zu posieren. Innerhalb von einer halben Stunde hübschten die zwei prestigeträchtigsten Boote die Bilanz des Deutschen Ruderverbandes (DRV) in Ottensheim mit zwei Mal Gold am Sonntag auf.

          Einen Tag zuvor hatte der Leichtgewichts-Zweier mit Jason Osborne und Jonathan Rommelmann Silber gewonnen und „die Grubenlampe schon mal angeknipst“, sagte Bundestrainer Ralf Holtmeyer, ehe nach dem Triumph im Einer und Achter „das Licht im dunklen Keller wieder brennt“.

          Mit Blick auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio war die WM in Ottensheim auf jeden Fall „ein Fingerzeig, wohin es geht“, sagte Achter-Schlagmann Hannes Ocik. Mit dem dritten Sieg in Serie bei Weltmeisterschaften unterstrich die Crew die Ambitionen, 2020 mit Gold aus Japan heimzukehren – und ließ die einzige Niederlage seit den Sommerspielen in Rio de Janeiro vergessen. Beim Weltcup in Rotterdam im Juli hatten die Deutschen sich dem Boot aus Großbritannien geschlagen geben müssen, „ein Tiefpunkt“, wie Ocik zugab. Aber bei der Verarbeitung dieses Ergebnisses „hat die Mannschaft ihren wahren Charakter gezeigt“.

          Jubel an Bord des deutschen Achters, nachdem die Ruderer als erstes Boot die Ziellinie überquert haben
          Jubel an Bord des deutschen Achters, nachdem die Ruderer als erstes Boot die Ziellinie überquert haben : Bild: dpa

          Dass dieses Mal nicht Olympiasieger Großbritannien der erste Herausforderer im Kampf um Gold war, sondern die Niederlande auf der Außenbahn, hatte die Deutschen überrascht. „Am Ende hieß es: Kämpfen, kämpfen, kämpfen“, sagte Steuermann Martin Sauer, der ein paar hundert Meter vor dem Ziel, als die Konkurrenz aus dem Nachbarland noch immer nicht abgeschüttelt war, das vereinbarte Kommando zum Schlussspurt gegeben hatte. „Wir sind um unser Leben gerudert“, sagte Torben Johannesen, aber Sauer sah beim Finish an diesem Tag Defizite. „Ein paar Reserven haben wir noch“, sagte der 36 Jahre alte Berliner. Am Ende gewann der Deutschland-Achter mit einer halben Sekunde Vorsprung vor den Niederlanden, Großbritannien landete mit drei Sekunden Rückstand abgeschlagen auf Platz drei.

          Auf den letzten Metern

          Noch knapper war es bei Zeidler. Der 23 Jahre alte Oberbayer lag nach 500 Metern in Führung, ließ dann die Konkurrenz vorbeiziehen und zog mit einem Kraftakt auf den letzten Metern noch am Dänen Sverri Nielsen sowie dem lange führenden Norweger Kjetil Borch vorbei. Damit sicherte sich Zeidler den ersten Einer-Titel für den DRV seit Marcel Hacker im Jahr 2002. „Vor drei Jahren saß ich zum ersten Mal im Ruderboot und jetzt bin ich Weltmeister – das ist Wahnsinn“, fasste der ehemalige Schwimmer seinen steilen Aufstieg zusammen. Zuvor war er Schwimmer mit dem verpassten Traum von Olympia, der nun im Boot wahr werden dürfte.

          Derlei Erfolge ist man von deutschen Achtern, ausgenommen das Debakel von Peking 2008, als das A-Finale verpasst wurde, gewohnt. „So etwas gab es in der ganzen Achter-Historie noch nie“, sagte Richard Schmidt, der wie Sauer seit 2009 im Boot sitzt: „Wir waren immer vorne, immer Erster oder Zweiter.“ Sechs WM-Titel, einmal Olympiasieger, einmal Olympiazweiter – die stolze Bilanz, weiß der 32 Jahre alte Schmidt, schürt Erwartungen. „Der Mythos ist, dass der Deutschland-Achter vorne ist. Den haben wir uns über Jahrzehnte selbst aufgebaut.“ Wie es aussieht, können sie ihn sich noch eine Weile bewahren.

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