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Weltcup-Rennen in Luzern : Grandioser Endspurt von Skullerin Föster

Alexandra Föster auf dem Rotsee in Luzern. Bild: dpa

Die deutsche Bilanz ist gemischt beim Ruder-Weltcup. Der Deutschland-Achter erreicht den dritten Platz. Alexandra Föster verausgabt sich so, dass sie nicht an der Siegerehrung teilnehmen kann.

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          Als alles vorbei war, kamen die Sternchen. Die Skullerin Alexandra Föster war so ausgepowert, dass sie an der Siegerehrung nicht teilnehmen konnte. Sie hat etwas verpasst: Die 20 Jahre alte Athletin aus Meschede wäre für ihren Einer-Coup beim Weltcup-Rennen auf dem Luzerner Rotsee gefeiert worden. „Ich brauchte einen Moment, um körperlich wieder fit zu werden“, erklärte die Ruderin später. „Ich habe mich nicht geschont und alles gegeben.“ So, wie sich das für Ruderer gehört. Die Goldmedaille wurde nachgereicht.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          In einem grandiosen Endspurt, zu dem sie erst 250 Meter vor dem Ziel der 2000-Meter-Strecke ansetzte, kämpfte sie von Platz vier aus noch die überraschten Favoritinnen Tara Rigney aus Australien und Jeannine Gmelin aus der Schweiz nieder. Ihr Plan, sich im Halbfinale noch nicht ganz zu verausgaben, hatte funktioniert. Föster war in diesem Vorrennen noch Zweite hinter der Australierin Rigney geworden, was zum Einzug ins Finale aber reichte. „Ich konnte vielleicht die Körner sparen, die ich morgen noch brauche“, spekulierte sie am Samstag. Richtig eingeteilt.

          Wenig im Tank

          Fast die gesamte Ruderwelt hat sich nach Olympia in Tokio neu formiert. Auf dem Rotsee war am Wochenende Standortbestimmung angesagt. Für den im Vergleich zur olympischen Silber-Crew von Tokio auf sechs Positionen umbesetzten Deutschland-Achter fiel die Probe aufs Exempel gemischt aus: Der ebenfalls neu gebildete Achter aus England fuhr zwar weit voraus.

          Auch das australische Großboot konnten die Ruderer vom Dortmunder Leistungszentrum nicht knacken. Zumindest aber konnten sie diese Mannschaft lange unter Druck setzen, bevor sie sich entkräftet als Dritte ins Ziel retteten. Der Rückstand auf die Sieger betrug 5,34 Sekunden. „Am Ende hatten wir nicht mehr viel im Tank“, sagte Steuermann Jonas Wiesen. „Es ist aber gut, dass wir es auf das Podium geschafft haben.

          Weber überrascht

          Insgesamt lief es an diesem Wochenende aber nicht wie erhofft.“ Vor drei Wochen beim Weltcup-Auftakt in Posen hatten sie das allerdings schwächer besetzte Finale noch gewonnen. Es zeigt sich: Der Weg zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris ist für den jungen Deutschland-Achter um Schlagmann Matthes Schönherr (mit Wolf-Niclas Schröder, Torben Johannesen, Benedict Eggeling, Laurits Follert, Julian Garth, Jasper Angl und Olaf Roggensack) noch weit, die To-do-Liste lang.

          Im Männer-Einer wurde Marc Weber aus Marburg Dritter, allerdings fast zehn Sekunden hinter dem Sieger Graeme Thomas aus Großbritannien. Der 24 Jahre alte Weber, der bei den Olympischen Spielen noch im Doppelzweier gestartet war, war völlig überrascht. „Das hätte ich nie gedacht“, sagte er, „ich bin hier völlig blauäugig angetreten.“ Ein wenig haderte er mit seinem langsamen Start – dieser sei normalerweise seine Stärke.

          „Das hätte ich nie gedacht“, sagt Marc Weber nach seinem Rennen.
          „Das hätte ich nie gedacht“, sagt Marc Weber nach seinem Rennen. : Bild: dpa

          „Ich muss mein Rudern im Einer weiter verbessern“, erklärte er, „bin aber sehr zufrieden mit der Leistung von heute.“ Weber war für die deutsche Nummer eins, Weltmeister Oliver Zeidler, eingesprungen – dieser musste eine Erkältung auskurieren. Mit Blick auf die Europameisterschaften vom 11. bis 14. August in München-Oberschleißheim wolle man kein Risiko eingehen, erklärte Cheftrainerin Brigitte Bielig. Für die anderen war der Weltcup in Luzern auch letzter Härtetest vor der Heim-EM auf der Olympiastrecke von 1972.

          Sieben deutsche Boote hatten in den 14 olympischen Klassen die Luzerner Finalläufe erreicht, die Gesamtbilanz ist mit drei Podiumsplätzen eher ernüchternd. Zumindest Aufwärtstendenz zeigte der Vierer ohne Steuermann, der kleinere Ableger der Riemen-Gruppe in Dortmund. Für Tokio hatte sich in dieser Kategorie kein deutsches Boot qualifizieren können, für 2024 soll das anders werden.

          In Luzern erreichte das Quartett mit Schlagmann Marc Kammann (Hamburg), Max John (Rostock), Malte Großmann (Hamburg) und Theis Hagemeister (Dortmund) den vierten Platz. Der Doppelzweier der Frauen mit Frauke Hundeling (Hannover) und Pia Greiten (Osnabrück) landete auf Rang fünf genau wie der Frauen-Achter um die Schlagfrau Katja Fuhrmann (Dresden). Der Doppelvierer der Frauen, lange Jahre das Trumpfass der deutschen Ruderer, wurde Sechster. „Wir sind im Umbruch“, erklärte Brigitte Bielig, „und haben einen Großteil von U-23-Ruderern, die herangeführt werden müssen. Das ist ein bisschen langfristiger.“

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