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Ruder-Qualen für Olympia : Ein Umweg durch die „Hölle“

  • -Aktualisiert am

Das Boot der Träume: der Deutschland-Achter. Bild: dpa

Sie wollten Plätze im Deutschland-Achter ergattern, doch der Ruderverband hatte andere Pläne. Nun versuchen Nico Merget und Felix Brummel im Zweier ohne Steuermann nach Tokio zu kommen.

          2 Min.

          Der Deutschland-Achter gilt als Sehnsuchtsort vieler Leistungsruderer. Einen Rollsitz im Flaggschiff der nationalen Flotte zu ergattern verspricht neben hohem Prestige auch beste Erfolgsaussichten. Von 2017 bis 2019 hat das Großboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) alle Europa- und Weltmeistertitel abgeräumt. In diesem Sommer soll die Revanche für die Niederlage gegen die Briten bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro gelingen.

          Nico Merget hat sich mit voller Kraft ins Zeug gelegt, um aus dem Kader der Kandidaten heraus, die zusammen in Dortmund trainieren, endlich den Sprung in die Mannschaft zu schaffen, die schon für Tokio qualifiziert ist. Gemeinsam mit seinem Zweier-Partner Felix Brummel entschied der 26-Jährige von der Frankfurter RG Germania den ersten wichtigen Langstreckentest Anfang Dezember in Dortmund deutlich für sich.

          Während der langen Trainingsphase danach trotzten die Freunde gesundheitsbedingten Widrigkeiten: Merget bereitete der Rücken Probleme, der Münsteraner Brummel hatte sich verausgabt, so dass das Duo im Trainingslager in Sabaudia eine fünftägige Pause einlegen musste. Bei den entscheidenden Prüfungen griffen die beiden wieder an und schafften es nach ordentlichem Ergometer-Ergebnis im letzten internen Wettkampf in Portugal auf den dritten Platz. Das schürte die Hoffnung auf eine gute Nachricht in der Runde, in der die Besetzungen für die DRV-Boote verkündet wurden. Oft empfehlen sich die besten vier Zweier für den Achter. Doch es gab einen herben Schlag.

          Während die Verantwortlichen nur einen Platz im Erfolgsschiff neu vergaben, sollen Merget und Brummel dafür sorgen, dass der DRV in Asien auch mit einem Zweier ohne Steuermann vertreten ist. Denn der hat wie der Vierer, in dem die beiden 2019 saßen, das Olympiaticket noch nicht gebucht. „Man hat uns gesagt, dass man uns am ehesten zutraut, das zu schaffen“, gibt Merget die Erklärung wieder, die die beiden im Trainingslager in Montemor-o-Velho bekamen. Doch der Schock über die verpasste Chance im Achter sitzt tief.

          Haben auch schon im Vierer gekämpft: Felix Brummel (l.) und Nico Merget (r.), hier gemeinsam mit Felix Wimberger und Maximilian Planer auf dem Rotsee.
          Haben auch schon im Vierer gekämpft: Felix Brummel (l.) und Nico Merget (r.), hier gemeinsam mit Felix Wimberger und Maximilian Planer auf dem Rotsee. : Bild: AP

          „Mein Handy ist explodiert“, als sich die Nachricht verbreitete, sagt Merget. Unter anderem meldete sich Stephan Bub, der Vorsitzende der Germania, aus den Vereinigten Staaten und sagte jegliche Unterstützung für den harten Weg zu, den die Europameisterschaftsdritten nun vor sich haben. Statt schon mal zu überlegen, was in den Koffer für Tokio passt, richtet sich der Blick jetzt erst mal auf zwei andere Rennen. Eigentlich sollte Anfang März in Gavirate (Italien) in der nationalen Ausscheidung ermittelt werden, welcher Zweier den DRV bei der Olympiaqualifikation vertritt. Wegen des Coronavirus hat der Verband das Trainingslager aber nun räumlich nach Lago Azul in Portugal und zeitlich einige Tage nach hinten verlegt. Vor diesem Start hat Merget keine Angst, aber er bedeutet eine zusätzliche Anstrengung – auch für die Nerven.

          Vor dem Weltcup von Luzern trifft der auserwählte deutsche Zweier dann im Mai auf Boote aus aller Welt, die sich für die beiden einzigen noch zu vergebenden Startplätze bei den Spielen bewerben. „Das ist die Hölle“, prognostiziert Merget. Man könne die Gegner nur sehr schwer einschätzen. Viele kleinere Länder, die nicht viele starke Ruderer haben, schicken ihre besten zwei in die Regatta.

          Aber auch größere Ruder-Nationen könnten ihre besten Riemen-Sportler auf den Zweier konzentrieren, anstatt es mit einem durchschnittlich gut besetzten Vierer auf dem sogenannten Göttersee zu versuchen. „Mental wird das eine der schwierigsten Regatten“, sagt der U-23-Weltmeister von 2015, der wie sein Partner intensiv mit Psychologen zusammenarbeitet. Sie haben, wie Familie und Freunde, in den vergangenen Tagen geholfen, dass die enttäuschten Sportler die Köpfe wieder frei bekommen. Ein zusätzlicher Trainer unterstützt sie darin, sich bestmöglich auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten. „Wir sind schnell und können das schaffen“, spricht Merget sich selbst Mut zu. Die Sehnsucht Achter aber will nicht weichen.

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