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Ruder-EM in Varese : Zeidler zeigt Stärke – der Achter schwächelt

Harter Job, kein Ertrag: Der Deutschland-Achter wird Vierter. Bild: Sportphoto by Laci Perenyi

Bei der ersten vorolympischen Standortbestimmung der deutschen Ruderer gibt es gegensätzliche Antworten auf die Dämpfer in den Vorrennen bei den Ruder-Europameisterschaften in Varese.

          2 Min.

          Der Einer ist standfest – der Achter wackelt. Das ergab die erste vorolympische Standortbestimmung der deutschen Ruderer. Weltmeister Oliver Zeidler lehnte sich nach seinem Zieleinlauf bei den Europameisterschaften in Varese fast schon entspannt zurück – er gewann den zweiten Europameistertitel seiner Karriere mit deutlichem Vorsprung.

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          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Die erfolgsverwöhnten deutschen Achter-Ruderer hingegen rangen um Fassung. Seit den Olympischen Spielen von Rio, wo Großbritannien das Gold holte, waren sie in Finalrennen ungeschlagen gewesen. Dreimal nacheinander wurde der Deutschland-Achter Weltmeister, achtmal nacheinander Europameister. Am Sonntag wurde er, obwohl zwischendurch mit einer Dreiviertellänge in Führung, auf dem letzten Streckenviertel gnadenlos niedergerungen. Die Athleten um Schlagmann Hanns Ocik verpassten als Vierte die Medaillenränge.

          Sowohl Zeidler als auch der Achter hatten in den Vorrennen am Freitag mächtige Dämpfer erhalten, doch sie reagierten unterschiedlich darauf. Auch im Vorrennen, wo es lediglich um die Bahnverteilung ging, hatte der Deutschland-Achter nur den vierten Platz belegt – mangels Stehvermögens im Endspurt. Erzrivale Großbritannien hingegen – stets stark in Olympiajahren – dominierte. Im Finale am Sonntag fuhren die Deutschen deshalb schon vom Start weg einen Vorsprung heraus, doch sie konnten diesen nicht bis ins Ziel halten.

          „Das Finale lief gut für mich“

          Bei 1500 von 2000 Metern übernahmen die Briten die Führung, Rumänien und die Niederlande zogen im Endspurt vorbei. Das unverhandelbare Ziel des Deutschland-Achters, der Olympiasieg, bleibt bestehen, aber der Weg nach Tokio wird noch härter als erwartet. „Das ist ernüchternd“, sagte Ocik. „Wir können uns aber nichts vorwerfen. Wir haben alle Mittel eingesetzt, die uns derzeit zur Verfügung stehen.“ Als weitere Tests stehen die Weltcups in Zagreb, Luzern und Sabaudia auf dem Programm.

          Oliver Zeidler im Einer konnte den Weckruf vom Vorlauf in energischen Vorschub umsetzen. Der 24 Jahre alte Ingolstädter kontrollierte das Rennen nahezu von Beginn an und holte sich den Titel souverän vor dem Dänen Sverri Nielsen und dem Polen Natan Wegrzycki-Szymczyk. „Das Finale lief gut für mich“, sagte er, blieb aber zurückhaltend. „Ich bin noch nicht ganz zufrieden mit meiner Leistung und muss weiter arbeiten.“ Am Freitag war Zeidler als Zweiter hinter dem Griechen Stefanos Ntouskos ins Ziel gekommen mit dem alarmierenden Rückstand von 14 Sekunden. Doch Zeidler, bei der EM im vergangenen Herbst in Posen enttäuschend Vierter, bewies Stärke, gewann seinen Hoffnungslauf und sein Halbfinale.

          EM-Zweiter wurden, wie bereits ein Jahr zuvor, Jonathan Rommelmann (Krefeld) und Jason Osborne (Mainz) im Leichtgewichts-Doppelzweier hinter Irland. Osborne ist neben dem Rudern auch im Radsport erfolgreich. Im Dezember wurde er Weltmeister im virtuellen Radrennen. Nach den Olympischen Spielen will er endgültig Radprofi werden. Eine Bronzemedaille gewann der deutsche Doppelvierer der Frauen.

          Die EM lief unter einem strikten Anti-Corona-Reglement ab. Bei der Siegerehrung mussten sich die Athleten die Medaillen selbst umhängen. Trotz aller Vorkehrungen gab es Zwischenfälle. Am Samstagabend vermeldete der Ruder-Weltverband drei positive Testergebnisse bei Mitgliedern der türkischen Mannschaft, obwohl sie bei der Einreise negative Tests auf Covid-19 vorgelegt hatten. Die drei Sportler, die keine Symptome aufwiesen, wurden in einem Hotel unter Quarantäne gestellt.

          17 weitere Mitglieder wurden negativ getestet, aber in einem anderen Hotel isoliert. Die Mannschaften waren gehalten, lediglich beim Rudern und Essen ihre Masken abzunehmen und den Kontakt zu anderen Teams zu vermeiden. Eine Verwarnung gab es für den italienischen Achter. Diese Crew hatte ihr Boot schon am Sonntag vor der EM zum Regattaplatz gebracht, wo eine Olympiaqualifikation lief. Dabei hatten nicht alle Mitglieder Masken getragen.

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