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Golfer Rory McIlroy : Der Ringo Starr unter den „Fab Four“

  • -Aktualisiert am

Schlägt bei den British Open die große Stunde von Rory McIlory? Bild: AFP

Olympia, Donald Trump und Brexit: Golfprofi Rory McIlroy hat zu fast jedem Thema etwas zu sagen – und löst damit auch schon mal einen „Shitstorm“ aus. Auch sportlich läuft es nicht mehr optimal.

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          Rory McIlroy hat sich von dem Wirbel um seine Person nicht beeinflussen lassen. Am ersten Tag der 145. British Open im Royal Troon Golf Club spielte der 27 Jahre alte Nordire an einem Tag mit viel Sonne (17 Grad) und für diesen schottischen Küstenstreifen mäßigem Wind (15 bis 20 Kilometer in der Stunde) eine ordentliche Auftaktrunde von 69 Schlägen - und es hätte für den Profi aus Holywood, einem Vorort von Belfast, noch besser laufen können. Ein Doppelbogey am 13. Loch kostete ihn einen Platz in der Spitzengruppe, die von dem Amerikaner Phil Mickelson angeführt wurde, der mit 63 Schlägen einen neuen Platzrekord aufstellte.

          Für McIlroy geht es beim ältesten Golfturnier der Welt auch darum, seine unglücklichen Aussagen durch sportliche Glanzleistungen vergessen zu machen. Denn nach seiner Äußerung, wie belanglos für ihn das olympische Golfturnier sei, ist ein wahrer „Shitstorm“ über ihn hereingebrochen. Während alle britischen Zeitungen und fast alle internationalen Medien seine Einstellung heftig kritisierten, monierte Justin Rose, der zusammen mit dem Masters-Sieger Danny Willett in Rio de Janeiro für Großbritannien antritt, neben McIlroys „falschem Zungenschlag“ auch noch, dass der Kollege sich nicht dafür verantwortlich fühle, mit einer Olympia-Teilnahme zur Popularität des Sports beizutragen: „Es gibt eine Zeit, in der man etwas zurückgeben muss.“

          Man muss McIlroy zugute halten, dass er im Gegensatz zu vielen Kollegen, denen nur Platitüden zu entlocken sind, immer offen und ehrlich seine Meinung sagt - nicht nur zu sportlichen Themen. Am Tag nachdem sich eine knappe Mehrheit der Wahlberechtigten des Vereinigten Königreichs für einen Austritt aus der Europäischen Union entschieden hatte, twitterte der Nordire: „Mit dem Brexit und wie das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft läuft - können wir für 2016 einen Mulligan haben?“ Mit Mulligan bezeichnen Golfer die straflose Wiederholung eines missglückten Abschlags.

          Dass der 27 Jahre alte Profi im Gegensatz zu vielen amerikanischen Kollegen nicht zu den Unterstützern von Donald Trump gehört und er es lieber gesehen hätte, wenn die „Remain-Kampagne“ gesiegt hätte, hat ihm aber viel Sympathien eingebracht. Neben der Kritik an der Geringschätzung des olympischen Golfturniers hat McIlroy für viele Kommentatoren auch sportlich nicht seinen eigenen hohen Ansprüchen genügt. Ein Turnier hat der ehemalige Weltranglistenerste in diesem Jahr gewonnen, die Irish Open. Eine englische Boulevard-Zeitung verspottete ihn deshalb als Ringo Star der „Fab Four“, wie die großen vier des Golfs in Anlehnung an die Beatles in englischsprachigen Medien genannt werden.

          Wirbelt nicht nur Sand auf: Rory McIlroy sagt immer seine Meinung.
          Wirbelt nicht nur Sand auf: Rory McIlroy sagt immer seine Meinung. : Bild: dpa

          Jason Day (73 Schläge am ersten Tag), Dustin Johnson, Jordan Spieth (beide 71) und McIlroy führen die Weltrangliste in dieser Reihenfolge an. Doch die Nummer vier sei mittlerweile von den anderen drei in den Hintergrund gedrängt worden, so wie der Drummer der Beatles einst im Schatten von Lennon, McCartney und Harrison stand. Vor zwei Jahren gewann McIlroy innerhalb von acht Wochen die British Open, ein Turnier der World Golf Championship und dann noch die PGA Championship.

          McIlroy hatte mit 25 Jahren mit vier Major-Siegen damit so viele Großereignisse gewonnen wie vor ihm in so jungen Jahren nur Jack Nicklaus und Tiger Woods. Alles sah danach aus, als hätte Golf den wahren Nachfolger des Überfliegers Woods gefunden. Doch dann kam der Texaner Spieth, gewann das Masters, die US Open und schrammte knapp an Siegen bei den British Open und der PGA Championship vorbei - ein neuer Primus schien entdeckt, zumal McIlroy sich beim Fußball einen Bänderriss im linken Knöchel zugezogen hatte und wochenlang ausfiel.

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          Aber auch die Herrschaft von Spieth währte nicht lange. Der Australier Jason Day übernahm mit einer Siegesserie die Spitzenposition. In den letzten Wochen meldete der Amerikaner Johnson mit seinen Siegen bei den US Open und der WGC Bridgestone Invitational seine Ansprüche an. Er sagte in Troon keck, dass er sich derzeit für den Besten der Welt halte.

          Paul McGinley, der siegreiche irische Ryder-Kapitän von 2014, sieht den Aufstieg der drei Konkurrenten als Motivationsschub für seinen Landsmann aus dem Norden der Insel. McIlroy habe mit vier Major-Siegen so viele Großereignisse gewonnen wie die drei Konkurrenten zusammen. „Deshalb ist er immer noch der Führende“, behauptet McGinley. In Troon fühlt sich McIlroy ein wenig als Titelverteidiger, weil er im Vorjahr wegen seiner Verletzung bei der British Open nicht antreten konnte. Er hat daraus gelernt. Obwohl er in Troon ein Haus an einem Fußballplatz gemietet hat, verzichtet er auf Zweikämpfe.

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