https://www.faz.net/-gtl-af5lb

Rollstuhlbasketball : Bis es ordentlich kracht

  • -Aktualisiert am

Umgekippt: Aliaksandr Halouski im Spiel gegen die USA Bild: dpa

Rollstuhlbasketball ist eines der Paralympics-Spektakel: Die Spins der Athleten sind eindrucksvoll, die Richtungswechsel katzenhaft, balanciert wird auf einem Rad. Was kann man von dem Sport lernen?

          4 Min.

          Fußball ist ein behinderter Sport. Oder besser: Ein behindernder. Aktiv einen Ball von einem Ende eines Feldes zum anderen zu bringen, dafür gibt es bessere Varianten, als nur die Füße zu benutzen. Mit Armen und Händen käme man da rationaler und effizienter durch das Gegnerbollwerk.

          Doch der Arm- und Handgebrauch wird qua Reglement eingeschränkt. Zehn von elf Kickern bräuchten die oberen Gliedmaßen rein technisch gar nicht. Die paralympischen Team-Disziplinen sind da ähnlich. Die Regeln, die existieren, behindern körperliche Funktionen: Beim Goalball das Sehen, beim Sitzvolley- oder Rollstuhlbasketball die Beinarbeit.

          Rollstuhlbasketball wird dieser Tage vom wuchtigen Quaderbau der Ariake-Arena am ‚Ostwolkenkanal‘ Shinonome Unga beherbergt, wo Deutschlands „R-Baskets“ die USA im Fünf-versus-Fünf konfrontieren. Würde die Paarung bei den olympischen Basketballspielern angesetzt, wäre das dank NBA-Millionen- und Skill-Wahnsinn eine ziemlich sichere Wette gegen Schwarz-Rot-Gold. Doch die Rollstuhl-Korblegerwelt ist eine andere. Tatsächlich liegt die deutsche Delegation früh und komfortabel in Front.

          Es ist keine Dominanz, auch Kontrolle wäre zu viel gesagt, aber Selbstsicherheit trifft es schon. Als die erste Halbzeit zu Ende geht, sind es sechs Punkte Vorsprung. Zur Pause winken freundliche Grüppchen japanischer Erstklässler von der Tribüne. Auf der Gegentribüne geht es bei den Journalisten und Delegationen weit weniger geordnet zu. Aber insgesamt bleibt Platz, viel zu viel Platz. Das Spektakel auf dem Feld hätte so viel mehr ‚Aaahs‘ und ‚Oooh‘ verdient gehabt.

          Katzenhafte Richtungswechsel

          Die Spins der Athleten sind eindrucksvoll, quasi BMX-artig artistisch, die Richtungswechsel katzenhaft. Im dritten Viertel schnappt sich Center Aliaksandr Halouski in der Defense den Pass des Gegners, balanciert dabei auf einem Rad, spielt den Ball noch in dieser Schwebe weiter, fällt und rollt sich ab, wuchtet sich hoch und stürmt nach vorne. Derart energiegeladen würde der Sport eigentlich ganz gut ins olympische Actionsport-Verjüngungskonzept passen.

          Das Spiel entwickelt sich dennoch zum Defense-Game. „Unsere Verteidigung war ganz in Ordnung, die Amerikaner haben nicht viel getroffen“, sagt Center Halouski nach dem Match. Defense, das ist im Wortsinn knallharte Arbeit. Körperkontakt ist im R-Basket nicht erlaubt, Rollstuhlkontakt hingegen erwünscht. Es kracht allenthalben, die Rollwege der Gegner werden aktiv blockiert. Die Antizipation des gegnerischen Fahrwegs ist ein Schlüsselelement im Spiel. Ob Lewis Hamilton und Sebastian Vettel sich hier gut machen würden?

          Spiel drehen

          Auf der anderen Seite tut sich Matt Scott im stärker aufspielenden amerikanischen Team hervor. Zum letzten Viertel ist der deutsche Vorsprung schon auf zwei Punkte geschmolzen. In einer Szene stürmt Forward Scott zurück, um den deutschen Konter zu verhindern. Mit einem Kollegen keilt er den deutschen Angriff ein und hebelt ihn ganz wörtlich aus. Schon in der Gegenbewegung sieht Scott die freie Lücke zum Mitspieler im Drei-Meter-Raum: Schneller Pass, gezielter Wurf, zwei Punkte – und Führung. Die amerikanischen Guys drehen das Spiel.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Querdenker demonstrieren gegen Wissenschaftler und Politiker

          Die Wissenschaft in Krisen : Forscher unter Beschuss

          Für Krisen wie die Corona-Pandemie und den Klimawandel braucht es Fachleute, die ihr Wissen teilen. Doch die werden immer heftiger angegriffen und ziehen sich zurück. Damit ist keinem geholfen.
          Mann mit Mission: Kolumnist Reinhardt bei der Probe

          Wir kosten bei Aldi und Lidl : Wie gut sind Weine vom Discounter?

          Kann der was? Unser Weinkolumnist hat 35 Weine von Aldi und Lidl in der Preisspanne von 1,99 bis 14,99 Euro verkostet – und die ein oder andere Überraschung erlebt. Hier sein Befund.

          Tödlicher Schuss am Set : Regieassistent räumt Fehler ein

          Die Hinweise zu Verstößen gegen Waffenregeln bei den Dreharbeiten zu „Rust“ haben sich bestätigt. Und Nicolas Cage hat schon mal wütend ein Set verlassen – weil die Waffenmeisterin, die auch bei „Rust“ arbeitete, Fehlzündungen nicht verhindert hatte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.