https://www.faz.net/-gtl-z45m

Roland Garros : Mayer - gereifte Spitzenkraft

Erst Mühe, dann sicher: Florian Mayer steht in Paris in der zweiten Runde Bild: dapd

Florian Mayer bestätigt auch bei den French Open seine Stellung als Deutschlands bester Tennisprofi und sagt hinterher: „Ich traue mir fast jeden zu.“ Philipp Kohlschreiber scheidet dagegen aus.

          3 Min.

          Ja klar, sagte Florian Mayer, dieses Match sei hart gewesen, und er hätte es auch verlieren können. Dass der derzeit beste deutsche Tennisspieler so einen Satz leicht dahersagte und dabei lächelte, vor allem aber, dass er sein Erstrundenspiel bei den French Open trotz großer Schwankungen am Dienstag eben doch gewann, das zeugt von Mayers neuer Lockerheit.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Früher war er ein grüblerischer, bisweilen unsicherer Typ; jetzt, als Siebenundzwanzigjähriger ist er nicht nur zum Profi aus Überzeugung gereift, sondern auch zur Spitzenkraft: Vergangene Woche beim World Team Cup gewann er jedes Match und führte die deutsche Auswahl zum fünften Titelgewinn von Düsseldorf. „Es ist keine leichte Situation, jetzt der Gejagte zu sein“, sagte der Neunzehnte der Weltrangliste. Er ist in Paris als einziger deutscher Mann gesetzt - und er bestätigte seine herausgehobene Stellung durch einen 6:3, 4:6, 6:4 und 6:3-Erfolg gegen den Russen Igor Kunizyn. In der zweiten Runde trifft Mayer auf Alejandro Falla, einen Qualifikanten aus Kolumbien. Komme, wer wolle: „Ich traue mir im Moment fast jeden zu.“

          Am zarten Frühlingserwachen, das neben den erfolgreichen Damen auch die deutschen Mannschaftsweltmeister ein wenig erfasst hat, konnte sich Philipp Kohlschreiber nicht beteiligen: Die Ratlosigkeit des Augsburgers, schon beim World Team Cup wenig überzeugend, mündete nach einem 6:3, 1:6, 2:6 und 4:6 gegen den Amerikaner Sam Querrey in dem Satz: „Ich will, aber es will nicht so, wie ich will.“

          Feierabend: Philipp Kohlschreiber

          Becker verletzt

          Ihre Koffer packen mussten auch Rainer Schüttler und Andreas Beck, während Benjamin Becker seine Sachen erste gar nicht auspacken konnte: Der 29-jährige Mettlacher musste auf sein Erstrundenmatch gegen den Schweden Robin Söderling wegen einer Ellbogenverletzung verzichten. Somit bleiben neben Mayer noch drei weitere deutsche Herren im Rennen: Philipp Petzschner, Tobias Kamke und Michael Berrer.

          Außer dem ratlosen Kohlschreiber bewiesen jene Spieler, die sich seit vergangenem Samstag Mannschaftsweltmeister nennen dürfen, dass sie nicht nur gemeinsam stark sind. Müde waren die frischgebackenen Rekordtitelträger am frühen Sonntagmorgen in Paris angekommen, obwohl sie in Düsseldorf auf eine Party verzichtet hatten. Auf der fünfstündigen Autobahn-Sause gab's nur Brause: Gegönnt habe man sich eine Dose Cola, sagte Petzschner: „Dafür können wir demnächst hoffentlich in Stuttgart einen Davis-Cup-Sieg gegen Frankreich feiern.“

          „Es spielt sich anders, wenn man gesetzt ist“

          Der 27 Jahre alte Petzschner hatte sich am Montag ausgeschlafen gezeigt, so dass er mit einem Dreisatzsieg gegen den Hamburger Mischa Zverev locker in die zweite Runde gegen den Belgier Steve Darcis einzog. Der gleichaltrige Florian Mayer hatte sich zwar eine Nacht länger erholen können, aber gegen den 75. der Weltrangliste auch mehr zu kämpfen. „Es war ein richtiger Härtetest“, sagte der Bayreuther, nachdem er seinen ersten French-Open-Auftritt seit vier Jahren auf überraschend positive Weise beendet hatte - mit einem As.

          In den vorangegangenen drei Stunden hatten sich Mayer und sein russischer Gegner oft vergeblich bemüht, ihr Service zu halten. Am Ende kam dem Deutschen zugute, dass ihm acht Breaks gelungen waren und er nur fünfmal seinen Aufschlag hatte abgeben müssen. „Es spielt sich anders, wenn man gesetzt ist und Druck hat. Mit der neuen Situation muss ich erst mal umgehen lernen.“ Seine ersten Lektionen hat er mit dem Prädikat „magna cum laude“ bestanden.

          Endlich Genuss

          Dass Florian Mayer großes Potential besitzt, ist seit langem klar: 2004 erreichte er in Wimbledon das Viertelfinale, erklomm Position 33 in der Weltrangliste und wurde am Ende der Saison zum „Newcomer des Jahres“ gewählt. In den folgenden Jahren wurde der Bayreuther diesem Vorschusslorbeer aber selten gerecht. Seine Karriere geriet ins Schlingern, 2008 nutzte er eine Verletzung und nahm sich gleich für ein halbes Jahr eine Auszeit, um den Kopf freizubekommen. Danach lernte Mayer langsam, sich mit den vielfältigen Anforderungen seines Berufs anzufreunden, in dieser Saison weiß er sie sogar zu genießen. Sein Glück wäre vollkommen, würde er endlich seinen ersten Titel auf der Tour gewinnen: „Ich mache mir aber keinen Kopf mehr, sondern spiele einfach.“

          Vergangenen Monat stand er in München kurz vor seinem ersten Coup, verlor aber im Finale gegen den Russen Nikolai Dawidenko. Danach erreichte er beim Masters-Turnier von Rom das Viertelfinale, ehe er beim World Team Cup endgültig seinen Status als deutsche Nummer eins bestätigte. Der Bayer habe sich zum echten Führungsspieler gemausert, behauptete Petzschner in Paris, der auch das Zeug dazu hat: „Flo kann in der Weltspitze mithalten, ich traue ihm hier das Viertelfinale zu.“ Darauf angesprochen, reagierte Mayer wie neuerdings oft: mit einem Lächeln, das Selbstzufriedenheit und Zuversicht ausstrahlt.

          Weitere Themen

          Görges verliert Finale

          Tennis : Görges verliert Finale

          Julia Görges verpasst trotz aufsteigender Form die Wiederholung ihres Titelgewinns beim Damentennis-Turnier in Luxemburg. Im Endspiel unterliegt sie einer früheren French-Open-Siegerin.

          FC Bayern trifft auf Olympiakos Video-Seite öffnen

          Champions League : FC Bayern trifft auf Olympiakos

          Am dritten Spieltag müssen die Bayern nach Griechenland zu Olympiakos Piräus, dem Tabellen-Dritten in der Gruppe B. Trainer Niko Kovac warnte auf der letzten Pressekonferenz vor der Partie und vor dem Gegner.

          Topmeldungen

          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.