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Roger Federer : Tenniskönig ohne Land

Zum Verzweifeln: Roger Federer ist nicht stark genug für die Tennis-Weltelite Bild: AP

Im Kampf um Titel verliert Roger Federer weiter an Boden, seine Domänen fallen wie Dominosteine. Die Gründe für die große Verunsicherung des Schweizers erscheinen auch Fachleuten rätselhaft.

          Vor einigen Jahren, als die Tenniswelt über Schläge staunte, die sie nie zuvor gesehen hatte, versuchte sie, das schier Unbegreifliche in Worte zu fassen. Weil der Welt aber Vergleiche für diese besondere Spielkunst fehlten, erklärte sie das Beste, was Roger Federer zu bieten hat, zum Maß aller Dinge. So wurde der Begriff „Federer-Momente“ zu einem Markenzeichen des Schweizers, der mit unglaublicher Leichtigkeit und sensationeller Souveränität das Herrentennis dominierte. Der amerikanische Schriftsteller und Tennisfan David Foster Wallace sah in Federers Spiel sogar eine Aussöhnung des Menschen mit seinen körperlichen Beschränkungen. Das war 2006.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Drei Jahre später gibt es immer noch Federer-Momente, doch sind es jetzt andere Dinge, die haften bleiben: Tränen nach dem verlorenen Finale bei den Australian Open, die plötzliche Turnierabsage danach in Dubai, ein aus Ärger zertrümmerter Schläger in Miami, die Ankündigung seiner kommenden Vaterschaft, die Heirat mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Mirka Vavrinec. Was anno 2009 nicht mehr zu den Federer-Momenten zählt, sind Titel: Seit Oktober vorigen Jahres, als der Schweizer bei seinem Heimturnier in Basel obsiegte, hat er keine Trophäe mehr gewonnen. Die Welt munkelt von einer Art beruflicher Midlife-Crisis des Achtundzwanzigjährigen, der seine besten Tennisjahre hinter sich habe. Und wovon spricht Roger Federer? „Über Niederlagen komme ich schnell hinweg. Mein Ziel ist es, die French Open zu gewinnen.“ Die Innenwelt des Schweizers mag nicht recht zur Außenwelt passen.

          Roger Federer ist nicht mehr der Regent auf Rasen

          Bei seinen sechs Turnierteilnahmen in dieser Saison erreichte Federer nur einmal, beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres in Melbourne, ein Endspiel. Dort verlor er gegen Rafael Nadal; es war die fünfte Niederlage in Folge gegen den Spanier. Kaum besser ist die Bilanz des Weltranglistenzweiten gegen seine beiden Verfolger. Dem Serben Novak Djokovic unterlag er zuletzt zweimal in Folge, gegen den Schotten Andy Murray verlor er sechs der vergangenen sieben Duelle. Dass er unter den besten Vieren zurzeit der Schlechteste ist und in der Rangliste abzurutschen droht, scheint Federer nicht zu stören: „Mir ist egal, ob ich Zweiter, Dritter, Vierter oder Zehnter bin. Für mich gibt es entweder die Nummer eins oder sonst was.“

          Zurück zu alter Stärke: Roger Federer möchte sich in Paris beweisen

          Der Schweizer erscheint allmählich wie ein Tenniskönig ohne Land: Seine Domänen fallen wie Dominosteine. Er ist nicht mehr der Regent auf Rasen, seit Nadal seine fünfjährige Vorherrschaft in Wimbledon beendete; er ist nicht mehr Weltranglistenerster, seit der Spanier ihn nach 237 Wochen an der Spitze verdrängte; und auch auf Hartplätzen hat er nicht mehr die Herrschaftsgewalt, nachdem Nadal ihn in Melbourne entthronte. Federers Niederlagenserie gegen den Mallorquiner wurde zunächst als „Nadal-Komplex“ gedeutet, doch hat sich daraus eine größere Verunsicherung entwickelt: Murray und Djokovic konnte der Schweizer zuletzt selbst dann nicht besiegen, wenn er den ersten Satz gewonnen hatte. „Seine Leistungen reichen noch für 95 Prozent der Spieler - nur nicht für die letzten fünf Prozent“, sagt Paul Annacone, langjähriger Trainer von Pete Sampras.

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