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Roger Federer : Opfer des eigenen Erfolgs

  • -Aktualisiert am

Der König des Tennisplatzes: Seit 217 Wochen Nummer 1 Bild: AFP

Obwohl Roger Federer seit 217 Wochen die Branche der Tennisspieler anführt, wird er häufiger auf seine jüngste relative Erfolglosigkeit angesprochen. Beim Turnier in Miami erkannte der Schweizer: „Ich habe mit meinen Erfolgen ein Monster kreiert.“

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          Roger Federer lässt sich nicht anmerken, dass er lieber andere Fragen beantworten würde. Geduldig, freundlich und eloquent wie immer in vier Sprachen (inklusive Schweizerdeutsch) äußerte er sich vor wenigen Tagen zu allen Themen. Viele Fragen zielen - direkt oder indirekt - auf die jüngste relative Erfolglosigkeit des Mannes, der den Tennis-Thron seit nunmehr 217 Wochen stets besetzt. Obwohl er erstmals seit 2000 nach drei Monaten noch kein Turnier gewonnen hat, mag der Weltranglistenerste nicht in die allgemeine Panikmache einstimmen: „Die jüngsten Schlagzeilen haben mich sehr erstaunt. Ich war trotz gesundheitlicher Probleme im Halbfinale eines Grand Slams und eines Masters-Series-Turniers und bin in den Top 5 des Champions Race. Für viele Spieler wäre diese Bilanz ein Traum.“

          Roger Federer ist aber ein Opfer seines eigenen Erfolges. Da der Sechsundzwanzigjährige aus Basel die Szene seit 2004 mit schon fast grotesker Leichtigkeit dominiert hat, ist er in den Augen der Öffentlichkeit unfehlbar. Schon vor zwei Monaten bei den Australian Open hatte der vierfache „Weltsportler des Jahres“ erkannt: „Ich habe mit meinen Erfolgen ein Monster kreiert.“

          In sechs Wochen dreimal krank

          Natürlich war der Jahresanfang, gemessen an seinem Standard, enttäuschend. Durch die Niederlage in Melbourne gegen Novak Djokovic nach Lebensmittelvergiftung in der Vorbereitung verpasste Federer erstmals seit Paris 2005 ein Grand-Slam-Finale. In Dubai wurde ihm gleich der Weltranglistenelfte Andy Murray zugelost, und Federer litt, wie er erst Tage später sagte, an den Nachwehen von Pfeiffer'schem Drüsenfieber. In Kalifornien erwischte er gegen den wie entfesselt aufspielenden Amerikaner Mardy Fish keinen guten Tag und verlor im Halbfinale 3:6, 2:6. Seine Schlussbilanz in Indian Wells war aber positiv: „Ich bin wieder fit und habe drei Partien gewonnen, darauf kann ich aufbauen.“ Aber schon als die Diagnose des Pfeiffer'schen Drüsenfiebers endlich gestellt wurde, war es für ihn wieder aufwärtsgegangen: „Da wusste ich endlich, was los war. Es war doch sehr beunruhigend gewesen, als ich innert sechs Wochen dreimal krank wurde.“

          Der Schweizer sieht keinen Grund für Panik

          In Miami hat er nun unter Aufsicht von Fitness-Guru Pierre Paganini konditionelle Sonderschichten integriert, um den krankheitsbedingten Rückstand von rund zwanzig Tagen weiter zu reduzieren. „Ich muss wieder spritziger werden, aber es geht schon viel besser, und auch meine Pulswerte sind deutlich besser als noch in Dubai.“ Nach der Rückkehr in die Schweiz folgt eventuell noch eine medizinische Untersuchung.

          In der Weltrangliste bleibt Federers Position unangetastet

          Nachher geht es mit dem nahrhaften Hauptteil der Saison weiter. Federer beginnt die Sandsaison eine Woche früher als üblich im portugiesischen Estoril und absolviert dann bis Anfang September elf Turniere inklusive French Open, Wimbledon, Olympische Spiele und US Open. Er hat seine Planung dem heuer extrem gefüllte Kalender angepasst: „Natürlich war nun der Anfang nicht optimal. Aber ich habe schon seit fast einem Jahr geplant, dann in Bestform zu sein, wenn ein Höhepunkt den anderen jagt.“ Betreut wird Federer übrigens mindestens während der ganzen Sandsaison von seinem Freund Severin Lüthi, dem Schweizer Davis-Cup-Kapitän.

          In der Weltrangliste bleibt Federers Position vorerst unangetastet. Rafael Nadal kann in Miami den Rückstand im Optimalfall auf rund 400 Zähler reduzieren und anschließend bis Paris bestenfalls seinen Besitzstand wahren. Der bisher beste Spieler des Jahres, der Serbe Novak Djokovic, wurde durch die 6:7- (1:7), 6:3-, 4:6-Niederlage am Freitag gegen den Qualifikanten Kevin Anderson (Weltranglistenplatz 122) aus Südafrika zurückgeworfen, sein Rückstand auf Federer wird mindestens rund 1600 Punkte betragen.

          Der gewohnheitsmäßig an Nummer 1 gesetzte Schweizer wiederum hat alle bisherigen Aufgaben in Miami mit glatten Erfolgen gelöst. Nach den Zweisatz-Siegen gegen den Franzosen Gael Monfils (6:3, 6:4), den Schweden Robin Söderling (6:4, 3:0 Aufgabe) und den Argentinier Jose Acasuso (7:6, 6:2) trifft Federer am Donnerstag im Viertelfinale auf den an 6 gesetzten Amerikaner Andy Roddick. Mit seiner baldigen Wachablösung zu rechnen wäre in jeder Hinsicht ein Fehler.

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