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French Open ohne Federer : Wie Paris ohne Eiffelturm

  • -Aktualisiert am

Nichts geht ohne Geduld, schon gar nicht beim Tennis auf Sand. Novak Djokovic will seinen Paris-Start diesmal mit dem Titel vergolden. Bild: Reuters

Roger Federer verpasst sein erstes Grand-Slam-Turnier seit 1999. Und Novak Djokovic startet seinen zwölften Versuch, die French Open zu gewinnen.

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          Als er vor einer Woche in Rom bei der Siegerehrung in nahezu perfekt klingendem Italienisch loslegte, war ihm der Beifall gewiss. Die Leute mögen es überall, wenn sich einer die Mühe macht, ein paar Worte in ihrer Landessprache zu sagen, und es gibt kaum einen, der diese bunte Kleinigkeit am Rande so souverän beherrscht wie Novak Djokovic. Das fand auch Andy Murray, dessen italienischer Wortschatz mit „ciao“ beginnt und fast auch endet. Er werde nicht versuchen, mit Djokovic zu konkurrieren, versprach Murray bei dieser Gelegenheit, „mehr Sprachen als er spricht eh keiner auf der Tour“.

          Das spezielle Talent des Serben ist bekannt. Offen ist hingegen die Frage, wann er im Stade Roland Garros in Paris endlich eine französische Siegerrede halten wird. Der Titel bei den French Open ist - neben der olympischen Goldmedaille - der einzige, der in seiner imposanten Sammlung fehlt. Seit Jahren ist Djokovic der dominierende Spieler des Männertennis, in der Weltrangliste führt er mit gewaltigem Vorsprung, und in allen Statistiken, in denen er noch nicht an der Spitze steht, rückt er fast wöchentlich vor. In knapp vier Jahren gewann er insgesamt 33 Titel, darunter sechs bei den Grand-Slam-Turnieren in Melbourne, Wimbledon und New York und 17 bei der Serie der Masters 1000er.

          Verpasst sein erstes Grand-Slam-Turnier seit 1999: Roger Federer.
          Verpasst sein erstes Grand-Slam-Turnier seit 1999: Roger Federer. : Bild: AFP

          Die Zahl seiner Niederlagen im vergangenen Jahr ließ sich fast an einer Hand abzählen, es waren sechs. 2016 sind es bisher drei, aber manchmal geht es bei der Standortbestimmung am Ende eines Turniers nicht nur um die Zahlen, sondern um die Eindrücke entlang des Weges. Zum Beispiel kürzlich in Rom. Am Ende stand zwar die Niederlage im Finale gegen Murray, doch die hatte eine Menge mit dem Grad seiner Erschöpfung nach einem höchst anspruchsvollen Halbfinale gegen Kei Nishikori zu tun, das am Abend zuvor bis 23 Uhr gedauert hatte. Interessanter waren ohnehin die Erkenntnisse aus der Begegnung ein paar Tage zuvor beim Sieg in zwei Sätzen gegen Rafael Nadal. Der Spanier, dessen Form deutlich besser ist als vor einem Jahr, hatte in diversen Passagen gute Chancen gegen Djokovic, der nicht unverwundbar wirkte. Nun könnte man das einerseits so deuten, dass Nadal dem Serben wieder näher rückt. Aber wenn selbst der verringerte Abstand zwischen beiden und die bessere Form Nadals zumal auf Sand nicht ausreichen, Djokovic an einem nicht perfekten Tag zu besiegen - was dann?

          Djokovic sagt, die Niederlage gegen Murray - seine erste gegen den Schotten auf Sand -, ändere nichts an seiner Einschätzung, auf Paris bestens vorbereitet zu sein. „Natürlich weiß ich, dass die Leute zu gern rausfinden möchten, ob ich es hier in diesem Jahr schaffe. Aber es ist ja nicht das erste Mal, dass ich mit diesen Erwartungen und diesem Druck umgehen muss.“

          Ohne Federer: Eine merkwürdige Vorstellung

          Der Titel, den er vor ein paar Wochen in Madrid gewann, war der 64. seiner Karriere, womit er auf der Ebene von Pete Sampras und Björn Borg gelandet ist, noch drei Titel von Nadal entfernt, allerdings 24 von Roger Federer. Der Schweizer wird diesmal fehlen in Paris; er teilte am Tag vor der Auslosung mit, er fühle sich insgesamt nicht fit genug, ließ aber in seiner Erklärung offen, ob der lädierte Rücken das Problem sei oder etwas anderes.

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          Eine merkwürdige Vorstellung, nach unglaublichen 65 Auftritten ohne Unterbrechung das erste Grand-Slam-Turnier seit den US Open 1999 ohne Federer; fast so wie Paris ohne Eiffelturm. Ein Rückzug, der die Geschicke des Turniers verändern wird, denn Nadal rückte in der Setzliste einen Platz nach vorn auf Nummer vier, womit sicher ist, dass er bis zum Halbfinale vor Djokovic in Sicherheit sein wird.

          Federer hatte den ersehnten Titel in Paris seinerzeit 2009 im elften Versuch gewonnen, wie Andre Agassi anno 99. Für Djokovic beginnt in dieser Woche der zwölfte Versuch, nach drei Halbfinals und drei Endspielen in den vergangenen acht Jahren. Er sagt, Federer habe schließlich auch lange auf den Triumph in Paris warten müssen, und er habe gelernt, dass sich ohne Geduld nichts ausrichten lasse. Die Gruppe der Großen des Tennis, die nie mit dem Coupe des Mousquetaires im Arm bei der Siegerehrung standen, ist jedenfalls bemerkenswert gut besetzt; die Amerikaner Pete Sampras, Jimmy Connors und John McEnroe gehören dazu, auch Stefan Edberg und Boris Becker, Djokovics Coach.

          Der „andere“ Schweizer ist an Nummer drei gesetzt: Stan Wawrinka
          Der „andere“ Schweizer ist an Nummer drei gesetzt: Stan Wawrinka : Bild: dpa

          Und was ist von den neuesten Nachrichten aus der Schweiz zu halten? Nach eher mittelprächtigen Ergebnissen in den vergangenen Wochen erreichte Stan Wawrinka am vergangenen Wochenende das Finale des Turniers in Genf, das erste Finale seit seinem Titelgewinn Ende Februar in Dubai. Kann es sein, dass ausgerechnet jener Mann gerade rechtzeitig ins Spiel rutscht, der Djokovic im vergangenen Jahr in Paris Titel und Pokal bei einem grandiosen Auftritt weggeschnappt hatte?

          Sein Auftaktspiel an diesem Montag gewann der Schweizer nur mit Mühe in fünf Sätzen gegen den Tschechen Lukas Rosol (4:6, 6:1, 3:6, 6:3, 6:4). Die Spannung steigt, nur eines ist gewiss. Darauf angesprochen, wie die Hose aussehen werde, in der er diesmal in Paris erscheinen werde - alle Fans erinnern sich an das rotkarierte Modell des vergangenen Jahres -, hatte Wawrinka schon vor Wochen Entwarnung gegeben. Nichts Verrücktes diesmal; schade, irgendwie.

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