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Roger Federer in Wimbledon : Thronjubiläum für den Rasenkönig

Der letzte Kuss? Roger Federer beim Wimbledon-Sieg 2012 Bild: dapd

Diesem Anfang wohnte ein Zauber inne: Vor zehn Jahren gewann Roger Federer erstmals in Wimbledon. In diesem Jahr steht er an diesem Montag von 14 Uhr an aufs Neue unter Druck. Er kämpft um seinen Platz in der heutigen Tenniswelt.

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          Auf die Geburt dieses Champions war seit einiger Zeit gewartet worden. Jahrelang hatte die Tenniswelt getuschelt über den vielversprechenden Schweizer - spätestens, seit er im Sommer 2001 den Souverän Pete Sampras düpiert und aus dem Wimbledon-Turnier geworfen hatte. Weil aber das heiße Talent sein hitziges Temperament nicht immer im Griff hatte und bei großen Turnieren mehrmals kläglich gescheitert war, blieben Zweifel, ob dieser Spund wirklich das Zeug habe zum Großen, womöglich Größten seiner Branche. Würde er die Kurve bekommen? Oder müssten alle Lorbeerkränze, die ihm im Voraus geflochten worden waren, verkümmern und verwelken? „Vor zehn Jahren bin ich mit unglaublichem Druck nach Wimbledon gekommen“, sagte Roger Federer dieser Tage im Rückblick: „Obwohl ich im Jahr zuvor in der ersten Runde verloren hatte, musste ich beweisen, dass ich ein legitimer Titelanwärter bei Grand-Slam-Turnieren bin.“

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Nachmittag des 6. Juli 2003 sank der Einundzwanzigjährige auf den Rasen des Centre-Courts und begann zu weinen: nicht, weil er unter der Last der Erwartungen zusammengebrochen war, sondern weil er es geschafft hatte: Nach drei Jahren Anlauf als Tennisprofi, nach acht Turniersiegen war ihm der ganz große Durchbruch gelungen. Dass diesem Anfang ein Zauber innewohnte, darin waren sich alle Augenzeugen sofort einig. „Er hat die Tür aufgestoßen zu vielen, vielen anderen Major-Titeln - nicht nur in Wimbledon“, prophezeite Altmeister John McEnroe als Fernsehkommentator der BBC. Federer selbst betrachtete am Abend seines ersten Triumphs die große Tafel am Centre-Court, auf der alle Wimbledonsieger verewigt werden. Sein Name war der letzte, der dort geschrieben stand. So wie in diesen Tagen, wenn der Schweizer traditionell um 14 Uhr als Titelverteidiger das erste Spiel auf dem Centre Court bestreitet gegen den Rumänen Victor Hanescu (live in SkySport und F.A.Z.Liveticker)

          Allerdings wird der Saisonhöhepunkt für ihn zu einer Herausforderung, wie sie größer, heikler und schwieriger kaum vorstellbar ist. An diesem Montag startet Federer gegen den Rumänen Victor Hanescu, aber in der zweiten Turnierwoche kommt’s ganz dicke. Bei normalem Verlauf würde im Viertelfinale Rafael Nadal warten, weil der diesmal nur an Position fünf gesetzte Spanier in dieselbe Hälfte des Tableaus gelost wurde. Der Sieger träfe im Halbfinale wohl auf den Schotten Andy Murray, der im vergangenen Jahr in Wimbledon Olympiagold gewann. Im Endspiel wartet voraussichtlich der Weltranglistenerste Novak Djokovic. Das größte anzunehmende Lospech also für den Schweizer. „Ich gehe wieder mit Druck ins Turnier, weil ich meinen Titel verteidige“, sagte der Rasenkönig anlässlich seines Thronjubiläums: „Aber nun, zehn Jahre später, weiß ich, was ich zu tun habe, um erfolgreich aufzutreten.“

          Der erste Kuss: Roger Federer beim Premieren-Sieg 2003

          Im Allgemeinen geben Federer die Zahlen recht. Dem ersten Grand-Slam-Titel von Wimbledon hat er 16 weitere folgen lassen und damit so viele gewonnen wie kein Zweiter. 302 Wochen hat er an der Spitze der Weltrangliste gestanden, so lange wie keiner vor ihm. Und mit seinem 77. Turniersieg am vergangenen Wochenende in Halle hat er in der ewigen Bestenliste zu John McEnroe aufgeschlossen; nur Jimmy Connors (109) und Ivan Lendl (94) haben öfter einen Pokal in die Höhe gehalten.

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