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Roger Federer in Halle : Doppelte Erfolgsgeschichte

  • -Aktualisiert am

Ehre, wem Ehre gebührt: Federer eröffnet seine eigene Straße Bild: AFP

Der Starspieler und das Tennisturnier sind gemeinsam groß geworden. Kein Wunder, dass es in Halle nun eine Roger-Federer-Allee gibt. Im Finale an diesem Sonntag (13.15 Uhr) trifft der Schweizer auf Tommy Haas.

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          Wenn man so will, ist Roger Federer mit dem ATP-Turnier in Halle als Tennisspieler groß geworden, und die Veranstalter des einzigen Rasenturniers in Deutschland haben dem Superstar viel zu verdanken - was der Stadtrat mit dem einstimmigen Beschluss dokumentierte, die Weststraße, die vom Hotel zur Anlage führt, in Roger-Federer-Allee umzubenennen: eine Ehre, die ihm nicht mal seine Heimatstadt Basel bisher zuteil werden ließ.

          Halle und Federer verbindet eben eine lange, für beide Seiten lukrative Geschichte. Der Schweizer war gerade mal 18 Jahre alt, als er im Jahre 2000 erstmals in der ostwestfälischen Kleinstadt antrat. Der Jüngling, der schon damals als eines der größten Talente der Welt galt, verlor im Viertelfinale gegen den Amerikaner Michael Chang, ein Jahr später scheiterte der Schweizer an dem Australier Patrick Rafter, zwei Grand-Slam-Champions, die längst den wohlverdienten sportlichen Ruhestand genießen.

          Auch Nicolas Kiefer, den Federer 2003 bei seinem ersten von mittlerweile fünf Erfolgen in Halle im Finale schlug, war in diesem Jahr nur noch als Daumendrücker für seinen langjährigen Weggefährten in Halle mit von der Partie. Dieser erste Triumph Federers in der 22.000 Einwohner zählenden Stadt im Teutoburger Wald darf als Initialzündung für den ersten von mittlerweile sechs Triumphen in Wimbledon drei Wochen später gelten - eine Routine, die er in den folgenden Jahren noch einige Male wiederholte: erst der Sieg beim Aufgalopp in Halle, dann der Erfolg im Tennis-Mekka. Mit dem Hannoveraner Kiefer verbindet den Stilisten aus Basel noch eine andere interessante Fußnote: Kiefer ist der letzte deutsche Profi, der gegen den langjährigen Branchenprimus einen Sieg feierte.

          Federer auf dem Halle-Boden: Fünf Titel beim westfälischen Rasenturnier hat er schon gewonnen Bilderstrecke
          Federer auf dem Halle-Boden: Fünf Titel beim westfälischen Rasenturnier hat er schon gewonnen :

          Seitdem bissen sich insgesamt 49-Mal deutsche Spieler an dem Sieger von mittlerweile 16 Grand-Slam-Turnieren die Zähne aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass Federer an diesem Sonntag (Spielbeginn 13.15 Uhr, live im ZDF) im Finale der 20. Auflage des Turniers die Fünfzig gegen deutsche Konkurrenten komplett macht, darf zumindest statistisch als sehr hoch gelten: Sein Endspielgegner Tommy Haas, der das rein deutsche Halbfinalduell gegen Philipp Kohlschreiber 7:6 (7:5) und 7:5 gewann, bezwang Federer in zwölf Auseinandersetzungen zwar zweimal. Aber die Erfolge datieren aus den Jahren 2000 und 2002, also aus einer Zeit, in der Federer erst ganz am Anfang des Weges befand, der ihn zu dem bisher bei den vier Großereignissen eifrigsten Titelsammler machte.

          Nadal kommt in Halle nicht gut zurecht

          In Halle war die Erfolgsgeschichte des eleganten Stilisten in den letzten Jahren ins Stocken geraten: 2010 verlor er mit einer Satz- und einer 4:0-Führung im zweiten Durchgang im Rücken das Endspiel noch gegen Australier Lleyton Hewitt, allerdings war er damals von einer Beinverletzung leicht behindert. Im Vorjahr verzichtete er nach der Finalniederlage gegen den Spanier Rafael Nadal bei den French Open erschöpft auf die Dienstreise nach Halle, ebenso wie nach seinem Pariser Sieg 2009, jeweils sehr zur Enttäuschung der Organisatoren, die Federer mit einem lebenslangen, hochdotierten Vertrag an sich gebunden haben.

          In diesem Jahr reiste er nach seiner schwachen Vorstellung bei seiner Halbfinalniederlage gegen den Weltranglistenersten Novak Djokovic in Paris schon am Sonntagabend in Halle an, trainierte eifrig und bestand darauf, erst am Donnerstag zu seinem ersten Match anzutreten, vielleicht auch, weil die Veranstalter jetzt auch seinen Rivalen Nadal mit einem Dreijahresvertrag nach Halle lockten. Doch Nadal missglückte auch sein zweiter Auftritt auf westfälischem Rasen: 2005 hatte er als frisch gekürter French-Open-Champion gegen den Frankfurter Alexander Waske im ersten Match verloren, am Freitag fand er im Viertelfinale gegen den groß aufspielenden Kohlschreiber kein Mittel.

          Der 75. Turniersieg seiner Karriere steht an

          Dagegen überstand Federer am Freitagabend den ersten Härtetest in dieser Runde der letzten acht. Zum dritten Mal in diesem Jahr verlor er zwar gegen den kanadischen Gewaltaufschläger Milos Raonic den ersten Satz, aber zum zweiten Mal nach Madrid konnte er den 21 Jahre alten Shooting Star des vergangenen Jahres im Tiebreak des Entscheidungssatzes in die Knie zwingen. Am Samstag im Halbfinale setzte er mit spielerischer Leichtigkeit eine andere Serie fort: Auch im 13. Duell besiegte er den Russen Michael Juschni in einer Stunde 6:1 und 6:4. Er konnte sich dabei sogar den Luxus erlauben, beim Stand von 5:2 im zweiten Satz erstmals in diesem Turnier ein Aufschlagspiel abzugeben.

          Nach dem „Shootout“ (Federer) gegen Milos genoss Federer, wieder „anständiges Tennis“ zelebrieren zu können. „Ich spiele sehr gut, alle Automatismen sind auf Rasen da. Hier kann man mit den Bällen viel besser servieren als in Paris“, sagte Federer, für den nach vier Turniersiegen in diesem Jahr ein weiteres Jubiläum in Reichweite rückte: Der sechste Triumph in Halle wäre der 75. Turniersieg seiner glanzvollen Karriere. Dafür müsste er zunächst aber Tommy Haas, den mit 34 Jahren ältesten Spieler, der in Halle angetreten war. Einmal konnte der Wahlamerikaner das Rasenturnier schon gewinnen: 2009, als Federer durch Abwesenheit glänzte.

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