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Roger Federer im Gespräch : „Ich habe noch dieses Feuer“

Konzentriert wie eh und je: Roger Federer Bild: Reuters

Mit fast 34 Jahren denkt Tennisstar Roger Federer noch lange nicht ans Aufhören. Im Interview mit der F.A.Z. spricht der Schweizer über das Geheimnis seines Selbstvertrauens, die Ratschläge an seine vier Kinder und die Möwen von Monaco.

          Herr Federer, Ihre beiden jüngsten Zwillinge sind nun fast ein Jahr alt. Für wen ist die Reiserei von Turnier zu Turnier anstrengender - für die Eltern oder für die vier Kinder?

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für die Eltern. Durch das viele Gepäck ist man nicht mehr so flexibel, sondern wie eine Lawine unterwegs. Es ist zwar lustig, dass wir viele Leute sind und man sich in der Gruppe verstecken kann. Aber wir bereiten uns immer auf den schlechtesten Fall vor. Wie bei einem Tennisspiel, wenn wir zehn T-Shirts, drei Hosen, drei Paar Schuhe und extra Schuhbändel einpacken. Damit man genügend Kleidung hat auf dem Platz, wenn es viermal zu regnen beginnt, und damit man am Schluss nicht die verschwitzte Hose noch einmal anziehen muss. Das ist alles schon passiert.

          Gestresst wirken Sie aber nicht ...

          Ich finde es ein absolutes Privileg für Mirka und mich, so etwas als Eltern zu erleben. Wir selbst kennen es ja zur Genüge. Ich bin das erste Mal zu Turnieren gereist, als ich 13 Jahre alt war. Zwanzig Jahre später bin ich immer noch dabei, deshalb kann ich mich schon ein bisschen als Reiseexperten bezeichnen. Einem Kind zu zeigen, wie man sich auf Reisen zu verhalten hat, wie verschieden die Kulturen und Städte sind, wo man auf Autos besonders aufpassen muss, das ist eine unglaubliche Lebensschule.

          Es ist ja für mich selbst überraschend, dass ich so eine große Familie habe und trotzdem noch spiele. Als ich früher eine Vision von mir als Tennisspieler hatte, war ich immer allein unterwegs; vielleicht noch mit dem Coach, den Eltern, einer Freundin oder einer Frau. Aber eine Familie gehörte nicht dazu. Darum erlebe ich in den letzten sechs Jahren einen völlig anderen Abschnitt in meinem Leben und in meiner Karriere als in den ersten zehn Jahren.

          Bei seinen Fans steht der Schweizer immer noch hoch im Kurs

          Nach der Finalniederlage gegen Novak Djokovic in Indian Wells Mitte März hatten Sie auf das Masters-Turnier in Miami verzichtet und sich zwei Wochen Auszeit gegönnt. Wollten Sie Zeit mit der Familie verbringen?

          Die große Pause hatten wir nach den Australian Open, als wir zwei Wochen in den Ferien waren. Nach Indian Wells war es das Ziel, viel in der Schweiz zu trainieren, während die Familie Skifahren ging. Es war wichtig, mit meinem Konditionstrainer Pierre Paganini an meinem konditionellen Aufbau zu arbeiten. Ich brauchte die Pause nach Australien ebenso dringend wie zuletzt den Aufbaublock. Letztes Jahr habe ich sehr viele Turniere gespielt, auch durch den Davis Cup. Das war sehr gut für mein Spiel, aber irgendwann merkt man, dass man auch ein bisschen trainieren muss: sei es das Konditionelle auf dem Laufband oder sei es auf dem Tennisplatz eine halbe Stunde lang Vorhand cross zu spielen, um das Gefühl zu bekommen, was es heißt, richtig in den Ball hineinzudonnern.

          Wonach entscheiden Sie, ob Sie viel spielen wie im vergangenen Jahr oder sich Auszeiten nehmen wie in dieser Saison?

          Es kommt ja immer darauf an, wie erfolgreich man spielt. Spielt man nicht gut, sieht es nach wenig aus. Spielt man gut, steht einem schnell das Wasser bis zum Hals und man denkt: O Gott, das ist jetzt alles ein bisschen viel. Man spielt ja meistens am besten, wenn man viel Selbstvertrauen und Rhythmus hat. Es war ein wenig Risiko dabei, als ich nach den Australian Open zwei Wochen Ferien gemacht habe, und danach in Dubai und Indian Wells an zwei sehr stark besetzten Turnieren teilgenommen habe. Ich musste das Risiko eingehen, früh zu verlieren. Darum war ich überglücklich, dass es dort jeweils super gelaufen ist.

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