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„Rocky“-Darsteller Drew Sarich : 17.600 Schläge ins Gesicht

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411 „Final Fights“ und mehr als 800 Küsse: Rocky und Adrian (Wietske van Tongeren)
411 „Final Fights“ und mehr als 800 Küsse: Rocky und Adrian (Wietske van Tongeren) : Bild: obs

Er zog zurück nach Wien und bekam einen Personal Trainer an die Seite gestellt, der ihm ein Cross-Fit-Programm verordnete, ein Intensiv-Training, entwickelt für Polizei und Militär, knallhart, kein Mode-Schnickschnack. Eine Garage reicht dafür, Gewichte, Seile, ein Gestell für Klimmzüge. „Ich habe einen ziemlich gesunden Minderwertigkeitskomplex“, sagt Sarich. „Wenn ich das Gefühl bekomme, ich muss mich beweisen, dann stürze ich mich zu hundert Prozent in meine Aufgabe.“

Problem: Er nahm extrem ab während des Cross-Fit- und Boxtrainings, bis auf 79 Kilogramm, war plötzlich viel zu schlank. Sieht so ein Boxer aus? Im August begann die Vorbereitung in Hamburg. Zwei Stunden Boxtraining jeden Tag. Und Proben, Proben, Proben. „Es funktioniert nur, wenn der Kampf echt aussieht“, sagte Box-Weltmeister Wladimir Klitschko, der Ko-Produzent des Musicals ist. Der große Abschlusskampf, vor dem der Boxring in den Saal gefahren wird, ist der Höhepunkt. Das Publikum sitzt dann am Ring, nicht mehr vor einer Bühne. Wie soll alles echt aussehen auf diese kurze Entfernung?

Drew Sarich (links) und Terence Archie im Ring in Hamburg
Drew Sarich (links) und Terence Archie im Ring in Hamburg : Bild: dpa

Sarich und Terence Archie, der den Weltmeister spielt, probten wie die Wahnsinnigen. Tüftelten, änderten, verbesserten die Choreographie. Klar war: Wenn Rocky angreift, geht er zu 90 Prozent auf den Körper des Gegners, weil er buchstäblich von unten kommt, sein Gegner aber schlägt fast nur zum Kopf. Rund zehn Minuten dauert der Kampf. Die Frage war: Wie kriegen sie es hin, jeden Abend, ohne sich zu verletzen? Sie übten: Eins, zwei, drei: peng! „Wie fühlt es sich an?“, fragte Archie. „Damit kann ich leben“, sagte Sarich. Sie schlugen auf counts und „bescheuerte kleine Stichworte“, wie Sarich sagt.

Zum Beispiel die Passage, in der sie zählen und er auf drei, fünf und sechs getroffen wird, oder die Stelle, wo ihn Archie hochhebt und in der Luft zuschlägt, die nennen sie, weil es so nach Tennisaufschlag aussieht, „Steffi Graf“. Oder die drei harten Schläge in Folge - ba!-ba!-ba! -, das ist „Barbara“, benannt nach einer der Produzentinnen. „Wenn der Kampf beginnt“, sagt Sarich, „dann muss das Publikum vergessen, dass es im Theater ist, dann müssen wir es hinkriegen, dass erwachsene Männer aufstehen und „Rocky!“ schreien.“

Rocky mal zwei: Drew Sarich mit Sylvester Stallone
Rocky mal zwei: Drew Sarich mit Sylvester Stallone : Bild: Stage Entertainment/Morris Mac M

So studierten sie über Monate die Sequenzen ein und setzten sie zusammen wie ein Puzzle. Auch wenn die Boxhandschuhe weicher gepolstert sind als normal, ohne blaues Auge, aufgeplatzte Lippen, auch mal eine gebrochene Nase ging es nicht, auch später nicht während der Vorstellungen. „Es gibt immer mindestens einen Schlag, den ich bis in die Fußnägel spüre“, sagt Sarich. 44 Mal, er hat es gezählt, wird er pro Vorstellung ins Gesicht geschlagen, und nicht jeder Treffer lässt sich auspendeln, nicht jeder stoppt ein paar Millimeter vor dem Ziel. „Huhh!“ - das war noch so ein Code. Das hieß: Gut getroffen! Nicht: Hör auf, sondern: Gratuliere!

Für November 2012 war die Hamburger Premiere geplant, im Juli traf Sarich Superstar Stallone. Erst habe es sich angefühlt wie Business, sagt er. „Aber dann fielen die Wände, und er war ein Junge aus der Nachbarschaft. Er stand auf und sagte: ,Zeig mir, wie du stehst als Boxer!‘“ Sarich stand auf und gab sich Mühe, wie ein richtiger Boxer dazustehen, und Stallone sagte: „Falsch! Rocky steht so nicht, Rocky kann nicht boxen. Ich will, dass die Fäuste an den Knien sind, ich will, dass Rocky fünf Schläge nimmt für jeden, den er trifft. Ich will keine Jabs, ich will kein Rumgetanze. Ich will Rocky sehen, der um sein Leben kämpft.“

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