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Basketball in Würzburg : Benzing und der Angriff auf die Platzhirsche

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Ein Volltreffer: Robin Benzing. Bild: Imago

In drei Jahren wollen sich die Würzburger Basketballer mit Hilfe eines finanzstarken Hauptsponsors dauerhaft in der deutschen Spitze behaupten können. Dank Robin Benzing stehen sie jetzt schon oben.

          Es ist immer das Gleiche. Weil Robin Benzing in Würzburg sportlich den Unterschied macht. Wenn der Überraschungs-Tabellenführer der Basketball-Bundesliga auf dem Parkett auf Punkte angewiesen ist, geht der Ball schnurstracks zu Benzing. In der profitablen Punktefabrik der Unterfranken produziert der 2,08 Meter lange Power Forward wie am Fließband. Seine Statistik-Highlights in Serie: Topscorer mit 23 Punkten zum Liga-Auftakt gegen den Meister Bamberg, Topscorer (21) im Duell mit Jena und Topscorer (19) gegen Tübingen. Für Würzburg ist Benzing zum verlässlichen Volltreffer geworden.

          Im Aufeinandertreffen mit seinem ehemaligen Klub Bayern München war der Kapitän der Nationalmannschaft zwar „nur“ zweitbester Werfer seines Teams, das an den ersten fünf Spieltagen ungeschlagen geblieben ist. Aber mit 19 Punkten in der zweiten Spielhälfte – zwölf davon im Schlussviertel – wurde Benzing zum riesigen Schwungrad der beeindruckenden und erfolgreichen Würzburger Aufholjagd. Nach seiner Rückkehr im Sommer aus Spanien ist es für den Punktegaranten eine wahre Freude, im Vorwärtsgang mit Wucht, Kaltschnäuzigkeit und Präzision den gegnerischen Korb zu attackieren. Er habe „Robin mit 19 auch deshalb in die Nationalmannschaft geholt, weil er ein Winner durch und durch ist und ein Spiel auch im Alleingang entscheiden kann“, sagt der Würzburger Cheftrainer Dirk Bauermann über seinen wichtigsten Mann auf dem Feld.

          Wo Bauermann ist, ist auch der heute 28 Jahre alte Benzing. Die beiden hatten im Vereinsbasketball schon in München zusammengearbeitet. Aber Würzburg? Jener Klub, der in der Vorsaison noch zum kümmerlichen Feld der Abstiegskandidaten gehörte, der weit weg davon war, Glanz zu verbreiten und Spektakel zu bieten. Kein Wunder, dass die Verpflichtung von Benzing im September in der Basketballprovinz als Coup zelebriert worden war. „Normal ist das nicht“ – lauteten die besonderen Begrüßungsworte von Bauermann über den prominenten Neuankömmling. „Ich wäre auch ohne ihn gekommen“, sagt nun Benzing. „Das Projekt hat viel Potential, es ist interessant.“

          In drei Jahren wollen sich die Würzburger mit Unterstützung ihres finanzstarken Hauptsponsors dauerhaft in der deutschen Spitze gegen die Platzhirsche Bamberg und München behaupten können. Hohe Ziele, aber der aktuelle Frontmann Benzing, der im Besitz eines Dreijahresvertrags ist, hält sie für „definitiv realistisch“. Schon jetzt empfindet er die Teamchemie, von der er schwärmt, als einmalig. Die Kraft des Zusammenhalts, die Ausgeglichenheit des Kaders und der in vielen nationalen und internationalen Basketballschlachten erprobte Headcoach – Bauermann ist mit neun Meistertiteln der erfolgreichste Bundesliga-Trainer – sind nach Meinung von Benzing die wesentlichen Gründe dafür, dass Würzburg in seiner Erstliga-Geschichte zum ersten Mal auf Platz eins steht.

          Benzing hätte in Spanien bleiben oder in die Türkei wechseln können, doch „die Angebote waren dafür nicht gut genug“. Aus Deutschland erreichte ihn das „einzig richtig gescheite Angebot“ aus Würzburg. Der ambitionierte Klub schlug beim 127-maligen Nationalspieler zum richtigen Zeitpunkt zu. Benzing ist zurück: „In Spanien habe ich zu meinem Spiel zurückgefunden, es waren zwei sehr interessante Jahre“, sagt er. Der Deutsche bekam in Saragossa viel Spielzeit, trug Verantwortung, als er in der Crunchtime auf dem Feld stand, gewann neues Selbstvertrauen und an Flexibilität hinzu und lernte auch, seinen Körper „besser einzusetzen“. Benzing war wieder „aggressiv im Scoring“ und nicht nur ein „Rollenspieler, der von Ecke zu Ecke läuft“. Er sagt: „Ich habe das ganze Paket dazubekommen.“ In den vier Jahren bei den Bayern, mit denen er 2014 deutscher Meister wurde, hatte seine Einsatzzeit stetig abgenommen. „Bequem“ seien einige deutsche Spieler geworden, kritisierte damals der ehemalige Bayern-Trainer Svetislav Pesic.

          Auch Benzing musste sich angesprochen fühlen. Nur den bequemen Weg ging der gebürtige Hesse mit seinem Wechsel ins Ausland dann nicht, weil nach dem deutschen Titelanwärter der spanische Abstiegskandidat sein neuer Arbeitgeber wurde. Trotzdem biss sich Benzing, der von manchen als schlampiges Genie eingestuft wurde, schien er doch zu wenig aus seinen großen Möglichkeiten gemacht zu haben, in der Fremde durch. Er reifte als Profi und Persönlichkeit. Aktuell ist der bewegliche Benzing, der durch seinen schnellen ersten Schritt und die folgenden langen Schritte auf dem Weg zum Korb nur schwer zu stoppen ist, beim Spitzenreiter nicht nur der auffälligste Spieler im Angriff, dessen 17,6 Punkte pro Spiel Karrierebestwert bedeuten. Auch beim Verteidigen hat er sich verbessert, was der 59 Jahre alte Bauermann, der als Verteidigungsfanatiker gilt, zu schätzen weiß. Nicht zu vergessen die herausragende Freiwurfquote (38 von 39) von Benzing, der bisher sehr viele Fouls gezogen hat.

          Der lange Schlaks Benzing verkörpert für die aufstrebenden Würzburger, die am Samstag im Kräftemessen mit Braunschweig die erste Niederlage dieser Saison (71:73) kassierten, den Königsweg. Benzing erzielte 29 Punkte, dennoch verlor Würzburg die Tabellenführung an Alba Berlin. Mit ihrem Schützen vom Dienst, der zu den Top-3-Werfern der Liga zählt, wollen sie in dieser Saison die Play-offs erreichen. Als Gegner gewann Benzing nie ein Liga-Spiel in Würzburg. Aber als einer von ihnen ist er in Unterfranken zur Hochform aufgelaufen.

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