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Robert Harting : Niederlage auf hohem Niveau

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Serie gerissen: Robert Harting findet nach 35 Siegen in Folge seinen Meister Bild: dpa

Nach 35 Siegen ist die Serie gerissen. Diskuswerfer Robert Harting verliert bei „Segelwetter“. In Piotr Malachowski findet er seinen Meister. Den Rekord kann sich Harting in diesem Diskus-Leben wohl abschreiben.

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          Das Hochwasser ist schuld. Schuld daran, dass die Serie nun doch gerissen ist. Nach 35 Siegen. Denn normalerweise wäre Robert Harting seinem Geschäft mit der runden Scheibe am Freitag in Schönebeck nachgegangen. Und mit einiger Wahrscheinlichkeit hätte er dort Sieg Nummer 36 geholt.

          Aber weil der Werfertag in der Nähe von Magdeburg den gewaltigen Elbfluten zum Opfer fiel, musste der Diskus-Olympiasieger kurzerhand umdisponieren. Hengelo in den Niederlanden hieß das neue Reiseziel, und dort hat der 28 Jahre alte Berliner dann am Samstag tatsächlich seinen Meister gefunden.

          Nach fast drei makellosen Jahren inklusive EM-Titel, WM-Sieg und Olympia-Gold war dem 2,01 Meter großen Harting mal wieder einer voraus. Es war bezeichnenderweise Piotr Malachowski, jener Mann, der Harting bei den Europameisterschaften 2010 auch die vorerst letzte Niederlage zugefügt hatte.

          Der Pole schleuderte die zwei Kilo schwere Scheibe in Hengelo auf die bemerkenswerte Weite von 71,84 Meter - nur vier Kollegen haben in der Welt je weiter geworfen. Ein Hammer mit dem Diskus, auch wenn zum umstrittenen Weltrekord des Schweriners Jürgen Schult (74,08 Meter) aus dem Jahr 1986 noch ein gutes Stück fehlt.

          Harting: „Heute war fast Weltrekord-Wetter“

          Den Serienrekord, den immer noch der inzwischen 41 Jahre alte Litauer Virgilius Alekna mit 37 Siegen in Folge hält, kann Robert Harting in diesem Diskus-Leben wohl abschreiben. Und doch war der Olympiasieger aus Berlin auf gewisse Weise sogar erleichtert. Wenn Harting eines bedauerte, dann war es weniger das Ende seiner Serie, sondern dass er das nahezu ideale „Segelwetter“ in Holland nicht in die entsprechende Weite umsetzen konnte. Zumal er endlich die Ziffer „7“ vorn sehen wollte.

          Wobei die 69,91 Meter, mit denen er dann Zweiter wurde, persönliche Saisonbestleistung bedeuten und normalerweise locker zum Sieg gereicht hätten. „Aber heute war fast Weltrekord-Wetter“, sagte Harting: „Daher ist es schade, dass ich einen Wurf deutlich über 70 Meter nicht stehen konnte. Es ist aber keine Schande hinter so einer starken Leistung Zweiter zu werden.“ Und er hatte sogar ein Lob für seinen Bezwinger übrig: „Das freut mich sehr für Piotr, dieses Riesending.“

          „Ich bin wieder motiviert, richtig weit zu werfen“

          So eine Niederlage, zumal auf hohem Niveau - hat durchaus auch Vorteile. Eine Erfolgsserie kann schließlich, je länger sie dauert, zur Belastung werden, selbst wenn man sie Harting im Wettkampf nicht unbedingt anmerkte. Aber diese ewigen Fragen nach seiner Serie konnte der 28 Jahre alte Olympiasieger von London schon nicht mehr hören. Das sei jetzt ja „dankenswerterweise vorbei“. Und darüber sei er „auch ein bisschen froh“. Es ist ja auch gar nicht so schlecht, wenn man den Nimbus der Unbesiegbarkeit und damit die Favoritenbürde für die Leichtathletik-WM im August in Moskau einstweilen los ist.

          Die hat jetzt Malachowski, der dem Deutschen mit polnischem Landesrekord beim ersten 70-Meter-Wurf seiner Karriere erst mal ein gutes Stück voraus ist. Was Harting ganz genauso sieht - zumindest in der Öffentlichkeit. „Piotr ist natürlich haushoher Favorit für die WM“, sagte der Berliner, ohne dass es irgendwie resignierend geklungen hätte. Ganz im Gegenteil. Der Kampfgeist ist neu entflammt: „Ich bin auf jeden Fall wieder motiviert, richtig weit zu werfen.“ Hartings persönliche Bestweite steht seit vergangenem Jahr bei 70,66 Meter.

          „Ich bin diesem Wurf drei Jahre hinterhergejagt“

          Malachowski hat sich mit seinen 71,84 Metern in der ewigen Bestenliste nun auch vor den fünffachen Weltmeister Lars Riedel aus Chemnitz (71,50 Meter) geschoben und könnte nach Platz zwei bei der WM 2009 und Silber bei Olympia 2008 seine Karriere in Moskau vergolden. Aber er denkt erst mal nicht über den Tag hinaus - zumindest spricht er nicht über weitergehende Ambitionen. „Das ist natürlich eine Überraschung, aber im Training war ich schon nahe an den 70 Metern“, sagte der Pole, dessen Bestweite bislang bei 69,83 Meter stand.

          „Ich bin diesem Wurf jetzt drei Jahre hinterhergejagt, und wir hatten heute perfekte Bedingungen.“ Malachowski wird aber den Teufel tun und sich nun selbst zum großen Favoriten erklären. Dazu hat er schon zu viele leidvolle Erfahrungen mit Harting gesammelt. Besonders bei den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin. Da hatte sich der Pole ja auch schon als Weltmeister gefühlt. Im Finale hatte er vom ersten Versuch an geführt - allerdings nur bis zum letzten von Harting. Da schnappte ihm der Berliner mit 69,43 Meter noch den Titel weg und ließ das Olympiastadion erzittern. Malachowski ist also hinreichend gewarnt.

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