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Sportler des Jahres 2014 : Harting ist der richtige Mann

Robert Harting wird „Sportler des Jahres 2014“ – gut so! Bild: dpa

Ist Robert Hartings Wahl zum Sportler des Jahres wirklich ein „Armutszeugnis“, wie Maria Höfl-Riesch behauptet? Nein. Der Diskuswerfer ist ein Mann des Jahres, ganz sicher im Sport, vielleicht sogar darüber hinaus.

          Robert Harting wusste, was sich gehört. Eben zum dritten Mal in Serie zum „Sportler des Jahres“ gewählt, entschuldigte sich der Diskuswerfer bei den Wintersportlern, die er auf die Plätze zwei und drei verwiesen hatte. Waren Kombinierer Eric Frenzel und Rodler Felix Loch in Sotschi doch Olympiasieger geworden, Harting selbst jedoch „nur“ Europameister im Zürcher Letzigrund.

          Ist Hartings Wieder-Wahl also nicht der große Wurf der Journalisten, die aufgerufen sind, Deutschland beste Sportler zu küren? Sondern ein Fehlgriff, ein „Armutszeugnis“, wie die „Sportlerin des Jahres“, Maria Höfl-Riesch, behauptet?

          Nein. Harting ist ein Mann des Jahres, ganz sicher im Sport, vielleicht sogar darüber hinaus. Weil er es auf seine Art geschafft hat, auf die Probleme aufmerksam zu machen, mit denen die deutsche Sportelite zu kämpfen hat. Da ist die Sportlotterie, deren Gesicht der Mann aus Berlin ist, die demnächst, gegen viele Widerstände aus manchen Verbänden, Politik und den staatlichen Lottogesellschaften, auf den Markt geht und einen Beitrag zur Förderung des Spitzensports leisten soll.

          Ob das mehr als eine gute Idee ist, wird sich erst zeigen, aber gute Ideen reifen etliche im deutschen Sport, umgesetzt werden zu wenige. Harting ist auch deshalb ein Mann des Jahres, weil er nicht den Mund hält. Das war erst vor ein paar Tagen so, als die ARD dokumentierte, wie die russische Konkurrenz dopt. Saubere Athleten seien die neuen Doping-Opfer, sagte Harting.

          Die anderen Sieger: Fußball-Bundestrainer Joachim Löw (links) für die Weltmeister und Maria Höfl-Riesch als Sportlerin des Jahres Bilderstrecke

          Das ist schon deshalb pikant, weil der Scheibenwerfer vor gut fünf Jahren, vor der Leichtathletik-WM in Berlin ein paar Sätze gegen die Doping-Opfer des DDR-Staatsdopings herausschleuderte, die nicht nur despektierlich, sondern beleidigend und verletzend, schlicht skandalös waren. Damals klang Harting wie jemand, der nicht nur nicht wusste, was sich nicht gehört, sondern wie jemand, der nicht weiß, wovon er spricht.

          Das hat sich geändert und das ist Anerkennung wert. Wer nun kritisiert, dass Harting deshalb zum Sportler des Jahres gewählt wurde, obwohl Frenzel und Loch im Februar mit Gold nach Deutschland heimkehrten, der sollte noch mal zurückdenken an den vergangenen Winter. Die Olympischen Winterspiele in Sotschi boten eine Menge Gelegenheiten zu Diskussionen.

          Die deutschen Sportler haben die wenigsten genutzt, um ihre Sicht der Dinge darzustellen. Männer (und Frauen), die den Mund aufmachen, wenn es letztlich um sie geht, um Themen, die weit über die Kraftentfaltung im Wurfring, den richtigen Wachs für die Loipe oder das Anschubtempo auf der Rodelbahn liegen, sind hierzulande nicht in jedem Olympiastützpunkt zu finden. Harting mag vor allem für sich sprechen, so wie Frau Riesch. Im Gegensatz zur pensionierten Alpin-Königin aber spricht er auch für andere Athleten. Deshalb ist er die richtige Wahl.

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