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Ringer-WM : Stäbler kämpft sich durch

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Urschrei nach erfolgreichem Kampf: Frank Stäbler Bild: dpa

Über den Umweg der Hoffnungsrunde gewinnt der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler doch noch WM-Bronze und sichert sich die Qualifikation für Olympia.

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          Frank Stäbler ballte die Fäuste, schrie sein Glück laut heraus – und fiel vor Erschöpfung neben die Matte. Nachdem sich der dreimalige Weltmeister allen Zweiflern zum Trotz doch noch das Ticket für die Olympischen Spiele geholt hatte, fiel eine riesige Last vom Vorzeigeathleten des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) ab. Durch den Einzug ins kleine Finale bei seiner letzten WM-Teilnahme und dem Gewinn der Bronzemedaille kann der 30-Jährige im kommenden Jahr in Tokio seinen Frieden mit Olympia machen.

          Wenige Minuten nach Stäbler gewann auch der Olympiadritte Denis Kudla aus Nackenheim (87 kg) seinen Bronze-Kampf gegen Mikalaj Stadub (Weißrussland). Eduard Popp aus Neckargartach (130 kg) machte den erfolgreichen Tag für den DRB perfekt. Der Schwergewichtler verlor zwar sein Halbfinale gegen den dreimaligen Weltmeister Riza Kayaalb aus der Türkei, kämpft aber am Dienstag um Bronze.

          „Ich kann es nicht glauben, dass ich die Quali noch geschafft habe. Das ist unfassbar“, sagte der überglückliche Stäbler, der nach den Spielen in Japan seine Karriere beenden wird. „Das war einer der schwierigsten Momente in meiner gesamten Karriere“, beschrieb der Griechisch-Römisch-Spezialist die Ausgangslage vor dem entscheidenden Kampf in der Klasse bis 67 Kilogramm am Montag bei der WM in Kasachstan: „Der Druck war so unglaublich hoch.“

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          Stäbler, der am Sonntag im Achtelfinale gegen den kubanischen Olympiasieger und späteren Weltmeister Ismael Borrero Molina aus dem regulären Wettkampf ausgeschieden war, hielt ihm stand. Im entscheidenden Kampf der Hoffnungsrunde setzte sich der Schwabe knapp mit 2:1 gehen Hansu Ryu durch. Gegen den Südkoreaner hatte Stäbler 2015 im Finale von Las Vegas seinen ersten WM-Titel geholt.

          Im Kampf um Bronze zeigte der Deutsche einen seiner famosen Auftritte, für die er berühmt ist. Nach einem zwischenzeitlichen 0:5 gewann er noch 6:5 gegen den Ägypter Mohamed Elsayed. „Nach dem Rückschlag vom Sonntag war das eine absolute Spitzenleistung von Frank. Das war wieder der Frank, wie wir ihn kennen“, sagte DRB-Präsident Manfred Werner dem SID: „Es gehört viel dazu, im entscheidenden Kampf für Tokio so eine Leistung zu bringen. Durch die Qualifikation kann er sich jetzt gezielt auf Olympia vorbereiten und muss nicht bei den harten Quali-Turnieren im Frühjahr ran.“

          In Tokio möchte Stäbler, der in den Tagen und Wochen vor der WM mehrere Kilo für das Erreichen des Limits abgenommen hatte, seine offene Rechnung mit Olympia begleichen. Im Jahr 2012 landete Stäbler auf dem vierten Platz, 2016 war es aufgrund einer Verletzung Rang sieben. Die Erfahrung aus Kasachstan soll ihm in Tokio helfen. „Vor dem Kampf gegen Molina am Sonntag habe ich kurz geschlafen, dann konnte ich den Körper nicht mehr hochfahren. Der Kampf war vorbei, bevor er begonnen hatte. Das war Künstlerpech - aber das wird mir nie mehr passieren“, beteuerte Stäbler: „Ich wusste, dass eine Schlacht verloren war - aber nicht der Krieg. Für die Hoffnungsrunde hatte ich mir vorgenommen, nochmal alles rauszuhauen, obwohl mein Körper eigentlich im Eimer war. Wenn schon, dann wollte ich mit wehenden Fahnen untergehen.“

          Seine Fahnen hochhalten kann der DRB. Neben Stäbler sicherten auch Kudla und Popp Olympiaplätze für den Verband, der zwei bis drei Tickets als Ziel ausgegeben hatte. „Drei Plätze sind super, der Wahnsinn“, freute sich Werner. Die Frauen und Freistil-Spezialisten können bis zum WM-Ende am Sonntag noch Bonusplätze holen.

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