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Ringen : Stäbler krönt sich zum Weltmeister in zwei Klassen

Weltmeister in zwei Klassen: Frank Stäbler krönt sich in PAris zum Weltmeister in der Klasse bis 71 Kilogramm Bild: dpa

So erfolgreich waren die deutschen Ringer seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr: Am ersten Tag der Weltmeisterschaft in Paris schreibt Frank Stäbler deutsche Ringergeschichte.

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          Nach dem Schlusssignal hatte Frank Stäbler noch die Kraft, eine Geste von vor zwei Jahren zu zitieren: Doch anders als bei seinem ersten Weltmeistertitel trug nicht Heimtrainer Andreas Stäbler ihn auf den Schultern über die Matte, sondern umgekehrt.

          Er hatte offenbar in den sechs vorangegangenen Kampfminuten noch nicht genug Kraft gelassen an einem Tag, an dem er deutsche Ringergeschichte geschrieben hat: Der 28 Jahre alte Griechisch-Römisch-Spezialist aus Musberg hat mit dem 8:3-Sieg nach Punkten gegen den Kasachen Demeu Zhadrayev in der Klasse bis 71 Kilogramm als erster deutscher Ringer Titel in zwei Gewichtsklassen errungen. Vor zwei Jahren war Stäbler bei seiner zuvor letzten WM-Teilnahme Weltmeister in der Klasse bis 66 Kilogramm geworden.

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          Der Finalerfolg am ersten Tag der Welttitelkämpfe war der Höhepunkt einer Ausnahmeleistung des erfolgreichsten deutschen Ringers der vergangenen anderthalb Jahrzehnte. Stäbler hatte eine schwere Auslosung, die ihm auf dem Weg ins Finale nicht nur eine zusätzliche Qualifikationsrunde gegen Luis de Leon aus der Dominikanischen Republik am frühen Morgen, sondern anschließend ausschließlich Weltklassegegner bescherte. „Ich habe mir gesagt, dass ich eben etwas ganz Besonderes leisten muss, wenn man was ganz Besonderes erreichen muss“, sagte Stäbler.

          Steiniger Weg ins Finale

          Nachdem er den Weltranglistenersten Rasul Schunayev aus der Ringer-Großmacht Aserbaidschan mit einer strategischen Meisterleistung bezwungen hatte, ließ er bemerkenswert dominante Kämpfe gegen den Weißrussen Pawel Liach, den Iraner Abdolhamid Mohammadali Geraei sowie den in der deutschen Ringer-Bundesliga derzeit wegen eines Dopingverdachts gesperrten Moldawier Daniel Cataraga folgen. „Das war sicher das beste Turnier in Franks bisheriger Karriere“, sagte DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis, der Stäbler bei der Weltmeisterschaft neben dessen Heimtrainer und Bundestrainer Michael Carl betreute. „Ich verneige mich vor dieser historischen Leistung.“

          Stäbler kehrte somit nach einem enttäuschenden Jahr 2016 umso stärker in die Weltspitze zurück: Im Vorjahr hatte er sich als Favorit mit großen Ambitionen akribisch auf die Olympischen Spiele vorbereitet, konnte in Rio de Janeiro wegen eines im letzten Training vor der Abreise aus Deutschland erlittenen Risses des Syndesmosebands im Fuß aber nicht bei voller Leistungsfähigkeit in den Wettkampf gehen. „Diese bittere Erfahrung habe ich verarbeitet und mich heute für die harte Arbeit nach der Genesung belohnt“, sagte Stäbler.

          Kudla holt Silber

          Der Tag brachte für die deutschen Ringer noch weiteren Grund zur großen Freude: Nach Stäbler stand am Abend auch noch der erst 22 Jahre alte Denis Kudla in der Klasse bis 85 Kilogramm im WM-Finale. Das Ausnahmetalent im deutschen Ringen, das im vergangenen Jahr bereits Bronze bei den Olympischen Spielen errang, musste im Finale allerdings dem Türken Metehan Basar mit 1:2 Punkten den Vortritt lassen.

          Überlegener Sieger: Stäbler besiegt im Finale den Kasachen Demeu Zhadrayev

          Auf einen solchen Erfolgstag wie am Montag mussten die in den vergangenen Jahren vor allem in Griechisch-Römisch aufstrebenden deutschen Ringer 23 Jahre warten: Seit am 8. September 1994 Thomas Zander und Alfred Ter-Mktrchyan binnen einer Stunde ihre Weltmeistertitel errangen, waren erstmals wieder zwei Athleten bei einer WM für Kämpfe um Goldmedaillen qualifiziert.

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