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Ringer-Weltmeister Stäbler : Der Kampf nach dem Kampf

Spektakulärste Aktion des Abends: Frank Stäbler wirbelt seinen Mainzer Gegner Ruhullah Gürler durch die Luft. Bild: Kadir Caliskan

In den Playoffs um die Mannschaftsmeisterschaft entfaltet Ringen eine Faszination, die dem Sport sonst zu oft abgeht. Beim Kampf zwischen Heilbronn und Mainz ist Weltmeister Frank Stäbler auch den jungen Autogrammjägern gewachsen.

          Frank Stäbler ist noch außer Atem, das Handtuch hängt um seinen Hals, immer wieder wischt er sich Schweißperlen aus dem Gesicht. Eigentlich hätte er sich ein Durchschnaufen verdient. Soeben hat er im letzten Duell des Halbfinal-Hinkampfs um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft mit einem 14:0-Sieg gegen Ruhullah Gürler seinem Team der Red Devils Heilbronn gegen den Herausforderer ASV Mainz 88 weitere drei Mannschaftspunkte gesichert. Der dreifache Weltmeister im griechisch-römischen Stil sorgte damit für den 15:10-Endstand, der den leicht favorisierten Schwaben einen beruhigenden Vorsprung mit auf den Weg zum Rückkampf am kommenden Samstag in Mainz gibt.

          Stäbler löste seine Aufgabe gegen einen talentierten deutschen Nachwuchsmann Gürler, mit dem er beispielsweise bei der deutschen Meisterschaft vor einem Jahr einige Probleme hatte und sich dabei sogar einen Nasenbeinbruch zugezogen hatte, mit Bravour.
          Doch der 29 Jahre alte Stäbler bekommt nach dem Schlussgong keine Ruhe. Autogrammjäger umlagern das Aushängeschild des deutschen Ringens. Dutzende Kinder und Jugendliche wollen den Schriftzug ihres ringenden Idols im Programmheft, auf einer Autogrammkarte oder einem T-Shirt haben, Stäbler schreibt entkräftet und ausgelaugt geduldig seinen Namenszug. Die wachsende Begeisterung im Ringernachwuchs muss schließlich gepflegt werden. „Das ist noch härter als der Kampf“, scherzt Stäbler. „Aber ich mache das gerne, wenn ich die Kinder sehe, ich sehe das auch als Verpflichtung an. Als ich ein kleiner Ringer war, da saß ich bei mir in Musberg am Mattenrand und habe bei Oberligakämpfen die großen Männer bestaunt. Ich weiß heute noch, wie dankbar und glücklich ich war, wenn mir dann mal einer zugezwinkert oder mich abgeklatscht hat.“

          Botschafter seines Sports

          Der 29 Jahre alte Schwabe spricht gerne davon, dass er neben seinen sportlichen Ambitionen auch das Ringen voranbringen möchte in Deutschland, wo die olympische Traditionssportart ein Schattendasein fristet. Er versteht sich mit seinem offenen Wesen selbst bei in der Ringerszene umstrittenen Auftritten wie vor zwei Jahren bei Promi-Big-Brother stets auch als ein Botschafter seines in Deutschland anders als in den großen Ringernationen öffentlich wenig beachteten Sports. Er will für das puristischste Duell Mann gegen Mann, das es im Kampfsport gibt, auf jeder möglichen Bühne werben, weil das Ringen selbst nur selten seine Faszination so eindrücklich entfalten kann wie an diesem Samstagabend in Heilbronn.

          In den Playoffs, wenn die Klubs ihre bestmöglichen Teams auf die Matte schicken, zieht gerade das Mannschaftsringen eine mit mehr als tausend Zuschauern vollbesetzte Halle in ihren Bann. Es geht dann nicht nur um Siege und Niederlagen in den zehn Kämpfen in Griechisch-Römisch oder Freistil, sondern auch um die Punktedifferenz in den einzelnen Duellen. So quälen sich die in Mainzer Diensten ringenden Weltklasseathleten wie der de Pole Tadeusz Michalik oder der Russe Timur Bizhoev trotz klarer Führung bis zur vollkommenen Verausgabung, um ihrem Team noch je einen zusätzlichen, für eine geringe Restchance im Rückkampf wertvollen Punkt zu bescheren. Nach dem Schlussgong brauchen sie minutenlang, um sich von den zweimal drei Minuten der Strapazen auf der Matte zu erholen.

          Ähnlich gehen auch die Heilbronner wie das aus der eigenen Ringerjugend bis in die Weltklasse aufgestiegene Vereinsurgestein Eduard Popp im Schwergewicht an die eigenen Grenzen und kurzzeitig sogar darüber hinaus. Vergessen sind an einem solchen Abend die seit Jahren andauernden Streitigkeiten im deutschen Ringen, wo sich fünf der besten Klubs aus Unzufriedenheit mit der Vermarktung des Mannschaftsringens durch den Deutschen Ringerbund in einer eigenen Deutschen Ringerliga selbst organisieren und ebenfalls in diesen Wochen einen Meister ermitteln und in der Bundesliga schmerzlich vermisst werden als qualitative Bereicherung.

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